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Nobelpreis-Gala „Wir sind aufgerufen, der Erde zu helfen“

10.12.2004 ·  Die Unterschiede konnten nicht deutlicher sein: In Stockholm herrschte europäische Dezenz, in Oslo afrikanische Farbenfreude. In beiden Fällen war es besonders festlich: Die Nobelpreisträger erhielten ihre Auszeichnungen.

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Vor tausenden Ehrengästen aus Adel, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sind am Freitag in Oslo und Stockholm die diesjährigen Nobelpreise vergeben worden. Bei der Zeremonie im Osloer Rathaus rief die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai die Menschheit zum Umdenken in puncto Umweltschutz auf. In der Stockholmer Konzerthalle wurde unter anderem die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gewürdigt, die mit „weiblichem Ketzertum“ die Schreibkunst bereichert habe. Sie selbst war nicht anwesend.

„Wir sind aufgerufen, der Erde zu helfen, ihre Wunden zu heilen und damit auch unsere, und die gesamte Schöpfung in all ihrer Vielfalt, Schönheit und in all ihrem Zauber zu umarmen“, sagte die Kenianerin Maathai. Mit der Entscheidung, eine Umweltschützerin auszuzeichnen, habe das Nobelpreiskomitee das Verständnis von Frieden erweitert: „Es kann keinen Frieden ohne gerechte Entwicklung geben, und es kann keine Entwicklung ohne nachhaltigen Umgang mit der Umwelt in einem demokratischen und friedlichen Raum geben.“

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Ole Danbolt Mjös, überreichte der 64jährigen eine Urkunde, eine Goldmedaille und das Preisgeld in Höhe von zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro). Mjös pries Maathai vor den 1000 geladenen Gästen als „herausragendes Vorbild für Frauen in Afrika und in der ganzen Welt“. Die Gründerin der Grüngürtelbewegung (Green Belt Movement), die sich vor allem für die Wiederaufforstung der Wälder in Afrika einsetzt, engagiert sich auch für die Förderung der in traditionellen Strukturen benachteiligten Frauen sowie für Menschenrechte und Demokratie. Allerdings gilt sie auch als umstritten, da sie die in Schwarzafrike weit verbreitete These, Aids sei die Folge eines Kampfstoffes der Weißen, mit dem die Schwarzen kontrolliert werden sollten, ebenfalls vertreten haben soll.

Nobelpreis-Gala: „Wir sind aufgerufen, der Erde zu helfen“

Drei Frauen unter den Preisträgern

Der Vorstandsvorsitzende der Nobel-Stiftung, Bengt Samuelsson, betonte, daß in diesem Jahr gleich drei Frauen einen Nobelpreis erhalten hätten. Eine davon war die österreichische Schriftstellerin Jelinek, die ihre Teilnahme aus selbst erklärter Abneigung gegenüber Feierlichkeiten dieser Art abgesagt hatte. Stattdessen übersandte sie ein Videoband mit einer Rede über die Kraft der Sprache. Für die Zeremonie selbst lagen aber keine Äußerungen der umstrittenen Autorin vor. Der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Horace Engdahl, erklärte bei der Preisverleihung, Jelinek habe die Tradition weiblicher Ketzer neu belebt und damit die Kunstgattung Literatur bereichert.

Ebenfalls in der Stockholmer Konzerthalle wurden die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft übergeben. Insgesamt gab es zwölf Preisträger, darunter als dritte Frau die Amerikanerin Linda Buck, die zusammen mit ihrem Landsmann Richard Axel den Medizinpreis erhielt. Nach der Verleihungsfeier gab es für die 1300 Gäste ein großes Galabankett.

Die Osloer Feier zur Übergabe des Friedenspreises verlief in diesem Jahr deutlich farbenfroher als gewöhnlich: Vor Maathais Ansprache traten afrikanische Tänzer und Trommler in traditionellen Gewändern auf. Maathai ist die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis erhält.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
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