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Nina Hoss und Karoline Herfurth im Interview : Sie wollen nur beißen

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Karoline Herfurth (l.) und Nina Hoss in dem Vampirfilm „Wir sind die Nacht”: Man macht sich Gedanken darüber, wie man zubeißt Bild: dapd

Die Schauspielerinnen Nina Hoss und Karoline Herfurth spielen in „Wir sind die Nacht“ zwei Vampire. Auf FAZ.NET sprechen sie über gemeinsame Ideale, die Faszination des Bösen und Blutsauger in der Gesellschaft.

          Die Schauspielerinnen Nina Hoss und Karoline Herfurth spielen in „Wir sind die Nacht“ zwei Vampire. Auf FAZ.NET sprechen sie über gemeinsame Ideale, die Faszination des Bösen und Blutsauger in der Gesellschaft.

          Wenn man mal zwei, drei Monate Vampir war, und sei es auch nur zu Dreharbeiten - verändert das?

          Karoline Herfurth: Es macht auf jeden Fall sehr müde . . .

          Eigentlich ist der Vampir ein Sinnbild für die Sünde.
          Eigentlich ist der Vampir ein Sinnbild für die Sünde. : Bild: 2010 Constantin Film Verleih GmbH

          Nina Hoss: . . . weil man nur nachts dreht. Aber es ist schon eine neue Erfahrung. Das fängt damit an, dass man sich Gedanken macht, wie man zubeißt. Zum Beispiel, wenn ich Karoline zur Vampirin mache: Ist das ein schneller Biss oder ein langsamer? Ist der mit einem Geräusch verbunden oder nicht? Da merkt man dann, dass man einen Genrefilm dreht und sich andere Gedanken machen muss als „nur“ über die Psychologie einer Figur.

          Warum nimmt eine Schauspielerin wie Sie so eine Rolle an?

          Hoss: Man verbindet mich meistens mit den Filmen von Christian Petzold, in denen ein psychologisches, detailliertes Spiel erforderlich ist. Aber das ist nicht meine ganze Schauspielerei. Ich bin doch neugierig und abenteuerlustig. Bei „Wir sind die Nacht“ wusste ich nicht, ob das ein Film wird, von dem ich hinterher sage, zum Glück war ich dabei. Aber ich wollte es probiert haben.

          Und?

          Hoss: Wie gesagt, eine Erfahrung. Stunts, körperliche Herausforderungen: Solche Dinge macht man sonst nicht. Da hatte ich große Lust drauf.

          Wir werden zurzeit mit Vampirfilmen, Vampirserien und Vampirbüchern überschwemmt. Wie kommt das?

          Herfurth: Ich glaube nicht, dass solche Wellen einen Zeitgeist abbilden. Nehmen Sie diesen Film: Die Idee ist zwölf Jahre alt. Aber es gab nie eine Plattform dafür. Wenn die Leute dann merken, plötzlich funktioniert ein Thema, sprudeln alle jahrelang gehorteten Ideen hervor. So entsteht ein Hype.

          Gute Vampirfilme gelten als Spiegelbild der Gesellschaft.

          Hoss: Was sind Vampire denn? Wesen, die andere Menschen vernichten müssen, um existieren zu können. Sie müssen sie aussaugen, sie leben von ihrem Blut, von dem, was andere Menschen am Leben erhält. Das kann man natürlich übertragen. Stichwort Kapitalismus: Wer sind die Vampire in unserer Gesellschaft? Ich könnte darüber lange nachdenken. Ich glaube nur, es hat nicht viel mit unserem Film zu tun. In „Interview mit einem Vampir“ beispielsweise steht die Moral im Vordergrund. Bei uns nicht.

          Herfurth: Das Schöne an Genrefilmen ist, dass sich jeder seine Gedanken machen kann.

          Und was denken Sie?

          Hoss: Eigentlich ist der Vampir ein Sinnbild für die Sünde. Du kannst Unglaubliches erleben - aber du hast dich verkauft. Du kannst deswegen länger leben, du kannst den Tod überwinden, wonach du dich sehnst. Dafür bezahlst du aber. Bitter. Keine Sonne mehr. Du bist in dieser Existenz gefangen. Bei Dracula kommt die Verführung dazu, Beißen und Aussaugen, sexueller geht es nicht. Das Böse mit seiner Macht zieht an. Der Vampirmythos gründet auf der Faszination des Verbotenen. Aber es geht auch um Bestrafung.

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