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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Nicolas Cage Der Schmerzensmann in der Oberpfalz

26.07.2006 ·  Nicolas Cage findet sein neu erworbenes Schloß in der Oberpfalz „so richtig authentisch und sehr familiär“. Authentizität ist für einen Filmstar sicher ein Kriterium. Mit dem Familiären könnte er sich allerdings vertan haben.

Von Andreas Kilb
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Schloß Neidstein, Anfang des sechzehnten Jahrhunderts von einem Ministerialen der Herzöge von Bayern-Landshut errichtet, erhebt sich malerisch verträumt mit seinen Giebeltürmchen und seiner Bruchsteinmauer auf einem Felssporn zwischen den oberpfälzischen Gemeinden Amberg und Etzelwang. Fast fünf Jahrhunderte lang gehörte es den Nachfahren des Erbauers, die, inzwischen in den Vereinigten Staaten ansässig, einmal im Jahr für ein paar Wochen vorbeikamen, um nach dem Rechten zu sehen und ihren Familienstammsitz zu bewohnen. Seit vergangener Woche nun ist das Schlößchen Eigentum eines Mannes, der bislang weder als Burgherr noch als Oberpfälzer aufgefallen ist: Nicolas Cage.

Cage, der geschätzte knapp zwei Millionen Euro für sein neues Anwesen gezahlt hat, ließ sich mit dem Satz zitieren, er habe Schloß Neidstein erworben, weil es „so richtig authentisch und sehr familiär“ sei. Authentizität ist allerdings ein Kriterium, wenn man in Los Angeles wohnt, wo man sich den Stil seiner Immobilie per Mausklick aus Dutzenden von Vorlagen auswählen kann. Angeblich wohnt Cage bereits in einem Haus im Schlößchenstil in einem Vorort von L.A. Vor einigen Jahren, heißt es, wollte er sich ein richtiges Schloß aus Europa kommen lassen. Inzwischen hat er sich offenbar besonnen, lieber selbst dorthin zu gehen, wo Goethes alte Basalte und Eichendorffs grüne Wälder wachsen.

Vielleicht doch nicht so familiär

Die Pointe des Cage-Zitats über Neidstein versteckt sich im letzten Wort. Familiär, „sehr familiär“ sogar will er es haben in seinem 900-Quadratmeter-Besitz, wie alle Berühmtheiten aus Übersee. Aber das ist ein frommer Wunsch. Ein Schauspieler, der für seine Auftritte als Killer, Psychopath, Schatzsucher, G.I., Waffenhändler oder FBI-Agent zwischen zwei und zwanzig Millionen Dollar pro Film kassiert, kann auch im Oberpfälzischen nicht mehr unbelästigt spazierengehen. Als Cage im Frühling in Amberg weilte, um sich das Objekt seines Interesses anzusehen, wurde er beim Verzehr von sauren Bratwürsten auf dem Marktplatz bereits von einem Fan erkannt, und die Kellnerin bat fürs Gästebuch um ein Autogramm. Wenn alles gutginge, schrieb die „Mittelbayerische Zeitung“ vor dem Verkauf, könne sich das Amberg-Sulzbacher Land über „eine weitere, echte Touristenattraktion“ freuen. So wird es wohl nichts werden mit der Familienruhe hoch oben auf Neidstein.

Interessant ist bei alldem die Symbolik der Verteilung von Hollywoodstars auf verschiedene europäische Länder. Während die Franzosen den wilden Johnny Depp bekommen haben, der mit Frau und Kindern an der Cote d'Azur lebt, und die Italiener den smarten George Clooney mit seiner Luxusvilla am Comer See, dürfen sich die Deutschen jetzt mit dem schwerblütigen Schmerzensmann Cage schmücken. Ob er wohl auch jagen wird in den 165 Hektar Waldbesitz, die zu seiner neuen Immobilie gehören? „Für mich“, sagt Nicolas Cage alias Sailor in Lynchs „Wild at Heart“, „ist das ein Symbol meiner Individualität und meines Glaubens an persönliche Freiheit.“ Ja, dann: Halali.

Quelle: F.A.Z., 26.07.2006, Nr. 171 / Seite 36
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