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Aufforstung in Burkina Faso : Bäume pflanzen an der Grenze zur Hölle

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Grüne Grenze: In den mit Metallzäunen eingefriedeten Feldern sind Bäume und Büsche vor Tieren, Menschen und Wildfeuern geschützt Bild: Thomas Veser

Burkina Faso verliert immer mehr Wald an die Wüste. Ein Hilfsprojekt soll nun die natürliche Wiederaufforstung voranbringen. Vor allem die ansässigen Bauernfamilien helfen mit.

          Ouagadougou, im Dezember. In der bleiernen Nachmittagshitze wirkt die Savannenlandschaft wie erstarrt. Windstöße wirbeln ab und zu Sand auf und verstärken das beklemmende Gefühl, in einem Backofen der Natur gefangen zu sein. Auf der Ebene um Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso, herrschen Temperaturen von bis zu 50 Grad, die den Boden schnell aufheizen. Kommt er mit kälteren Luftschichten in Berührung, bilden sich kleine Wirbelstürme, Silmandé genannt, die über den Boden fegen und der Szenerie geisterhafte Züge verleihen.

          „Burkina Faso hat eine gemeinsame Grenze mit der Hölle“ lautet eine alte Redewendung im „Land der Integren“, wie die ehemalige französische Kolonie Obervolta seit 1984 heißt.

          Neue Methode soll helfen

          Karge Böden, Übernutzung, Bevölkerungswachstum und die Folgen des Klimawandels machen den Menschen nicht nur in der Landesmitte um Ouagadougou, sondern besonders in den nördlich gelegenen Provinzen das Leben schwer. Sie benötigen größere Ackerflächen und mehr Brennholz zum Kochen. Jahr für Jahr verliert Burkina Faso nach Angaben des Umweltministeriums dadurch mehr als 110.000 Hektar Waldfläche – vier Prozent des gesamten Baumbestands.

          Die Wiederaufforstung war bisher selten von Erfolg gekrönt, wie überall in Afrika. Seit 2006 praktiziert der Schweizer Verein Newtree in Burkina Faso einen anderen Ansatz, mit dem der Naturwaldbestand vergrößert werden soll: eine natürliche Wiederbewaldung, auch regenerative Wiederaufforstung genannt. Nicht der Mensch übernimmt dabei die tragende Rolle, sondern die Natur.

          Das Ökosystem muss sich regenerieren

          Die Grundidee: Eine Bauernfamilie oder Frauengruppe erklärt sich bereit, die für sie neuen Methoden in der Landwirtschaft auszuprobieren. So wird ein etwa drei Hektar großes Feld mit einem Metallzaun eingefriedet, darin wird auf maximal einem Viertel biologische Agro-Forstwirtschaft praktiziert, in einem Nebeneinander von Bäumen und Nutzpflanzen. Das Gras, das während der Regenzeit sprießt, wird als Heu geerntet und gelagert, statt Tiere weiden zu lassen. Auf diese Weise vor Tieren, menschlichem Zugriff und Buschfeuer geschützt, regeneriert sich das Ökosystem, Bäume und Büsche gedeihen, und Felder werden wieder fruchtbar. Nur so kann neuer Wald entstehen, denn außerhalb der eingefriedeten Gebiete holen sich die zahlreichen Ziegenherden das, was sie zum Überleben benötigen.

          Die Resultate, laut Newtree vollständig durch Spendengelder privater und Beiträge institutioneller Geber finanziert, haben die Einheimischen überzeugt. Inzwischen wollen mehr Familien an dem Programm teilnehmen, als bisher möglich ist.

          Die Zäune schützen die natürliche Vegetation

          „Die Ödlandflächen sind stark degradiert und teilweise erodiert. Man konnte sich kaum vorstellen, dass dort je wieder Bäume wachsen würden“, sagt Franziska Kaguembèga Müller, eine Schweizer Biologin, die den Berner Verein gegründet hat und bis 2015 in Ouagadougou lebte.

          In Westafrika sind die Savannenböden mit einem schier endlosen Geflecht von Baumwurzeln durchzogen. „Außerdem befinden sich im Erdreich große Mengen an Samen“, sagt Müller. „Durch Zäune geschützt, können so ungestört neue Bäume entstehen, zumal auch Vögel Samen herbeibringen und mit den Ausscheidungen der durchziehenden Viehherden viele Samen verteilt wurden.“

          Das Projektgebiet umfasst 300 Parzellen mit knapp 1000 Hektar umzäunter Fläche, auf denen viele neue Bäume wachsen – im Durchschnitt pro Hektar 700 Bäume von 160 verschiedenen Sorten.

          Das System ist einfach und wirksam

          Angesichts der gewaltigen Gebiete mit degradierten Savannenwäldern ist das wenig. Die eingezäunten Parzellen zeigen aber, wie mit einfacher Bodenbearbeitung Äcker auch außerhalb der Zäune regeneriert werden können, wie wichtig Bäume für das Ökosystem sind und wie sich mit gezielter Nichtbeweidung dieses Ökosystem schützen und wieder aufbauen lässt. Hier geht es auch um den Umstieg auf nachhaltige Landwirtschaft.

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