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Relikt als Linienflugzeug : Club of old Ladies

  • -Aktualisiert am

In Deutschland als „Rosinenbomber“ bekannt: In Neuseeland kann man mit der DC-3 wirklich noch als Linienflugzeug fliegen. Bild: AIR CHATHAMS, JOHN KING

Am anderen Ende der Welt – genauer genommen in Neuseeland – führen Craig Emeny und sein Sohn Duane eine Airline mit einer der verrücktesten und ältesten Flotten der Welt.

          Der Flughafen von Whakatane sieht aus wie ein McDonald's ohne Rutsche. Die einen würden ihn deshalb gern abreißen, die anderen preisen seine erfrischend andere Architektur. Fast wäre es ohnehin egal gewesen. Mit weltläufiger Großstadtarchitektur ist in dem 15.000-Einwohner-Ort auf der Nordinsel Neuseelands sowieso kein Blumentopf zu gewinnen, ganz zu schweigen von den Flugzeugen, denn die flogen zwischenzeitlich gar nicht mehr hierher. Früher landeten täglich mehrere Beechcraft 1900D von Air New Zealand, zweimotorige Turboprops mit 19 Sitzen, die meist als Zubringerflugzeuge genutzt werden. Vor einigen Jahren aber änderte die nationale neuseeländische Airline ihre Ausrichtung: Die kleinen Flieger wurden abgeschafft und durch größere und effizientere Modelle ersetzt.

          In Whakatane und einigen weiteren Orten wurde es plötzlich ziemlich einsam am Flughafen. „Das hat viele Leute vor den Kopf gestoßen“, sagt der Pilot Duane Emeny. „Wenn der Flag Carrier nicht mehr deine Stadt anfliegt, ist das für die Leute schlecht und auch fürs Geschäft.“ Duanes Vater Craig fackelte nicht lange. Jetzt fliegt die Familie Emeny den Ort Whakatane von Auckland aus an, werktags mit einem Fairchild Metroliner, der 32 Jahre alt ist, am Wochenende mit einer Douglas DC-3; sie ist seit 72 Jahren im Dienst, ein Relikt aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

          Die Emenys sind eine Luftfahrerfamilie. Es beginnt mit Cliff Emeny, Jahrgang 1920. Mit 19 Jahren beginnt er seine Karriere als Kampfflieger für die Briten. Er ist nicht nur ein herausragender Pilot, sondern macht sich auch einen Namen als Bordschütze und Radarbeobachter. In Burma wird er 1944 von den Japanern in Kriegsgefangenschaft genommen. Cliff Emeny stirbt im Jahr 2000, aber Kerosin fließt auch in den Adern seiner Kinder. Sein Sohn Brett wird Hubschrauberpilot, sein Sohn Craig Flugzeugingenieur und später Pilot. Zunächst fliegt er von den Chathams, der Inselgruppe zweieinhalb Flugstunden östlich von Auckland, mit einer Cessna Skymaster auf die Pitt Islands. 1984 gründet er Air Chathams, um Flüge zwischen Auckland und den Chatham-Inseln aufzunehmen.

          Craig Emeny beweist früh seine Geschäftstüchtigkeit. Er sieht, dass es auf den Chathams viele Langusten gibt. Bis dahin wurden sie gefroren und dann mit dem Schiff auf die Hauptinseln Neuseelands gebracht. Craig Emeny kauft eine Convair 580 und fliegt sie fangfrisch. So schafft er einen neuen Markt. Mittlerweile fliegt Air Chathams mehr als 400 Tonnen Langusten jedes Jahr, außerdem Seeohren, Seeigel, Dorsche und Zackenbarsche. Für die Convair entscheidet er sich, weil sie einen großen Frachtraum hat, aber auch Passagiere transportieren kann: „Das ist die beste Wahl für unsere Bedürfnisse.“

          Denn Air Chathams ist auch für die 650 Bewohner der Inseln verantwortlich, fliegt für Krankenhaus und Polizei - und manchmal auch Touristen; so begrüßte die deutsche Theologin Margot Käßmann auf den Chathams als eine der ersten das neue Jahr. Die Convairs sind alt, aber die meisten Passagiere, sagt Emeny, seien doch angenehm überrascht, dass die Flugzeuge geräumig sind und dass es Snacks und Kaffee gibt.

          „Ich hab mich eigentlich nie fürs Fliegen interessiert“

          Die Convair ist gut für kurze Start- und Landebahnen geeignet, hat eine Druckkabine, kann viel mitnehmen und ist „das schnellste Turboprop-Flugzeug in Neuseeland“, sagt Craig Emeny. Der zweieinhalbstündige Flug von Auckland nach Waitangi auf den Chatham-Inseln ist der längste Inlandsflug Neuseelands. Zur Convair gesellen sich bald weitere Flugzeuge. Heute hat Air Chathams eine der verrücktesten Flotten der Welt: Convair 580, Fairchild Metroliner, Saab 340 - und eben die Douglas DC-3 aus dem Krieg. Zu Craig Emeny kam sie über Umwege. Er besaß damals die Lizenz, Flüge innerhalb des Königreichs Tonga auszuführen. Und als er dort einen Hangar kaufte, kaufte er die DC-3 gleich mit.

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