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Neil Patrick Harris : „Ich will nichts beweisen“

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Hat „nicht das Gefühl, in naher Zukunft ein künstliches Hüftgelenk zu brauchen“: Neil Patrick Harris. Bild: REUTERS

Neil Patrick Harris ist bekannt für die Serie „How I Met Your Mother“ - wo er, der Schwule, den Frauenhelden Barney Stinson spielt. Ein Gespräch über Bekenntnisse, Kinder, das Leben mit 40 - und ein eher ungewöhnliches Hobby.

          Mr. Harris, seit 2010 sind Sie Vater von Zwillingen. Gerade haben Sie einen Vater gespielt, im Film „Die Schlümpfe 2“. Im ersten Teil waren Sie ein angehender Vater, der sich vor diesem neuen Lebensabschnitt fürchtete. Nachdem Ihre eigenen Kinder da sind: Haben Sie die Rolle jetzt anders gespielt?

          Als wir den ersten Teil drehten, war es noch ein großes Geheimnis, dass ich sozusagen selbst schwanger war . . .

          Sie und Ihr Partner David Burtka bekamen Ihre Kinder mit Hilfe einer Leihmutter.

          Ja. Ich befand mich damals in einem ähnlichen Stadium wie der Mann, den ich spielen sollte, und konnte ihn deswegen auch besser verstehen. In dem neuen Film geht es ja zu einem großen Teil um Probleme, die meine Figur mit ihrem Vater hat. Ich liebe meinen Vater, und er war immer für mich da. Deswegen fehlte mir in dieser Hinsicht der Bezugspunkt. Aber ich habe mich jetzt sehr viel wohler in der Vater-Rolle gefühlt; die war ganz selbstverständlich. Und jetzt, wo ich Vater bin, fühle ich mich mehr verwurzelt als früher.

          Sie leben seit Jahren offen homosexuell, spielen aber trotzdem sehr erfolgreich den Womanizer Barney Stinson in der Serie „How I Met You Mother“. Manche Ihrer Kollegen erleben nach ihrem Outing einen Karriereknick. Sind Sie das Beispiel dafür, dass es auch anders geht?

          Ich bin auf jeden Fall nicht mit dem Plan angetreten, mit Stereotypen aufzuräumen und als schwuler Mann Heterosexuelle zu spielen, um damit etwas zu beweisen. Es war ganz simpel. Ich kannte die Casting-Agentin, und sie war der Meinung, ich sei eine gute Wahl für die Rolle des Barney. Zu der Zeit habe ich aber auch für diverse andere Rollen in Fernsehserien vorgesprochen. Meine Bewerbung sollte kein Statement sein. Und das die Serie so ein Erfolg wird, habe ich auch nicht geahnt. Generell macht es mir Spaß, das Gegenteil von dem zu spielen, was ich im wirklichen Leben bin.

          Viele schwule Schauspieler haben Angst vor dem Ende ihrer Karriere als romantischer Held. Können Sie das nachvollziehen?

          Ich glaube nicht, dass deine Karriere den Bach runtergeht, wenn du dich outest. Wahrscheinlich kommt es aber auf den Einzelfall an. Der Prozess des Coming-out geht ans Eingemachte. Aber wenn es um die Entscheidung geht, unsere Sexualität offen zu leben, sind wir selbst oft unsere schlimmsten Feinde. Natürlich gibt es Kollegen, die in James-Bond-Manier den harten Kerl machen; die könnten vielleicht ein Problem haben. Aber auch da bin ich mir nicht mehr sicher. Glücklicherweise bin ich keiner dieser Männer. Ich gebe nicht vor, etwas anderes zu sein als das, was ich bin. Im Sport erleben wir ja eine ganz ähnliche Entwicklung; ich wüsste nicht, warum ein Footballspieler langsamer rennen oder weniger hart blocken sollte, nur weil er einen Mann liebt.

          „Ich hatte das Glück, den Mann zu treffen, den ich liebe“: Harris und sein Partner David Burtka Ende Juni in Las Vegas.
          „Ich hatte das Glück, den Mann zu treffen, den ich liebe“: Harris und sein Partner David Burtka Ende Juni in Las Vegas. : Bild: AP

          Die Entscheidung, sich zu outen - war das ein langwieriger Prozess?

          Nein, mir schien es irgendwann eine alternativlose Notwendigkeit zu sein. Ich war glücklich, so zu leben, wie ich bin. Und ich hatte das Glück, den Mann zu treffen, den ich liebe. Jeder am Set von „How I Met Your Mother“ wusste, wer David ist. Und ich habe gar nicht versucht, unser Verhältnis zu vertuschen. Die Medien haben aber auch sehr viel Respekt gezeigt und nicht in meinem Privatleben herumgebohrt. Doch an einem gewissen Punkt fühlte es sich merkwürdig und unangenehm für uns an, zum Beispiel zusammen auf Premieren zu gehen. Ich ging über den roten Teppich, er nicht. Oder ich ging vor, er hinterher, und wir taten so, als ob wir nicht zusammen da wären. Für ihn war das nicht schön, sondern ein bisschen demütigend. Andererseits wollten wir auch nicht Hand in Hand ins Kino gehen, so als wollten wir irgendein großartiges Statement machen. Das war eine seltsame Dynamik. Also habe ich es ausgesprochen. Und es war eine gute Erfahrung. Entweder wir bekamen Unterstützung und Zuspruch, oder es interessierte die Leute noch nicht einmal besonders.

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