Home
http://www.faz.net/-gun-77av5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Natascha Kampusch Für Kampuschs Vater ist Verlies nur ein „Mythos“

In seinem Buch bezichtigt Natascha Kampuschs Vater seine Tochter der Lüge: Das Verlies habe es nie gegeben – das Mädchen habe nur so lange mit der Flucht gewartet, weil sie nicht zurück nach Hause wollte.

© dpa Vergrößern Bei der Film-Premiere: Natascha Kampusch in München

Zu einer zweiten Tragödie, diesmal auf offener Bühne, entwickelt sich der Fall des Entführungsopfers Natascha Kampusch. Jetzt, da die Leidensgeschichte der „3096 Tage“ des Mädchens in der Gewalt eines Mannes verfilmt in die Kinos kommt, hat ihr Vater eine eigene Sicht der Dinge in einem eigenen Buch ausgebreitet - und bezichtigt offenbar sein Kind der Lüge.

Mehr zum Thema

Stephan Löwenstein Folgen:    

Das jedenfalls legen Auszüge nahe, die das Internetportal „oe24“ verbreitet. Dass das Kind die ganze Zeit in einem Kellerverlies gefangen gehalten wurde, sei „ein Mythos“, heißt es da. Das Kind habe mit der Flucht gewartet, bis es volljährig war, weil es nicht in ein Heim oder zurück zur Familie gewollt habe. Kampusch sagte dazu in München, wo sie sich zur Erstaufführung des Films aufhielt, sie sei „sprachlos“ und „erschüttert“; von dem Buchprojekt des Vaters habe sie nichts gewusst.

Abfällige Kommentare über Natascha Kampusch

In dem Film wird die Geschichte des Mädchens gezeigt, das als Zehnjährige von Wolfgang Priklopil entführt und in einem Keller ohne Tageslicht gefangen gehalten wurde. Auch darin ist von Ausflügen an die Oberwelt die Rede, in denen sie durch Angst an den Mann gefesselt blieb, den sie bei öffentlichen Auftritten nur „den Täter“ nennt.

Dass sie öffentlich spricht, reizt viele Teilnehmer in Internetforen zu derart abfälligen Kommentaren, dass selbst die Boulevardzeitungen die Foren zeitweilig schlossen. Auch dort werden Theorien verbreitet, etwa über einen Mittäter, den Kampusch schütze.

Sie werden durch das Buch des Vaters befeuert, der als Motiv übrigens Liebe zu seiner Tochter angibt. Die hingegen erinnerte an den Täter, der sich vor einen Zug geworfen hatte: „Es wäre besser, er würde noch leben, damit er sich rechtfertigen muss und nicht ich.“

Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© Constantin, F.A.Z. Vergrößern Video-Filmkritik: „3096 Tage“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Peter Härtling in Bad Homburg Das Jahrhundert des Flüchtlingskindes

Peter Härtling wird in Bad Homburg mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet. Der Autor der behutsamen Empathie spricht deutliche Worte zum Elend der Kinder. Mehr Von Florian Balke, Bad Homburg

10.11.2014, 14:14 Uhr | Rhein-Main
Bundesstiftung in der Krise Flucht, Vertreibung, Verwirrung

Ein Direktor, dem man misstraut, eine Ausstellung ohne Sachverstand, brüskierte Berater, heftige Diskussionen: Was ist bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung los? Mehr Von Jürgen Kaube

15.11.2014, 17:14 Uhr | Feuilleton
Syrisches Grenzgebiet Flucht vor den Häschern des Islamischen Staates

Mit Hilfe kurdischer Kämpfer retteten sich 150.000 Yeziden vor den Dschihadisten über den Tigris. Viele andere schafften es nicht mehr – ihre Töchter wurden versklavt. Mehr Von Rainer Hermann, Semalka/Derik

10.11.2014, 10:46 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.02.2013, 20:15 Uhr

Elysée-Palast Fotos von Hollande und Schauspielerin Gayet sorgen für Wirbel

Ein Klatschmagazin glaubt den Beweis für eine Liebesbeziehung von Präsident Hollande und Schauspielerin Julie Gayet gefunden zu haben, Christoph Waltz will sich nicht auf seinem Erfolg ausruhen und Bono muss nach einem Fahrradunfall zweimal operiert werden – der Smalltalk. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden