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Prince : „Er war blass und wirkte schwach“

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Während der fast 40 Jahre seiner Karriere war Prince nie mit Rauschgift aufgefallen. Nach seinem plötzlichen Tod kommen dennoch Gerüchte über Drogen und Krankheiten auf.

          So harmlos, wie Prince den Zwischenstopp seines Privatflugzeugs eine Woche vor seinem Tod beschrieb, war die nächtliche Landung offenbar nicht. „Wartet ein paar Tage, bevor ihr eure Gebete verschwendet“, beruhigte der Musiker ein paar hundert Fans, die er einen Tag nach der Notlandung in Moline in sein Studio Paisley Park in Chanhassen eingeladen hatte. Die Entourage des siebenfachen Grammy-Preisträgers unterstützte ihn derweil bei der Schadensbegrenzung. Von Grippe war die Rede und von Erschöpfung. Prince sei nur kurz in einem Krankenhaus behandelt worden und dann nach Chanhassen weitergeflogen.

          Obwohl der Flughafen von Moline im Bundesstaat Illinois nur knapp 45 Minuten von Prince’ Anwesen in Minnesota entfernt ist, blieben Gerüchte über Drogenexzesse aus. Während der fast 40 Jahre seiner Karriere war Prince nie mit Rauschgift aufgefallen. Zudem konvertierte er vor fast 15 Jahren zu der streng religiösen Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, deren Anhänger auf Alkohol und Rauschmittel verzichten.

          Nur wenige Stunden nach Prince’ plötzlichem Tod am Donnerstagmorgen brachte das Internetportal „tmz.com“ den Sänger dennoch mit Drogen in Verbindung. Der nächtlichen Notlandung in Moline am 15. April soll nicht bloß eine Grippe, sondern eine Überdosis vorausgegangen sein. Vertraute des Sängers berichteten von einer „Rettungsspritze“, welche die Wirkung von Opiaten aufheben sollte.

          Das Mittel Naloxon, das in der Notfallmedizin als Antidot bei Überdosierung von Drogen und Medikamenten eingesetzt wird, wurde Prince angeblich in einem Krankenhaus in Moline verabreicht. „Ich schwebe noch auf einer Wolke aus lilafarbenem Rausch“, ließ der Sänger am nächsten Morgen bei Twitter wissen.

          Spontane Tanzeinlagen

          Nach einem Bericht des Lokalsenders KSTP folgte dem „Save shot“ am Mittwoch ein Besuch des 57 Jahre alten Musikers in einem Krankenhaus in Minnesota. Einen Tag später fanden Freunde Prince leblos in einem Aufzug seines Anwesens Paisley Park. „Männlich, atmet nicht“, gab die Einsatzleitung weiter. Versuche des Notarztes, den Sänger am Donnerstagmorgen wiederzubeleben, blieben erfolglos. Wie der Sheriff des Bezirks Carver mitteilte, wurde der Leichnam am Freitag obduziert. Erste Hinweise auf die Todesursache werden voraussichtlich in der nächsten Woche bekanntgegeben.

          Prince soll schon in den Wochen vor seinem Tod angeschlagen gewesen sein. Am Abend vor der Notlandung in Moline hatte er im Fox Theatre in Atlanta zwei Konzerte der Tour „The Piano & A Microphone“ gegeben, für die er eigentlich schon eine Woche vorher in den Südstaat Georgia reisen wollte.

          Der Sänger sagte dem Publikum von der in lilafarbenes Licht getauchten Bühne, er sei nicht ganz auf dem Damm gewesen. „Jetzt sind wir aber hier“, beendete Prince dann die Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und setzte sich an den Flügel. Die Besucher berichteten später von spontanen Tanzeinlagen zu Titeln wie „Little Red Corvette“ und „Kiss“ sowie einigen Zugaben.

          Als Kind litt er an Epilepsie

          Bei dem kurzfristig angesetzten Treffen mit den Fans in seinem Studio Paisley Park zwei Tage später wirkte Prince dagegen angeschlagen. „Er sah schwächer aus und blasser als bei früheren Anlässen“, sagte Scott Gregoria, ein Fan des Sängers, der „New York Times“.

          Prince unterhielt sich zwar mit den Fans und machte Späße, verzichtete aber darauf, live zu singen. Stattdessen unterhielt er die Besucher mit Mitschnitten seiner Auftritte in Atlanta – „um danke zu sagen für das gute Wetter und all die Liebe und Unterstützung“, schrieb Prince in der Twitter-Nachricht, mit der er die Bewohner Chanhassens zu sich eingeladen hatte.

          In den vergangenen Jahren waren immer wieder Details über Prince’ Gesundheit an die Öffentlichkeit gedrungen. Als Kind litt der Sohn eines Pianisten und einer Jazz-Sängerin unter Epilepsie, was ihn in der Schule zum Außenseiter werden ließ. Während der Grundschulzeit in Minneapolis soll Prince Rogers Nelson, wie der Sänger bürgerlich hieß, seine Mutter später mit der Nachricht überrascht haben, er sei nicht mehr krank, ein Engel habe ihn von der Epilepsie geheilt.

          „Ohne Ende Schmerzmittel“

          Prince’ Titel „The Sacrifice of Victor“, in dem er einen Jungen besingt, der als Siebenjähriger plötzlich gesund wird, soll auf Kindheitserfahrungen des nur 1,58 Meter großen Sängers beruhen. Vor etwa zehn Jahren wurden zudem Gerüchte laut, der Musiker leide unter so starken Hüftschmerzen, dass die Ärzte zu künstlichen Hüftgelenken geraten hätten.

          Da Prince als Zeuge Jehovas Bluttransfusionen ablehnte, soll er auf eine Operation aber verzichtet haben. Bei der Verleihung der Tonys erschien Prince damals an einem mit Diamanten besetzten Stock. „Er hat starke Schmerzen. Prince nimmt ohne Ende Schmerzmittel und hofft, dass das Ganze von allein verschwindet“, sagte ein Vertrauter der Website „Showbiz411“.

          Ein paar Dutzend Seiten Memoiren

          Für den Popstar, der ungewöhnlich zurückgezogen lebte, scheint der Tod ebenso plötzlich gekommen zu sein wie für seine Fans. Erst vor vier Wochen hatte er bei einem Auftritt im Nachtclub Avenue in Manhattans Meatpacking District für das nächste Jahr seine Autobiographie angekündigt.

          „Millionen Worte sind über Prince geschrieben worden, aber wir sind stolz darauf, seine eigenen Gedanken über sein Leben in seiner eigenen weißglühend lebendigen, witzigen und poetischen Sprache zu veröffentlichen“, schrieb der Verlag Random House damals. Die Fans müssen sich nun weiter auf die geschriebenen Millionen Worte verlassen. Prince selbst hat bis zu seinem Tod nur ein paar Dutzend Seiten seiner Memoiren geschafft.

          Quelle: F.A.Z.

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