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Erstkommunion : Das Kreuz mit den Kindern und der Kirche

Ob die Erstkommunion ein langweiliges Pflichtereignis wird oder ein lebendiges Glaubensfest, liegt oft am Priester, und dessen Vorbereitung. Bild: Cornelia Sick

Was bedeutet die Kommunion heute noch? Eine Mutter erzählt von enttäuschten Erwartungen und einer Kirche, die Kindern fremd bleibt.

          Schon den Informationsabend zur Kinderkommunion fand ich eisig – in jeder Beziehung. Draußen pfiff der Herbstwind, drinnen polterte der Pfarrer der Münchener Vorortgemeinde und schimpfte: Es gebe zwei Sonntage zur Auswahl, die meisten Eltern hätten sich für den zweiten Sonntag angemeldet. Das aber gehe nicht, die Kirche sei zu klein. Der Mann wurde richtig wütend; falls das jetzt nicht geklärt werde, teile er das auf und neu ein. Autoritär kündigt er zwölf Pflichttermine an, darunter das verbindliche Beichtgespräch und vorher jeweils den Gottesdienst. Es herrsche Anwesenheitspflicht, sonst werde das Kind nicht zur Erstkommunion zugelassen!

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Wir Eltern wurden ganz klein auf unseren Pfarrsaalstühlen. Für Ausgleich sorgte die leitende Kommunionmutter, die Warmherzigkeit in Person und ein Lichtblick. Nachdenklich machten wir uns auf den Heimweg. Noch war das Kind guter Dinge und freute sich darauf, dass es bald losgehen sollte. Mittlerweile können wir sagen: Die Begeisterung des Neunjährigen nahm Monat für Monat ab.

          Kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen

          Ich bin katholisch sozialisiert, glaube an Gott, weniger an die katholische Kirche und ihr Bodenpersonal – das hat sich langsam ausgeschlichen. Was erschwerend hinzukommt: Mein Mann bevorzugt Kant statt Kirche, eine Seele von Mensch, aber bekennender Agnostiker. Doch er ist loyal und unterstützt die Auffassung, dass der Sohn sich mit Fragen der Religion auseinandersetzen soll. Ganz besonders in diesen bewegten politischen Zeiten, wo Orientierung nottut. Das Christentum ist tief in unserer Kultur verankert. Bewusst haben wir daher das Kind in einen katholischen Kindergarten geschickt, wo St. Martin und kein Li-La-Laune-Laternenumzug gefeiert wird. Dort tritt der heilige St. Nikolaus in Erscheinung und kein diffuser Weihnachtsmann. Regelmäßig schiebt die Erzieherin ein Bibel-Viertelstündchen ein. Im Elterngespräch wurde unser Sohn gelobt: „Er erinnert sich jedes Mal lebhaft an die Geschichte der vergangenen Woche und kann sie nacherzählen.“

          Ich erinnere mich dagegen eher voller Unbehagen an verstörende Gute-Nacht-Gespräche über elende Bettler, grausame Kindstötung und Kreuzigung, all die archaische Härte, von der Bibelgeschichten zeugen. Ich glaube an ein Missverständnis: Die Erzieherin meint, einen kleinen frommen Katholiken vor sich zu haben. Ich sehe bei meinem Sohn die kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen. Musste ich dem Vierjährigen noch im Ritterbuch das Spanferkel schwärzen („Schweinchen hat Aua!“), weil er vor Sorge ums Tierwohl nicht in den Schlaf fand, goutierte der Fünfjährige durchaus alttestamentarische Grausamkeit. Meist gab es ein gutes Ende. Das kannte er von Märchen: Verschwand die Hexe im Ofen, waren Hänsel und Gretel gerettet. Die Ordnung ist wiederhergestellt.

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