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Negativrekord für Youtube-Star : Bibis Musikvideo gefällt 1,7 Millionen Menschen – nicht

Bild: Youtube/BibisBeautyPalace

Normalerweise gibt sie Schminktipps oder spielt ihrem Freund Streiche. Das gefällt dann Millionen. Jetzt hat Youtuberin Bibi gesungen und der Spott ist groß. Warum nur?

          Bianca Heinicke alias Bibi ist bekannt für Rekorde: Unvorstellbare viereinhalb Millionen Menschen haben ihren Youtube-Kanal „Bibis Beauty Palace“ abonniert. Regelmäßig müssen Autogrammstunden mit der 24-Jährigen nach wenigen Minuten  abgebrochen werden, weil die Polizei ihre hysterischen Fans – die meisten deutlich jünger sind als sie – nicht anders unter Kontrolle zu bringen vermag. Und laut dem „Youth  Insight  Panel“ der Zeitschrift „Bravo“ ist sie bei den 12- bis 19-Jährigen die beliebteste Deutsche.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jetzt hat Bibi einen neuen Rekord aufgestellt, der so gar nicht zu den bisherigen passt: Mehr als 1,7 Millionen „Dislikes“ hat ihr erstes Musikvideo auf Youtube bekommen und vergleichsweise läppische 280.000 Likes. Damit gehört es zu den Top Ten der am schlechtesten bewerteten Videos der Plattform, zusammen mit Videos vom viel gehassten Justin Bieber (Platz 1) oder dem Ohrwurm „Gangnam Style“ von Psy (Platz 6). Und das, obwohl das Stückchen erst seit Freitag online ist.

          Eine Youtuberin bei der Arbeit: Bibi posiert im April 2016 bei der Party zur Eröffnung eines Fitnessstudios am Alexanderplatz in Berlin.

          Bibi singt in dem schon fast 26 Millionen Mal angeklickten Lied von einer Frau, deren Freund sie verlässt und die ihren Job verliert, die sich davon aber nicht unterkriegen lassen will. Der englische Text ist ziemlich albern: Sie kann nicht schlafen, fühlt sich dick und darf nach der Trennung die Katze nicht behalten.  („My boyfriend quit, I'm almost dead. I'll have to do my best. I'm up and down, I feel so fat. I ain't got no more fizz. Don't even get to keep the cat – but that's just how it is.“)

          „Wap-bap-ba-da-di-da-da-da-wap-bap“ in Endlosschleife

          Sie singt das alles mit hoher, hauchiger Mädchenstimme, nicht immer die Töne treffend, und liegt dabei mit strahlendem Lächeln und rosa geschminkten Lippen scheinbar nackt im Bett. Oder tanzt  in einem goldenen Kleidchen Seifenblasen pustend zwischen Luftballons umher. Oder durchstreift in knappen Blümchen-Outfits ein verlassenes eingestaubtes Schloss mit alten Sofas und pompösem Kamin. Es handelt sich weder um ein sonderlich gutes Lied (der Refrain mündet darin, dass sie in Endlosschleife „Wap-bap-ba-da-di-da-da-da-wap-bap“ trällert), noch um ein überzeugendes Musikvideo. Die negativen Reaktionen überraschen trotzdem.

          Denn sonst kann Bibi auf Youtube scheinbar nichts falsch machen. Ihre Fans stört weder, dass sie ständig penetrant Produkte in die Kamera hält und damit steinreich geworden ist, noch, dass ihre Videos oft knapp über zehn Minuten dauern, weil es dann erlaubt ist, nicht nur vor dem Video, sondern auch mittendrin Werbung zu schalten, und zwar mehrfach. Und auch nicht, dass Bibi sie, die sich ihr Taschengeld vermutlich gut einteilen müssen, in einem Ankündigungsvideo mehrfach aufforderte, die CD gleich am Erscheinungstag zu kaufen, weil es dann dazu noch Klebebildchen geben würde. Immer regnet es Likes.

          Auch, dass ihre sonstigen Videos sich qualitativ nicht gerade von „How it is (Wap Bap)“ abheben, stört sonst niemanden. Das Video „10 Arten von Geschwistern“ etwa, das sie 2014 gemeinsam mit ihrem Freund Julian Claßen alias Julienco aufnahm, der ebenfalls Youtuber ist, wurde fast elfeinhalb Millionen Mal angeklickt. Die beiden zeigen zum Beispiel die Geschwistertypen „Streithähne“ und „Erpresser“, wobei er im ersten Fall so tut, als würde er ihr einen Hammer gegen den Kopf schlagen und sie im zweiten erklärt „Gib mir sofort deine Kaugummis, sonst sag' ich der Mama, dass du dich mit der Lisa getroffen hast.“ Das ist so wenig lustig, wie es klingt. Trotzdem gab es dafür 262.000 Mal einen Daumen hoch, und weniger als 10.000 Mal einen Daumen runter. In den Kommentaren darunter heißt es zum Beispiel: „Hey Bibi und Julian, ich glaub ich hab mir dieses Video jetzt schon soooo oft angeschaut aber es ist auch einfach soooooo mega lustig! (...) Ich hab euch lieb!“

          Screenshot aus dem Video „10 Arten von Geschwistern“. Als „Streithahn“ beißt Bibi ihrem „Bruder“ beziehungsweise Freund Julienco in den Arm.

          „Jeder kann das Video bewerten, wie er möchte“

          Unter dem Video zu „How it it (Wap Bap)“ lautet einer der freundlicheren Kommentare: „Wenn du 1000 mal besser gesungen hättest wärst du fast schlecht!" Ein anderer: „Da wurde wohl der Zenit eindeutig überschritten. Alles hat ein Ende!“

          Bibi scheint sich im Genre verirrt zu haben. Schminktipps und „Pranks“ sind das eine – Musik ist etwas anderes. Anders lässt sich nicht erklären, warum ein hochwertig produziertes Musikvideo, das qualitativ nicht vom Rest des Bibi-Angebots abweicht, so gehasst wird. Inzwischen hagelt es dazu auch noch Plagiatsvorwürfe – das Lied erinnert stark an den Song „The Show“ der australischen Sängerin Lenka von 2008 – und Parodien. Der Youtuber Malternativ singt zu Bibis Melodie „How I shit Geld, Geld, Geld“ und textet: „Danke auch an alle Hater für die ganzen Klicks – Ganz egal wie schlecht ich bin, ihr macht meinen Song zum Hit.“ Damit bringt er auf den Punkt, dass jeder Klick Bianca Heinicke vor allem Geld einbringt.

          Kein Wunder also, dass sie selbst entspannt auf den Spott reagiert: Es sei „nicht mehr normal“, wie viel Aufmerksamkeit das Lied bekommen habe, auch wenn die Bewertungen „nicht ganz so positiv“ ausgefallen seien. „Nur weil mir der Song gefällt, heißt das nicht, dass jedem anderen der Song auch gefallen muss, und jeder kann das Video bewerten, wie er möchte.“

          Das Video, in dem sie das sagt, beginnt mit einer halben Minute Werbung für ein Shampoo, die man nicht überspringen kann. Und es hat immerhin auch schon 2,3 Millionen Klicks.

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