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Musik Allmannshausen im East Village

Sie spielen einen Flickenteppich aus Latin, House und Chanson und auch sonst mögen es die „Brazilian Girls“ gerne mysteriös. Die Band um Frontfrau Sabina Sciubba vom Starnberger See steht in Amerika vor dem Durchbruch.

© Brazilian Girls „Verwirrend”: Die Brazilian Girls

Es ist schon anstrengend, das Leben als Popmusikerin. „Wenn man dauernd auf Tournee ist, geht das nicht mehr so wie früher mit dem Konsum von Alkohol, Zigaretten und Kaffee“, sagt Sabina Sciubba.

Roland Lindner Folgen:

Die Sängerin der New Yorker Band „Brazilian Girls“ trinkt einen Becher Zitronentee ohne Koffein, bevor sie ein Treffen mit ihrer Plattenfirma am Broadway nahe dem Central Park hat. Man würde es ihr ohnehin nicht ansehen, wenn sie die Nacht durchgefeiert hätte. Sie trägt eine riesige dunkle Sonnenbrille und bleibt ihrem Spleen treu: Bei Konzerten tritt sie mit verbundenen Augen auf.

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Vorgruppe von Sting

Für Sciubba hat sich das Leben auf den Kopf gestellt. Die Zeit als Mitglied einer unbekannten Kneipencombo muß ihr wie eine entfernte Erinnerung vorkommen. Ebenso die Tage, an denen sie als kleines Mädchen am Starnberger See in den Wald ging, um für die Bäume zu singen, als sie ihrer Mutter erzählte, daß sie einmal berühmt werde. Heute, mit 30 Jahren, ist sie die schillernde Frontfrau einer Gruppe, die es im umkämpften Musikmarkt New Yorks zu Prominenz gebracht und ihre erste CD veröffentlicht hat.

Die Brazilian Girls spielen in New York vor einem immer größeren Publikum, vor kurzem im vollgepackten Irving Plaza und gerade im Central Park. Allmählich werden sie auch im Rest Amerikas bekannt: In der Spielerstadt Atlantic City traten sie als Vorgruppe von Sting auf, jetzt stehen Konzerte in weiteren Städten an.

Weg zur Prominenz: Ein Kinderspiel

Schon in ihrer Kindheit fiel Sabina Sciubba auf, wenn auch nicht unbedingt freiwillig. Als sie sechs Jahre alt war, zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Rom an den Starnberger See, nach Allmannshausen - und stieß dort auf eine Mauer des Schweigens: „Plötzlich kam da eine alleinstehende Frau mit zwei Kindern aus Italien daher. Die Leute haben nicht mal ,Grüß Gott' zu uns gesagt.“ Mehr als zehn Jahre verbrachte sie am Starnberger See, zog dann für ein Jahr nach Graz und studierte Gesang am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Die nächste Station war Paris, wo sie fünf Jahre lang Musik machte. Im Jahr 2000 kam sie nach New York.

Wenn man Sciubba heute zuhört, könnte man meinen, der Weg zur Prominenz sei ein Kinderspiel. „Wenn du es einmal schaffst, dem Publikum wirklich zu gefallen, dann kann es ganz schnell gehen“, sagt sie. Trotzdem hat es auch für sie ein paar Jahre gedauert: Bald nach ihrer Ankunft in New York traf sie den argentinischen Musiker Didi Gutman, Verbündeter und später auch Freund, der heute Keyboard bei den Brazilian Girls spielt.

Schluß mit der Sonntagsgemütlichkeit

Geboren wurde die Band aber erst vor etwas mehr als zwei Jahren in dem kleinen Club Nublu im East Village, einem Treffpunkt für experimentierfreudige Musiker und DJs, der sich zur Straße hin nur mit einem kleinen blauen Lämpchen über der Tür zu erkennen gibt. Im Nublu, das ein Szenepublikum anlockt, begannen Sciubba, Gutman und die beiden Amerikaner Aaron Johnston und Jesse Murphy mit Jam Sessions. Das waren zuerst wilde Improvisationen. Allmählich entwickelten sich aus dem musikalischen Flickenteppich ganze Lieder, und die Brazilian Girls wurden so etwas wie die Hausband mit Auftritten an jedem Sonntag.

Und dann ging es wirklich schnell: Der richtige Mann mit den richtigen Kontakten kam zu einem Auftritt ins Nublu. Bald danach fanden sich die Brazilian Girls im New Yorker Studio des Komponisten Philip Glass wieder und nahmen eine Mini-CD auf. Ron Goldstein, der Chef der Plattenfirma Verve, einer Tochtergesellschaft von Universal, bekam sie in die Hand. Er gab den Brazilian Girls einen Plattenvertrag. Ein halbes Jahr später, im Februar, lag das erste Album in den Läden. Seitdem ist Schluß mit der Sonntagsgemütlichkeit im Nublu. Jetzt wird das Album promotet.

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