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Werdende Mütter : Überinformiert – aber nicht aufgeklärt

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Drei Mütter mit Kinderwagen: Auch untereinander ist das Mutterdasein nicht von solidarischer Hilfe gekennzeichnet. Vielmehr herrscht ein unbegründeter Konkurrenzdruck. Bild: dpa

Ratgeber, Babykurse, Elternforen, Tipps von Freunden und anderen Müttern: Wenn eine Frau schwanger wird, prasselt alles auf sie nieder. Dabei bleibt eine Sache die allerwichtigste.

          Ich bin schwanger.“ Kaum hat eine Frau diesen Satz ausgesprochen, wird sie mit Ratschlägen von allen Seiten bombardiert: „Herzlichen Glückwunsch, aber du weißt schon, dass du jetzt keinen Rohmilchkäse mehr essen darfst.“ „Auf keinen Fall Rad fahren – viel zu gefährlich! Als Schwangere hat man keinen Gleichgewichtssinn mehr.“ „Hast du noch keine Hebamme? Wird aber Zeit!“ „Wenn das Baby erst mal da ist, musst du gleich einen Pekip-Kurs besuchen.“

          Werdende Eltern können auf eines vertrauen: auf eine Vielzahl an Ratschlägen von Freunden und Verwandten. Und als sei das nicht schon genug, reihen sich in den Regalen von Buchhandlungen Hunderte von Büchern zu Schwangerschaft, Geburt, Beikost, Schlafen und Erziehung aneinander. Neben dem klassischen Geburtsvorbereitungskurs gibt es ein immer neues Angebot für Elternanwärter von der Babyhygiene über Pekip-Kurse bis hin zu Erziehungsworkshops, die schon für Kleinkinder angeboten werden und helfen sollen, die ersten Monate oder gar Jahre mit dem Nachwuchs zu gestalten. Nur: Muss man Wickeln oder Baden tatsächlich lernen? Muss der Umgang mit dem Baby und Kleinkind schon Schemata folgen, die uns Experten vorkauen?

          Früher klappte das doch auch, ohne wochenlange Abendkurse. Heutzutage aber könnte man zu der Auffassung gelangen, dass Kinder zu bekommen und großzuziehen zu einer Wissenschaft geworden ist. Natürlich haben Schwangere am Anfang tausend Fragen, aber hilft es tatsächlich, Bücher zu wälzen, Kurse zu besuchen oder sich durch Elternforen im Netz zu klicken?

          Learning by doing

          Die Antwort lautet: Eher nicht! Denn werdende Eltern scheinen durch die Fülle an Angeboten und Informationen nicht mehr Sicherheit und Vertrauen zu gewinnen; vielmehr nimmt die spürbare Verunsicherung der Mütter und Väter zu. Eltern vertrauen kaum noch auf die eigenen Fähigkeiten und Instinkte, sondern versuchen sich eben Kompetenz mit Büchern und Kursen anzueignen, wie zu Studienzeiten den Stoff in der Uni. „Die Mutterschaft wird heute zu einer Wissenschaft deklariert“, sagt Christina Mundlos, Soziologin und freie Autorin zum Thema Mutterschaft aus Hannover. Das Angebot an Kursen für Schwangere, aber auch für die Zeit danach mit Kind, habe enorm zugenommen. „Das suggeriert vielen, dass Mutterschaft beigebracht werden muss“, sagt die Soziologin. „Frauen sind heute oft überinformiert, aber nicht aufgeklärt“, sagt auch Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes.

          Einer der Gründe für den Vertrauensverlust und die große Unsicherheit wird in einem allgemeinen zunehmenden gesellschaftlichen Perfektionismus und Kontrollwahn gesehen: Es gehe vielfach um den perfekten Job, das perfekte Aussehen und die perfekt gestylte Wohnung; das übertrage sich auch auf Schwangerschaft und Geburt. „Der Druck auf Mütter steigt. In einer Gesellschaft, in der es um Optimierbarkeit und Perfektion geht, wird auch den Müttern suggeriert, alles ist machbar – die perfekte Schwangerschaft, das perfekte Kind, die perfekte Familie“, beobachtet Mundlos. Dr. Wolf Lütje, Chefarzt der Frauenklinik Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus in Hamburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie, ergänzt: „Die gesellschaftliche Entwicklung hin zu mehr Kontrolle und Perfektionismus steht im Gegensatz zu dem Naturprozess Schwangerschaft und Geburt, der sehr gut ohne Kontrolle laufen kann. Eine Schwangerschaft ist nun mal eine Zeit, in sich hineinzuhören, sich zu besinnen und nicht alles kontrollieren zu wollen.“

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