http://www.faz.net/-gum-861m6

Mosquirix : Erster Impfstoff gegen Malaria steht vor Zulassung

Malaria wird von einzelligen Parasiten hervorgerufen, die von Mücken übertragen werden. Bild: dpa

„Nicht befriedigend“, aber das Beste, was es nach 100 Jahren Forschung gebe: Der Impfstoff gegen Malaria eines britischen Unternehmens könnte bald schon auf den Markt kommen – und viele Menschenleben retten.

          Zumindest die Hoffnungen, die sich an eine schnelle Zulassung des ersten Malaria-Impfstoffs knüpfen, scheinen sich zu erfüllen: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) hat am Freitag in London dem Mittel Mosquirix den wissenschaftlichen Segen für einen Einsatz bei Kindern außerhalb der Europäischen Union gegeben. Damit ist RTS,S/AS01 des britischen Unternehmens Glaxo-Smith-Kline zwar noch nicht zugelassen, doch könnte die Zulassung noch in diesem Jahr erfolgen. Ob Mosquirix, so der Handelsname, dann auch in Europa auf den Markt kommt, bleibt fraglich, da die Wirksamkeit begrenzt ist. Weil die Vorteile aber die Risiken überwiegen, will die Ema mit ihrer Empfehlung vom Freitag vor allem dafür sorgen, dass der Impfstoff jene Länder möglichst schnell erreicht, wo Malaria die meisten Menschenleben fordert.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Trotz mehrfacher Impfung hatten Studien mit fast 16.000 Teilnehmern in sieben afrikanischen Ländern gezeigt, dass die Schutzwirkung des Mittels bei von Malaria besonders betroffenen Kleinkindern nur etwa 56 Prozent beträgt, bei Säuglingen oft sogar nur 26 bis 36 Prozent. Das liegt weit hinter den Erwartungen und der Schutzwirkung anderer Impfstoffe zurück. Peter Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen, der die Studie in Gabun leitete, nennt das Ergebnis darum auch „nicht befriedigend“.

          Anopheles-Mücken übertragen die Erreger in Form von Sporozoiten auf den Menschen. Gelangen diese zur Leber, vermehren sie sich dort in den Zellen. Es entstehen Zehntausende Merozoiten (1), die rote Blutzellen befallen und sich vervielfachen (2). Mücken infizieren sich mit Gametozyten (3), die sich in ihnen weiterentwickeln.
Bilderstrecke
          Anopheles-Mücken übertragen die Erreger in Form von Sporozoiten auf den Menschen. Gelangen diese zur Leber, vermehren sie sich dort in den Zellen. Es entstehen Zehntausende Merozoiten (1), die rote Blutzellen befallen und sich vervielfachen (2). Mücken infizieren sich mit Gametozyten (3), die sich in ihnen weiterentwickeln. :

          Mosquirix sei aber trotzdem das Beste, was es nach 100 Jahren Forschung gebe. Malaria wird von einzelligen Parasiten hervorgerufen, die von Mücken übertragen werden. Der Impfstoff basiert auf einem Oberflächenprotein genau jener Parasiten. Mosquirix soll das Immunsystem auf eine mögliche Übertragung des Erregers vorbereiten und den Eindringling nach einer Infektion unschädlich machen, bevor er in die Leber gelangt und sich vermehren kann. Da das Mittel zudem Hüllproteine des Hepatitis-B-Virus enthält, schützt es auch vor diesem Krankheitserreger.

          Weitere Themen

          Demütigung als Prinzip

          Versailler Vertrag : Demütigung als Prinzip

          Es war ein gesellschaftliches Ereignis, und rund ums Schloss standen Zehntausende Zaungäste: Die Unterzeichnung des Versailler Vertrags. Ein Vorabdruck aus dem Buch „Der Krieg nach dem Krieg“.

          Topmeldungen

          Russland und der Westen : Es bleibt frostig

          Der Winter kommt nicht, er ist längst da. Trumps Sicherheitsberater McMaster und Russlands Außenminister Lawrow schenken sich auf der Sicherheitskonferenz in München nichts.
          Nur den QR-Code scannen: Anders als die Deutschen zahlen die Chinesen gern mit dem Smartphone.

          Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

          Hunderte Millionen Chinesen zahlen mit der Smartphone-App Alipay. Ginge sein Betreiber Ant Financial – zu Deutsch: Finanzameise – an die Börse, wäre er so viel wert wie Goldman Sachs.
          Der Fotograf Patrick Demarchelier bei einer Fashion-Show im Herbst 2012.

          Belästigungsskandal : Models erheben schwere Missbrauchsvorwürfe

          Neue Missbrauchsvorwürfe in der Modebranche: Mehr als 50 Frauen beschuldigen mindestens 25 Männer der Modewelt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Sie sprechen damit ein Jahrzehnte altes Problem der Branche an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.