01.04.2005 · Das Fürstentum Monaco wird ab sofort von Kronprinz Albert regiert. Der 47jährige übernimmt die Amtsgeschäfte offiziell von seinem todkranken Vater Rainier III. Der Fürst ringt derweil mit dem Tode.
Nach der dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustands von Fürst Rainier hat Prinz Albert von Monaco am Donnerstag die Regentschaft über das Fürstentum Monaco übernommen. Der 81jährige ringt seit Dienstag vergangener Woche auf der Intensivstation einer Herzklinik mit dem Tod.
Obwohl der Palast betonte, im Falle einer Genesung könne der Fürst Rainier auf den Thron zurückkehren, stehen die Chancen dafür offenbar sehr schlecht: Seine Ärzte erklärten am Freitag, Rainiers Gesundheitszustand sei prekär und „die Hoffnung für einen glücklichen Ausgang äußerst schwach.“
Den ersten Tag seiner Regentschaft begann Albert bei seinem Vater auf der Intensivstation, ein öffentlicher Amtsantritt war nach Angaben eines Palastsprechers zunächst nicht geplant. Am Donnerstagabend hatte der 47jährige den Monegassen in einer persönlichen Erklärung zugesichert, er werde seine Rolle „mit Kraft, Überzeugung und Leidenschaft“ ausüben. Zugleich dankte er seinen Landsleuten für die Unterstützung, die er und seine Schwestern Caroline und Stéphanie seit der Erkrankung ihres Vaters erfahren hätten.
Notorischer Junggeselle
Schon in den vergangenen Jahren hatte der Fürst immer mehr Aufgaben an seinen Sohn abgetreten. Denn mit der Gesundheit Rainiers III. ging es schon seit einer Bypass-Operation 1994 bergab. Dennoch zögerte der Monarch, zugunsten Alberts abzudanken - wohl, weil er den notorischen Junggesellen erst verheiratet sehen wollte.
Der einzige Sohn von Rainier und seiner Frau Gracia Patricia stand lange im Schatten der beiden Schwestern Caroline und Stéphanie. Er gilt als schüchtern und hat selbst eingeräumt, auf das Amt des Fürsten nicht sonderlich erpicht zu sein: „Ich habe öffentliche Angelegenheiten nicht immer als anziehend empfunden, und vielleicht ist das heute immer noch ein bißchen so“, sagte der Erbprinz 1998 der Zeitschrift „Paris Match“. Dennoch vertritt Albert, der fünf Sprachen beherrscht, Monaco seit Jahren auf der internationalen Bühne. Unter anderem leitet er die UN-Delegation seines Landes, erst im vergangenen Jahr erreichte er, daß Monaco auch in den Europarat aufgenommen wurde.
„Aber erst möchte ich, daß er Nachkommen hat“
Die Zeitung „Le Journal du Dimanche“ beschrieb den 47jährigen kürzlich in einem Portrait wie einen pflichtbewußten Schüler, der sich schon seit seiner Kindheit gewissenhaft auf seine vorbestimmte Rolle als Monarch vorbereitet. Sein Vater Rainier sagte im Herbst 2000 in einem Interview mit „Le Figaro“: „Prinz Albert verfügt über alle Eigenschaften, um eines Tages Fürst zu werden. Aber erst möchte ich, daß er Nachkommen hat, weil das für die Zukunft des Fürstentums und unserer Familie essentiell ist.“
Das Problem der Erbfolge ist mittlerweile gelöst: Im April 2002 änderte das Parlament in Monte Carlo in aller Stille eine Verfassungsbestimmung, der zufolge Monaco nach dem Tod eines Fürsten ohne Nachkommen an Frankreich zurückgefallen wäre. Jetzt gilt: Falls Albert kinderlos stirbt, können auch seine Schwestern oder deren Kinder den Thron besteigen. Die Herrschaft des 700 Jahre alten Grimaldi-Geschlechts über Monaco scheint damit gesichert.
Jede Woche mindestens ein Heiratsangebot
Dennoch bot Alberts Junggesellendasein immer wieder Anlaß zu Spekulationen. Wann immer sich der Prinz in Begleitung einer Frau zeigte, wurde sie von den Medien als mögliche First Lady gehandelt. Doch die Richtige war offenbar nicht dabei - und das, obwohl Albert einer der begehrtesten Junggesellen der Welt sein dürfte. Der Zeitschrift „Gala“ sagte er vor sieben Jahren, er bekomme jede Woche mindestens ein spontanes Heiratsangebot. Und grundsätzlich abgeneigt scheint er der Ehe nicht zu sein, zumindest äußerte er damals Kinderwünsche: „Zwei Jungen und zwei Mädchen, das wäre ideal.“
Alberts offensichtlichste Leidenschaft aber gilt dem Sport. 1985 nahm der Thronfolger an der Rallye Paris-Dakar teil, mußte aber wegen eines Motorschadens aufgeben. Mit seinem Zweierbob „Monaco I“ nahm der Vorsitzende und einzige Pilot des monegassischen Bob-Verbands schon fünfmal an den Olympischen Winterspielen teil.
Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens Monaco
Geboren wurde Albert Alexandre Louis Pierre, Marquis de Baux, am 14. März 1958. Nach seinem Abitur 1976 ging er in die Vereinigten Staaten, wo er am Amherst College in Massachusetts Politikwissenschaft studierte. Im September 1981 schiffte er sich im Rahmen seiner militärischen Ausbildung für ein halbes Jahr auf dem Hubschrauberträger „Jeanne d'Arc“ der französischen Marine ein. Erste Erfahrungen im Finanzmanagement sammelte er bei der New Yorker Wirtschaftsbank „Morgan Guaranty“, anschließend arbeitete er bei der berühmten Champagnerfirma Moet-Hennessy in Paris.
Es folgten Praktika bei einer Werbeagentur und einer Anwaltskanzlei. Auf den Erwerb von Managementwissen dürfte Fürst Rainier bestanden haben, schließlich bezeichnet er sich selbst gern als „Aufsichtsratsvorsitzenden“ des Unternehmens Monaco. Dem Fürsten gelang es, in dem winzigen Fürstentum Firmen aus der Pharma-, der Kosmetik- und der Chemiebranche anzusiedeln, gleichzeitig warb er für Monaco als internationales Banken- und Kongreßzentrum. Albert muß als Regent also in große Fußstapfen treten. Und falls er doch noch heiratet, würde das zweifellos auch für seine Frau gelten - schließlich müßte sie die Rolle seiner Mutter, des ehemaligen Hollywood-Stars Grace Kelly, übernehmen.