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Veröffentlicht: 10.09.2012, 17:14 Uhr

Modemacher Yohji Yamamoto Der Adi Dassler von heute

Yohji Yamamoto und die Marke Adidas feiern auf der New Yorker Modewoche zehn Jahre Y-3. Denn der japanische Modemacher kann gut mit Stoffen.

© Helmut Fricke Linie Y-3: Yamamoto-Entwürfe für Adidas in New York

Da sind sie wieder. Mal verbergen sich die drei Streifen unter halbtransparenten Mesh-Geweben. Mal sind es Blow-up-Blöcke, die man gar nicht mehr als Streifen erkennt. Und dann sind sie wieder da, auf Socken, an Ärmeln, sonst wo. Öfters schon war Y-3, die Linie von Adidas und Yohji Yamamoto, so weit entfernt von der Sportmarke wie Tokio von Herzogenaurach. An diesem Sonntagabend aber, an der West Street am Rande von Soho, ist alles wieder eins: Man sieht Sport, man sieht Mode - und es passt.

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Gerade noch rechtzeitig! Denn aus Anlass der Mercedes-Benz Fashion Week in New York, auf der bis zum Donnerstag Hunderte Designer ihre Entwürfe für Frühjahr und Sommer 2013 zeigen, feiert Y-3 zehnten Geburtstag. Und deshalb ist mit der Schau, an deren Ende Yamamoto vor dem Publikum seinen Hut zieht und, inzwischen 68 Jahre alt, ergraute Haare zeigt, noch längst nicht alles zu Ende. Am Abend ist auch noch Party im St. Johns Center. Sie dauert am Montagmorgen noch an, als in Herzogenaurach die ersten schon wieder bei der Arbeit sind.

Die Geschichte der Modemacher, die für Sportmarken oder Billigketten arbeiten, ist also noch gar nicht so lang. Die Idee hatte der damalige Adidas-Chefdesigner Michael Michalsky. Hermann Deininger (heute „Chief Marketing Officer“) unterstützte ihn in seiner Mission. Bis dahin gab es so etwas nicht; nur einmal hatte Jil Sander für Puma einen Schuh entworfen. Unter dem Titel „Adidas for Yamamoto“ begann man mit ein paar Sneakern. Weil die so gut liefen, dachte Michalsky an mehr, flog nach Tokio und ersann den treffenden Namen. „Y-3 erinnerte mich auch an die japanischen Nummernschilder“, sagt Michalsky, der heute seine eigene Marke in Berlin hat. „Daher der Bindestrich.“

13 verschiedene Schwarztöne

Die erste Schau in Paris Anfang Oktober 2002 war eine Revolution. Viele Modelinien waren schon von Sporttrends beeinflusst, aber keine so radikal. Sport und Mode arbeiteten fortan zusammen. Gleichzeitig wurde Yamamoto zugänglicher für seine Fans - bei seiner eigenen Marke können Jacken 2000 Euro kosten. Billigketten lernten davon: Zwei Jahre später kam mit großem Erfolg „Lagerfeld für H&M“ heraus. Die „collaborations“ wurden zu einem der wichtigsten Trends des vergangenen Jahrzehnts, neben dem Online-Verkauf von Designermode, dem Erfolg der Fast-Fashion-Ketten wie H&M, Zara, Topshop oder Uniqlo und den „pop up stores“.

Für Adidas hatte die Zusammenarbeit viele Vorteile. Auf dem Weg vom Sportartikelhersteller zur Sportmodemarke war man Puma wieder voraus; der ewige Konkurrent hat den Vorsprung trotz Hussein Chalayan bis heute nicht aufgeholt. Plötzlich tauchte der Name Adidas auch in den Modestrecken der Magazine auf. Michalsky wurde in der „Vogue“ porträtiert. Und die Gewinnspannen stimmten ebenfalls: Für Sneaker verlangte man nun auch mal 500 Euro.

Allerdings steckt auch viel Arbeit darin. Denn Yohji Yamamoto, der mit dem Geld aus Deutschland seine eigene Marke in Tokio querfinanziert, entwirft nicht nebenbei und nicht irgendwas. Einmal schlug Michalsky Yamamoto vor: „Nehmen wir dafür doch Schwarz!“ Daraufhin Yamamoto: „Welches Schwarz?“ So kam heraus: Der japanische Modekünstler, der mit seinen düster-verrätselten Entwürfen vor drei Jahrzehnten Paris erst schockierte und dann begeisterte, arbeitet mit sage und schreibe 13 verschiedenen Schwarztönen.

„Ich will Sportswear chic machen“

Dieser Mann ist ein Tüftler vom Schlage Adi Dasslers. Kreativ zu sein ist dem japanischen Modemacher tiefschürfende Arbeit. Nach der Schau, als ihm zu seiner Überraschung auch David Beckham brav gratuliert hat, lässt er sich backstage erschöpft ins Sofa sinken und erklärt an einem Beispiel den metaphysischen Entstehungsprozess: „Jeden Stoff, der zu mir kommt, frage ich: Welche Farbe möchtest Du haben? Die Stoffe antworten mir, und dann bekommen sie die Farbe.“

Kann man auf einen solchen Mann Einfluss nehmen? „Warum sollte man“, fragt Dirk Schönberger zurück, seit 2010 Kreativdirektor der „Sport Style Division“, zu der auch die Linien SLVR, Neo und Originals gehören. Der Modemacher war schon beim ersten Defilee in Paris als Zuschauer dabei. Jede Y-3-Kollektion bereitet Schönberger mit mehreren Treffen in Paris oder Tokio vor. „Aber wir müssen ihm nicht sagen: Mach mal einen Blumendruck!“

Das kann der Meister selbst. Denn außer den bekannten voluminösen Yamamoto-Silhouetten und den vielen Schwarztönen sieht man vor dem Hintergrund psychedelischer 3-D-Projektionen des New Yorker Künstlers Devan Harlan auch Drucke des genialen Grafikers „Mr. Hayashi“, der schon die Hibiskusblüten der ersten Kollektion schuf. Die wilden Prints in Orange, Blau, Pink und Grün legen sich noch auf die coolste Baseball-Kappe. Und nicht nur damit trifft die Kollektion die Zeit. Die breiten Streifen, die sportlichen Netzgewebe, die leuchtenden Farben - sie sind auch in vielen anderen Kollektionen zu sehen. „Ich will Sportswear chic machen“, sagt Yamamoto. Das ist ihm gelungen, wie die Nachahmer beweisen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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