12.03.2005 · Der wegen Kindesmißbrauchs angeklagte Popstar Michael Jackson steht nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft kurz vor dem Bankrott. Der Sänger habe mindestens 300 Millionen Dollar Schulden.
Michael Jackson steht nach Meinung der Staatsanwaltschaft kurz vor dem finanziellen Bankrott. Von 1999 bis 2001 habe Jackson jährlich 35 Millionen Dollar ausgegeben, obwohl er nur elf bis zwölf Millionen Dollar im Jahr eingenommen habe.
Der selbst ernannte „King of Pop“ habe trotz 100 Millionen verkaufter Platten möglicherweise bis zu 300 Millionen Dollar Schulden, sagte der stellvertretende Staatsanwalt Gordon Auchincloss am Freitag abend vor Gericht in Santa Maria im Bundesstaat Kalifornien. Dort ist der Popsänger (46) wegen Kindesmißbrauchs und -entführung angeklagt.
Mit der Begründung, daß Jacksons Schuldenberg einige der ihm angelasteten Straftaten erklären könnte, beantragte Auchincloss, die Finanzlage des Musikers vor Gericht darzulegen. Jacksons Verteidigung widersprach der These vom Bankrott und meinte, daß die Finanzen des Stars für den Prozeß unbedeutend seien. Daraufhin wies Richter Rodney Melville Ankläger und Verteidiger an, sich zu Beratungen zusammenzusetzen und am kommenden Donnerstag (17. März) einen gemeinsamen Vorschlag vorzubringen.
Über Jacksons finanzielle Lage wird seit Jahren spekuliert, schrieb die „Los Angeles Times“ am Samstag. Demnach lebt der Popstar nicht nur vom Verkauf seiner eigenen Alben, sondern ebenso von den Einnahmen aus mehr als 250 Beatles-Songs und Elvis-Presley-Titeln, deren Rechte er 1985 erworben hatte. Diese Rechte allein sollen jährlich etwa 80 Millionen Dollar an Tantiemen einbringen, schreibt die Zeitung.
Talkmaster Jay Leno darf wieder über Jackson witzeln
Die Hälfte dieser Rechte habe Jackson aber 1995 an Sony veräußert - zum Preis von damals 100 Millionen Dollar. Seitdem unterhalte er eine lukrative Partnerschaft mit dem Unternehmen, deren Wert bis zu einer Milliarde Dollar geschätzt wird, berichtete die „Los Angeles Times“. Auf der anderen Seite habe Jackson durch die Neverland Ranch und mehr als 50 Angestellte seines privaten Vergnügungsparks Ausgaben von monatlich zwei Millionen Dollar.
Außer dem Antrag, alle finanziellen Einzelheiten vor der Jury aufzurollen, lehnte Richter Melville noch gutes Dutzend weiterer Anträge ab: So darf die Jury nicht, wie von der Verteidigung erhofft, Jacksons Neverland Ranch einen Tag lang besichtigen. Ebenso werden keine Kopien des auf Video festgehaltenen Belastungsmaterials gegen Jackson gefertigt und verteilt. Dagegen darf Talkmaster Jay Leno in seinen mitternächtlichen Sendungen künftig wieder über Jackson witzeln, befand der Richter.
Der Sänger selbst war bei der Anhörung am Freitag nicht anwesend. Ein Sprecher erklärte, Jackson leide weiterhin an einer Rückenverletzung. Damit war auch sein verspäteter Auftritt vor Gericht am Vortag begründet worden, als Jackson erst nach Erlaß eines Haftbefehls in Pyjama und Pantoffeln erschien.