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Michelle Pfeiffer im Interview : „Es ist eine Herausforderung, Frau zu sein“

  • -Aktualisiert am

Michelle Pfeiffer bei der Premiere von „Mord im Orientexpress“: „Ich finde es nicht ungewöhnlich, mal längere Zeit nicht zu arbeiten.“ Bild: AP

Ihre Kinder sagten ihr, sie sollte doch wieder arbeiten gehen. Jetzt ist Michelle Pfeiffer mit einem Film zurück. Ein Gespräch über Drehpausen, Schönheit in Hollywood und Erziehung.

          Michelle Pfeiffer kann auf eine große Filmkarriere zurückblicken, die Klassiker wie „Scarface“, „Die fabelhaften Baker Boys“ und „Batmans Rückkehr“ umfasst. Zuletzt sah man sie seltener, aber jetzt ist sie wieder da, mit „Mord im Orient Express“. Ihr Comeback fällt in jene Zeit, da Hollywood infolge der Harvey-Weinstein-Enthüllungen über sexuelle Belästigungen und Missbrauch diskutiert. Michelle Pfeiffer, Jahrgang 1958, hat bislang keine eigene Geschichte zu dem Thema geteilt, aber der Kollegin Gwyneth Paltrow für deren Mut applaudiert, sich als eine der Ersten gegen den Filmproduzenten auszusprechen. Es passt zu der sanften, aufgeweckten Klugheit, zu der ungekünstelten Art, mit der Pfeiffer zu diesem Gespräch empfängt, das wir an einem Sommertag in Beverly Hills mit ihr führen – noch vor dem Bekanntwerden von Weinsteins Taten.

          Mrs. Pfeiffer, Sie waren länger von der Leinwand abwesend. Darf man das eine Auszeit nennen?

          Vielleicht, auch wenn es das nicht offiziell war – es ist einfach passiert. Ich finde es nicht ungewöhnlich, mal längere Zeit nicht zu arbeiten. Hier sind eben aus zwei Jahren fünf geworden. Aber es scheint schon so zu sein, dass ich im vergangenen Jahr oder den vergangenen beiden wieder mehr arbeite. Die Kinder sind aus dem Haus, wissen Sie.

          Für viele Mütter ist dies eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben: Arbeite ich weiter? Kümmere ich mich um die Kinder? Was, wenn ich, sobald sie aus dem Haus sind, den Einstieg ins Berufsleben nicht mehr finde? Haben diese Gedanken für Sie auch eine Rolle gespielt?

          „Ich mache mir manchmal zu viele Gedanken, wenn es um aktuelle Entscheidungen geht“: Michelle Pfeiffer.
          „Ich mache mir manchmal zu viele Gedanken, wenn es um aktuelle Entscheidungen geht“: Michelle Pfeiffer. : Bild: dpa

          Ehrlich gesagt, nein. Es ist nicht so, dass ich mir das vorgenommen habe – meine Prioritäten verschoben sich einfach, und es wurde immer schwieriger, mich gewissen Dingen zu verschreiben. Filmemachen heißt ja, eine lange Zeit weg von zu Hause zu sein, und dazu konnte ich mich schlicht nicht durchringen. Und bevor ich mir dessen bewusst wurde, war einige Zeit vergangen. Meine Kinder sagten schließlich zu mir: Mama, findest du nicht, dass es Zeit ist, wieder zur Arbeit zu gehen?

          Frechheit!

          Ja, oder? Ich sagte, wie soll ich das denn verstehen? Ist es nicht schön, dass ich hier bin? Sie drucksten ein bisschen herum und sagten dann: Vielleicht solltest du wieder arbeiten gehen.

          Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei? Was faszinierte Sie daran?

          Das kann ich Ihnen gar nicht genau sagen. Ich erinnere mich aber, dass es mich sehr anzog. Ich weiß noch, wie ich als kleines Mädchen fernguckte und all diese Leute sah, die ich vielleicht nicht „Schauspieler“ zu nennen wusste – aber ich verstand, dass sie eine erfundene Welt spielten, und ich dachte: Das kann ich auch. Woher das kam? Keine Ahnung. Aber der Samen war bei mir bereits in einem sehr frühen Alter gesät.

          Eigentlich hatten Sie damit begonnen, eine Ausbildung als Gerichtsstenographin zu machen. Können Sie sich eine alternative Gegenwart ohne die Schauspielerei vorstellen?

          Ich habe keine Ahnung, was ich sonst gemacht hätte. Psychologie hat mich immer stark interessiert, womöglich hat mich das an der Schauspielerei angezogen. Ich habe mir tatsächlich mal überlegt, in die Psychologie zu gehen. Mich fasziniert das menschliche Gehirn. Ich habe dieses Verlangen, zu verstehen, was wirklich hinter den Dingen verborgen liegt. Ich möchte wissen, was die Leute wirklich denken, ungeachtet des Bildes, das sie von sich präsentieren.

          Sie haben in einem kürzlichen Gespräch mit dem Regisseur Darren Aronofsky bekannt, Sie fürchteten manchmal, dass früher oder später jemand Sie als Betrügerin bloßstellen könnte – weil Sie keine klassische Ausbildung haben.

          Ich glaube, dass viele Leute diese geheime Sorge haben – besonders, wenn sie in den Künsten arbeiten. Es ist eine so flüchtige Sache. Wer entscheidet denn in der Schauspielerei, was gut und was schlecht ist, wann etwas fertig und rund ist? Wenn jemand mein Auto repariert, dann macht er seinen Job entweder gut oder nicht, und wenn das Auto wieder fährt, hat er es hingekriegt. In meinem Fall muss ich mich auf die Meinung anderer verlassen. Was zählt da, was nicht?

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