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Michael Douglas im Gespräch : „Die Angst ist weg“

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„Als ob ich durch ein Gewitter fliege und richtig übel durchgeschüttelt werde“: Douglas über die vergangenen zwei Jahre Bild: Contour by Getty Images

Wie spielt man Sterbeszenen, wenn man selbst den Krebs überstanden hat? Und wie küsst eigentlich Matt Damon? Michael Douglas über seine jüngste Rolle, seine Erkrankung und die „Pause“ in der Ehe mit Catherine Zeta-Jones.

          Mr. Douglas, in einem sehr emotionalen Moment auf dem Filmfestival in Cannes haben Sie „Behind the Candelabra“, den Film über den homosexuellen amerikanischen Showstar Liberace, als den wichtigsten Film Ihres Lebens bezeichnet. Wie haben Sie das gemeint?

          Der Film war schon deshalb so enorm wichtig für mich, weil ich noch am Leben war, um diese Rolle zu spielen. Allein aus diesem Grund war das eine sehr emotionale Angelegenheit. Alles andere war dann noch der Bonus, der obendrauf kam. Ich habe nicht erwartet, dass man mir einmal ein so grandioses Drehbuch gewissermaßen als Geschenk überreicht, inszeniert von Steven Soderbergh, einem Mann, den ich liebe. Und dann kam auch noch Matt Damon als Ko-Star dazu. Das hat mir einen unglaublichen Energieschub gegeben, den ich zu diesem Zeitpunkt dringend nötig hatte. Das machte mich richtig ekstatisch.

          Auf der Pressekonferenz schossen Ihnen die Tränen in die Augen. So emotional kennt man Sie normalerweise nicht.

          Ich war einfach so dankbar. Und ich war glücklich, als ich die Diagnose bekam, der Krebs sei erst einmal besiegt. Obwohl ich natürlich weiß, dass ich das in den kommenden Jahren ganz genau beobachten lassen muss, weil er ja wiederkommen kann. Aber all das ging mir in diesem Moment durch den Kopf. Dazu kam dann auch, dass ich immer noch durch die Chemotherapie geschwächt war. Da bleibt kein bisschen Kraft übrig. Ich fühlte mich verletzlich und war bereit, über alles Mögliche zu weinen. Ich musste damit rechnen, nie wieder zu arbeiten.

          Was hat der Kehlkopf-Krebs mit Ihnen als Schauspieler gemacht?

          Ich habe festgestellt, dass ich tatsächlich ein besserer Schauspieler geworden bin, seit ich Krebs hatte. Denn er hat mir wesentlich mehr Freiheit gegeben, die ich vorher in dieser Form nicht vor der Kamera gespürt habe.

          Extravagant: Michael Douglas (rechts) in „Liberace“
          Extravagant: Michael Douglas (rechts) in „Liberace“ : Bild: dpa

          Das müssen Sie genauer erklären.

          Wenn du diese Wand durchbrichst, die wir Sterblichkeit nennen, und dich schon beinahe auf der anderen Seite befindest, hast du plötzlich eine ganz neue Perspektive auf das Leben. Es existiert kaum noch etwas, wovor ich wirklich Angst habe – und am wenigsten vor einer Rolle. Dieser Film war ja schon ein Risiko. Wir haben da wie Glücksspieler alles auf eine Karte gesetzt. Und ich hatte jetzt das Selbstbewusstsein, alles zu geben.

          Wovor hatten Sie Angst, bevor Sie an Krebs erkrankt sind?

          Als Schauspieler zensierst du dich ständig selbst. Das ist ja eigentlich nicht ungesund, was die Psyche und das Ego angeht. Manchmal war ich mir allerdings zu sehr dessen bewusst, was ich vor der Kamera tue. Und das ist nicht gut. Gerade wenn du so eine grandiose Rolle spielst wie Liberace. Früher hätte es viele Tage gegeben, an denen ich an mir gezweifelt hätte. Heute traue ich meinem Instinkt.

          Liberace stirbt am Ende an den Folgen von Aids, und Sie mussten das spielen. Wie fühlte sich das für Sie an?

          Sterbeszenen machen mich sowieso immer nervös. Wie spielst du das richtig, ohne dass es zu sentimental wird? Da muss man die richtige Balance finden. Die Szene zu spielen fand ich gar nicht so schlimm. Denn es ist ein schöner Moment, in dem noch einmal deutlich wird, wie viel diese beiden Männer, Liberace und sein Lebensgefährte Scott, einander bedeutet haben. Liberace hatte eine Menge Liebhaber, aber Scott war die Liebe seines Lebens. Viel emotionaler war es für mich, diese Szene später im Kino zu sehen. Denn da musste ich daran denken, wie ich aussehen werde, wenn ich tot bin. Noch mehr als mich hat diese Szene allerdings meinen Vater verstört. Denn ich sehe da aus wie er mit 96 Jahren.

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