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Umfrage für F.A.Z. Woche : Mehrheit der Männer findet MeToo-Debatte übertrieben

  • Aktualisiert am

Geschäftsmodell: In Hollywood werden #MeToo-Buttons verkauft Bild: Reuters

Laut einer Allensbach-Umfrage finden 45 Prozent der Deutschen, dass die MeToo-Debatte übers Ziel hinaus schießt – bei Männern ist der Wert noch höher. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung wünscht sich von der Berlinale ein Statement gegen sexuelle Gewalt.

          Die Diskussion über sexuelle Belästigung schießt in den Augen vieler Deutscher über das Ziel hinaus. Laut einer Allensbach-Umfrage für die Frankfurter Allgemeine Woche, die am Freitag erscheint, finden 45 Prozent der Deutschen die Debatte übertrieben. Das Institut fragte 1400 Personen: „Neulich sagte jemand: ‚Die ganze Debatte über sexuelle Belästigung schießt etwas über das Ziel hinaus. Bald müssen Männer ja Angst davor haben, Frauen Komplimente zu machen.‘ Sehen Sie das auch so, oder sehen Sie das nicht so?“ 36 Prozent der Befragten gaben an, das nicht so zu sehen, die übrigen 19 Prozent waren unentschieden. Unter den Männern finden 53 Prozent die Debatte übertrieben. Selbst 38 Prozent der Frauen sagten, die MeToo-Debatte gehe ihnen zu weit.

          Unterdessen wünscht sich der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung von der Berlinale ein Statement gegen sexuelle Gewalt. „Ich würde mich freuen, wenn von der Berlinale auch für Deutschland ein deutliches Signal ausgehen würde, dass sexuelle Übergriffe nirgends mehr geduldet werden dürfen“, sagte Johannes-Wilhelm Rörig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag). Er forderte demnach auch eine Beschwerdestelle für die Filmbranche. Schon im Oktober hatte er wegen #MeToo die Bundesregierung aufgerufen, mehr gegen Sexismus zu tun.

          „#MeToo macht deutlich, wie schwer es ist, das Schweigen zu brechen, wenn es keine allgemein bekannten und leicht zugänglichen Beschwerde- und Hilfeangebote gibt und Frauen mächtigen Agenten, Regisseuren oder Produzenten gegenüberstehen“, wurde Rörig nun weiter zitiert.

          Berlinale-Chef Dieter Kosslick sagte den Funke-Zeitungen: „Mit den Events, die wir bei den Filmfestspielen präsentieren, möchten wir auch zu einer Veränderung innerhalb der Branche beitragen.“ So gebe es Veranstaltungen zur Vielfalt, in denen es „nicht nur um Übergriffigkeit und Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, sondern generell um Diskriminierung und Missbrauch“ gehe. Zudem sei die Jury um Regisseur Tom Tykwer mit drei Männern und drei Frauen paritätisch besetzt, sagte Kosslick.

          Die Debatte über sexuelle Gewalt und Diskriminierung hat ihren Ursprung in der Filmbranche. Im Herbst beschuldigten Schauspielerinnen in den Vereinigten Staaten den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung. Seither meldeten sich mit dem Schlagwort #MeToo (deutsch: Ich auch) weltweit zahlreiche weitere Opfer auch in anderen Branchen zu Wort.

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