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Mecklenburg-Vorpommern Holländer machen Jagd auf Honeckers Jagdsitz

 ·  Nach der Wende staunte man nicht schlecht: Erich Honecker, der Führer der Arbeiterklasse, leistete sich Luxus - in piefigem Ambiente. Bald gehört der Jagdsitz wohl einer niederländischen Hotelkette.

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In Kürze gehört er wohl Holländern, der frühere Jagdsitz Erich Honeckers am Drewitzer See in Mecklenburg-Vorpommern. Am Montag bot die niederländische Hotelkette Van der Falk, die im nahen Linstow eine Ferienanlage betreibt, bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Waren 3,4 Millionen Euro. Festgesetzt waren 1,86 Millionen Euro. Der Bremer Kaufmann Hans-Holger Hagens hatte das jägerlateinumwobene Objekt 1998 von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft gekauft, ist aber mit dem im SED-Stil belassenen Hotel und den 22 Ferienhäusern auf dem 14 Hektar großen Gelände gescheitert.

Seine holländischen Hauptgläubiger beantragten die Versteigerung, betrieben haben sie die Anlage 150 Kilometer nördlich Berlins schon zuvor. Da am Montag kurz vor der Auktion noch eine unbekannte Forderung zutage kam, will das Gericht nach deren Prüfung die rechtskräftige Entscheidung in einer Woche kundtun.

Schwimmbad, Sauna, Seeterrasse

Nach der Wende, als Anwohner das Anwesen ihres Staats-Nimrods stürmten, staunten sie über den Luxus, den sich die Führer der Arbeiter- und Bauernklasse dort so geleistet hatten. Die ersten Wessis am Drewitzsee staunten mehr über das piefige Ambiente der Herrscher des Ostens. Es hieß, der Russe Breschnew, der Rumäne Ceausescu und der Bulgare Schiwkow hätten dort mit Honecker - warm von grusinischem Branntwein - im Walde angesessen, bis die Helfer ihnen die Hirsche vor die Flinten trieben.

Sicher ist, dass dem obersten DDR-Landwirtschaftler Gerhard Grüneberg eine Jagd-Datsche am Drewitzer See gehörte. Die war er los, kaum dass er einmal Honecker und den Stasi-Chef Mielke dorthin eingeladen hatte. Erich Mielke ließ die Anlage für 40 Millionen ausbauen und schenkte sie Honecker 1982 zum 70. Geburtstag, mit reetdachgedecktem gewaltigem Haupthaus samt Schwimmbad, Sauna und Seeterrasse.

Die bewaffneten Bewacher hatten ihre eigene kleine Siedlung auf dem Gelände. Grüneberg soll später am Schnaps zugrundegegangen sein. Die alten Bewohner der Gegend bewahren sein Andenken in dem Begriff „Grüneberg-Kurve“. So nennen sie die Ausbuchtung der Autobahn Berlin-Rostock, die auch schnurgerade hätte gebaut werden können, aber im Bogen um das Staatsjagdgebiet herumgeführt wurde.

„Rein sicherungstechnisch war es das am besten gesicherte Objekt auf dem damaligen Staatsgebiet der DDR. Es gab da völlig verrückte Dinge“, zitiert ein Forum alter Kameraden der Nationalen Volksarmee im Internet den Personenschützer Bernd Brückner, einen Bodyguard Erich Honeckers. Brückner war dabei, wenn der Staats- und Parteichef der DDR zur Jagd ging, in der Schorfheide bei Berlin oder eben auch am Drewitzer See in der Nossentiner Heide. Versteckte asphaltierte Abfahrt von der Autobahn nach Rostock, doppelter Zaun, Erdsensoren, verdeckte Fernsehkameras auch an den Bootsstegen am See, Alarmanlagen, Funkstationen und überall Sicherungsposten, Tag und Nacht. Nach Brückners Angaben kam Honecker anfangs nur einmal im Jahr nach Drewitz: „Die meiste Zeit wurde mit riesigem Aufwand ein leere Objekt bewacht.“ In den letzten Jahren der DDR sei der Staatschef aber häufiger am See gewesen, in den Sommerferien auch mal 14 Tage mit Familie. „Er fuhr mit dem Motorboot, ging angeln oder auf die Jagd. Das Schwimmbad wurde von der gesamten Familie genutzt. Roberto war ständig im Wasser, auch Margot Honecker fühlte sich hier wohl.“

Geweihe seiner kapitalsten Hirsche

Roberto ist der Enkel der Honeckers, mit vollem Namen Roberto Yáñez Betancourt y Honecker, der Sohn ihrer 1952 geborenen Tochter Sonja und des chilenischen Ehemanns Leo Yáñez Betancourt. Bei ihrer Tochter und dem Enkel lebt Margot Honecker seit 1992 in Santiago de Chile. Dort starb Erich Honecker 1994 an Leberkrebs, als er nach seiner Flucht von Moskau nach Deutschland ausgeliefert, wegen seiner Krankheit aber aus der Haft entlassen worden war.

Im Internet kann sich Margot Honecker im fernen Chile nun wohl bald anschauen, was die neuen Drewitz-Besitzer ihren Feriengästen zu bieten haben am früheren Jagdsitz ihres Staatsmannes. Die Geweihe seiner kapitalsten Hirsche hängen noch an der Wand.

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Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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