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Getrenntes Wohnen : Bei mir oder bei Dir?

Sie teilen ihr Leben, aber nicht das Bad: Rock Hudson und Doris Day im Film „Bettgeflüster“ Bild: akg-images / Album

Zwei Doppelbetten, zwei Garderoben, zwei Kühlschränke: Einige Ehepaare leben freiwillig in getrennten Wohnungen. Aber sind sie durch die neu geschaffenen Freiräume auch glücklicher?

          Wenn Hans Moock morgens ins Bad möchte, muss er über den Balkon. Meistens legt er das kurze Stück in T-Shirt und Boxershorts zurück, schlüpft durch die kleine Pforte, die immer offen steht, auf seine Hälfte, um dann durch die Balkontür in seine Wohnung zu gelangen. Manchmal muss auch seine Frau Claudia Juretzki kurz in die Kälte und nimmt umgekehrt denselben Weg auf sich, bevor sie sich unter die warme Dusche stellen kann. Wenn die beiden sich danach wieder zum Frühstück treffen, hat immer einer von ihnen Milch für den Kaffee dabei. „Wir haben immer nur eine gemeinsame Packung und tragen sie hin und her“, sagt Hans Moock. Ansonsten hat das Ehepaar aber alles mindestens doppelt: zwei Ehebetten, zwei Sofaecken, zwei Kaffeevollautomaten und vier Toiletten auf insgesamt 300 Quadratmetern.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hans Moock und Claudia Juretzki sind seit zwölf Jahren ein Paar, seit drei Jahren verheiratet und wohnen seit neun Jahren nicht zusammen, sondern nebeneinander. In zwei Maisonette-Wohnungen im selben Haus in Bad Homburg, deren Grundrisse zwar identisch, die aber sonst vollkommen verschieden sind. Das beginnt schon am Türschild: Während ihr Name in Keramik geritzt und mit Gänsemotiv verziert ist, empfängt er seine Besucher mit schlichtem Messing. In den Wohnungen setzen sich die unterschiedlichen Stile mit gleicher Konsequenz fort. Juretzkis Räume sind ein romantischer Mädchentraum, in warmen Tönen, mit viel Stoff, einer großen Ankleide und einem Meditationszimmer unter dem Dach, das nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet ist. Bei Moock hingegen dominieren Glas, Stahl und Leder. Statt üppiger Vorhänge hat er eine Gin-Bar, einen Raum mit Fitnessgeräten, und wo bei ihr der Buddha thront, steht bei ihm ein wuchtiger Schreibtisch mit mehreren Bildschirmen.

          Lebensform der Künstler und Intellektuellen

          „Hier hat sich jeder von uns selbst verwirklicht“, sagt Juretzki und lacht. Denn die beiden haben eine eiserne Regel: Obwohl verheiratet, sind ihre Wohnungen getrennte Sphären, der jeweils andere ist immer nur zu Gast. Zwar übernachten die Ehepartner, die beide berufsbedingt viel reisen, immer zusammen, sofern sie beide in der Stadt sind – entweder in Hans’ Wasser- oder Claudias Boxspringbett. Doch fertig macht sich morgens jeder in seiner eigenen Wohnung, im Badezimmer des anderen steht noch nicht einmal eine eigene Zahnbürste.

          Der Vermögensverwalter und die Flugbegleiterin gehören zur steigenden Zahl der Paare, die bewusst nicht zusammen wohnen. „Etwa 5 Prozent der Deutschen leben freiwillig in einer bilokalen Beziehung“, schätzt der Soziologe Robert Naderi vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, der diese Gruppe untersucht hat. Was früher eine Lebensform der Künstler und Intellektuellen war – Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir wohnten mehr als 50 Jahre in getrennten Wohnungen -, wird heute in der ganzen Gesellschaft gelebt. Zwar ist dieses Lebensmodell immer noch häufiger in der Großstadt anzutreffen als auf dem Land, ihre Vertreter haben seltener einen Migrationshintergrund, und ihre Zahl steigt mit dem Grad der Bildung.

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