10.05.2011 · Elizabeth Hurley hat viele Rollen gespielt: Sexsymbol, Landwirtin, Model und Designerin. Stets ist sie die perfekte Verkäuferin ihrer selbst - sogar am Rande der deutschen Autobahn.
Von Anke SchippDunkle Wolken hängen über dem Village. Zwischen den hübschen Türmchen des Einkaufsstädtchens mit seinen künstlichen Gassen weht ein kühler Wind. Elizabeths Hurleys Entourage ist angespannt an diesem Morgen. Bei weniger als zehn Grad lassen sich Bikinis schlecht verkaufen. Aber genau das soll an diesem Tag passieren, denn Hurley ist angereist, um im Outlet „Wertheim-Village“ in der Nähe von Würzburg mit Blick auf die A3 die „Elizabeth Hurley Beach Boutique“ zu eröffnen.
Zum Interview empfängt sie in einem der Häuschen, die für diesen Tag zu einer Beach-Lounge umgebaut wurde. Der Teppich ist pinkfarben wie das Logo ihrer Beach-Kollektion, Hurley trägt eine Tunika im gleichen Ton. Über die Beine hat sie eine weiße Felldecke gelegt. „Oh, ist das kalt hier. Ich bin gestern aus Indien gekommen, da waren es 44 Grad. Und dann das? Ist das immer so in Deutschland?“ Ein Interview mit Liz Hurley ist wie ein Partygespräch. Locker, unkompliziert, unverbindlich. Man plaudert, fühlt sich wohl, bis eine barsche Stimme aus dem Off kommt. Hurleys Assistentin mahnt gouvernantenhaft an: „Last question, please!“ Spätestens da fragt man sich, was es eigentlich genau war, was man von Elizabeth Hurley wissen wollte, deren Profession es im Wesentlichen ist, Elizabeth Hurley zu sein.
Was ihre offiziellen Berufsbezeichnungen angeht, zeigt sich eine gewisse Flexibilität: Sie ist Schauspielerin, Model, Produzentin, Designerin, Landwirtin, Society-Lady. Nichts davon macht sie überragend, aber alles überdurchschnittlich. Ihr Talent liegt darin, sich perfekt inszenieren zu können. Das nützt auf dem roten Teppich, macht sich gut vor der Kamera und färbt auf die Produkte ab, die sie verkauft. Dabei ist es egal, ob sie versucht, einen Bikini mit Leopardenmuster oder den Bioschinken von ihrer Farm an den Mann zu bringen. Immer ist es, als wär's ein Stück von ihr.
„Guten Morgen, Wörtheim“
Um kurz nach elf tritt sie vor die Türen ihres Shops, in dem bis Mitte August Bikinis, Badeanzüge, Tankinis verkauft werden. Sie weiß, was man hören will: „Guten Morgen, Wörtheim“, ruft sie auf Deutsch. „Wir lieben Frankfurt und diese Gegend. Hier leben die glamourösesten Frauen Deutschlands!“ Applaus. Die ersten Glamour-Damen betreten den Laden, zwei Leserinnen, die in einer Boulevard-Zeitung „Einmal Shoppen mit Liz Hurley“ gewonnen haben. Die beiden Frauen sind sprachlos, als Hurley fragt, für welchen Bikini sie sich interessierten. Hurley: „Sie tragen etwas Blaues. Wie wäre es mit einem blauen Bikini?“ Die beiden Damen schweigen. Schließlich fragt eine schüchtern: „Können wir vielleicht ein Foto von Ihnen machen?“ „Sure! No problem!“, sagt Hurley. Ihre Augen werden ein Stück größer, sie neigt den Kopf zur Seite und schaut lasziv in die Kamera. Ihr Shooting-Blick, auch wenn's nur für die Fans ist.
In Großbritannien ist Liz Hurley ein Superstar. „Ein nationaler Schatz“, schreibt die „Sunday Times“. Jeder ihrer Schritte wird von der Klatschpresse verfolgt. Lange bevor das Mittelklassemädchen Kate Middleton zur Prinzessin wurde, war es das Mittelklassemädchen Liz Hurley aus Basingstoke westlich von London, das zeigte, wie man mit mittelmäßigem Talent und hübschem Gesicht eine Weltkarriere starten kann. Begonnen hat diese 1994, als die damals unbekannte Schauspielerin an der Seite eines gerade bekannt gewordenen Schauspielers zur Filmpremiere von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ ein schwarzes Kleid trug, das an der Seite mit goldenen Sicherheitsnadeln zusammengehalten war. Damals stahl sie Hugh Grant die Schau, und das Kleid grub sich fast so tief ins kollektive Gedächtnis ein wie das von Marilyn Monroe, als diese ein Geburtstagsständchen für John F. Kennedy sang.
Hurley steht jetzt hinter dem Tresen und hilft kassieren. „Gorgeous!“ „Looks fantastic!“ „Wonderful!“ Jedes Teil, das gekauft wird, kommentiert sie euphorisch mit ihre tiefen, rauhen Stimme. Zwischendurch gibt sie die Expertin, schließlich, das betont sie immer, hat sie nicht nur den Namen für die Kollektion hergegeben. Sie entwirft tatsächlich auch die Bikinis, Badeanzüge, Tankinis und Tunikas. Was macht man als Frau, wenn man sich ungerne am Strand im Bikini präsentiert? „Kein Problem“, sagt Hurley, „man nimmt einen Schal, wickelt ihn um den Körper, und schon fühlt man sich sexy.“ Hurley demonstriert ihre Idee an einem der Models, die im pinkfarbenen Bikini im Geschäft herumstehen.
Bademode und Biofarm
Dass Liz Hurley, die heute lieber Elizabeth genannt wird, von Hause aus Schauspielerin ist, vergisst man gelegentlich. Ihre einzigen nennenswerten Filme waren die Agentenparodien „Austin Powers“, Teil 1 und Teil 2, der zweite ist zwölf Jahre her. Lange hat sie ihr Geld als Model für einen Kosmetikhersteller verdient. Seither hat die Fünfundvierzigjährige ihr Portfolio erweitert. Nicht mehr alles hängt von ihrem Aussehen ab: Sie entwirft nicht nur Bademode, sondern betreibt eine Biofarm.
Das Leben auf dem Land ist ein weiteres Marketing-Tool für Hurley, um ihre Bodenständigkeit zu beweisen. Wenn sie über das Leben in Gloucestershire spricht, sprudelt es aus ihr heraus. „Gerade ist viel zu tun, die Lämmer sind geboren. Im letzten Jahr hatten wir 15 Stück, die fast erfroren wären, da haben wir sie im Haus mit Milch großgezogen. Das war, als hätte man plötzlich 15 Babys zu füttern.“ Sie hat nur zwei Angestellte, mistet selbst den Stall aus, sie melkt die Kühe, sie kocht, sie gärtnert. Es gibt Fotos von ihr, wie sie in Jeans und Shirt eine Kuh streichelt - und dabei doch wirkt wie ein Model, das frisch geduscht eine Country-Collection präsentiert.
Das immer noch große öffentliche Interesse an ihr hält Hurley aber nicht zuletzt durch ihre Männerbeziehungen am Köcheln. Hugh Grant verhalf ihr zum Karrierestart, der amerikanische Milliardär Steve Bing zu einem unehelichen Sohn. Vor vier Jahren heiratete sie den deutsch-indischen Textil-Erben Arun Nayar. Die bombastische Hochzeit in einem Maharadscha-Palast in der nordindischen Stadt Jodhpur war das Society-Ereignis des Jahres. Im Dezember gab sie die Trennung bekannt. Als Grund wird ihre Beziehung mit dem australischen Cricket-Spieler Shane Warne gesehen. Der trägt den Spitznamen „Hornie Warnie“, war schon mal in einen Wettskandal verwickelt und soll sich, schon mit Hurley liiert, mit einem Pornostar getroffen haben.
„Ich brauche den Kontrast“
Hurley hält trotzdem intensiven Kontakt, was ihr persönlicher Twitter-Dienst auf der Website belegt. Dort lässt sie sich „Little Miss Naughty“ nennen und lässt „warne888“ wissen: „back soonxxx“. Was sie an dem blond gefärbten Spieler findet, den sie gerade in Indien besucht hat, wo er bei den Rajasthan Royals spielt, kann in der britischen Presse keiner verstehen - außer, dass es für eine Frau, die 45 Jahre alt ist und als Sexsymbol ein kleines Imperium aufgebaut hat, nichts schaden kann, eine hitzige Affäre zu führen, die alle Zutaten an Leidenschaft bietet.
Ein langer Tag im Wertheim-Village geht zu Ende. Hurley jettet nach Mailand weiter, wo sie ebenfalls eine Beach-Boutique in einem Outlet eröffnet. Ende der Woche ist sie zurück auf der Farm und kümmert sich um die Lämmer. „Ich brauche den Kontrast“, erklärt sie. „Manchmal habe ich genug von den vielen Reisen, dem Leben aus dem Koffer, dem Nettsein, dann möchte ich nach Hause. Auf der Farm muss ich nicht meine Haare machen, trage flache Schuhe und koche viel.“ Ganz das nette Mittelklasse-Girl, das auch ohne den ganzen Glamour leben kann. Nur so wird man eine Nationalheldin in England - oder Prinzessin.
Anke Schipp Jahrgang 1966, Redakteurin im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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