11.10.2006 · Der Man Booker Prize, eine der bedeutendsten Auszeichnungen für englischsprachige Literatur, geht in diesem Jahr an Kiran Desai. Die junge Inderin erhielt den Preis für ihren Roman „Erbin des verlorenen Landes“.
Für ihren Roman „The Inheritance of Loss“ - deutscher Titel: „Erbin des verlorenen Landes“ - ist die indische Schriftstellerin Kiran Desai mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet worden. Der begehrteste britische Literaturpreis wurde der Tochter der Schriftstellerin Anita Desai am Dienstag abend in London zuerkannt. In dem Buch geht es um eine Familiensaga, die sich vom indischen Himalaya bis nach New York erstreckt.
Die 1971 geborene Kiran Desai zählt schon seit geraumer Zeit zu den Favoriten für die mit 50.000 Pfund (74.000 Euro) dotierte bedeutende Auszeichnung, für die ihre Mutter ebenfalls dreimal nominiert wurde. In ihrer Ansprache betonte die neue Preisträgerin dementsprechend, sie verdanke ihrer Mutter so viel, daß die Auszeichnung aus ihrer Sicht beiden gelte. „Erbin des verlorenen Landes“ sei in der Gegenwart und unter den „gütigen Augen“ ihrer Mutter geschrieben worden.
„Eindrucksvolle politische Beobachtungsgabe“
Die Juroren würdigten das prämierte Buch als „großartigen Roman von menschlicher Breite und Weisheit, amüsanter Einfühlsamkeit und eindrucksvoller politischer Beobachtungsgabe“. Kiran Desai sei sich ihrer anglo-indischen Wurzeln voll bewußt, leiste aber gleichzeitig Pionierarbeit. Sie stehe zwar in der Tradition von Autoren wie V.S. Naipaul, R.K. Narayan und Salman Rushdie, doch habe sie von diesem Ausgangspunkt aus einen völlig neuen Stil entwickelt.
Die 35 Jahre alte Autorin ist die bislang jüngste weibliche Gewinnerin des Booker Prizes. Kiran Desai verbrachte ihre Schul- und Studienzeit in Indien, England und den Vereinigten Staaten, was ihr eine kulturell breite Ausbildung ermöglichte. 1998 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Hullabaloo in the Guava Orchard“.