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Leonardo DiCaprio im Gespräch : „Ich liebe Pflaumenkuchen!“

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„Meine Oma hat oft zu mir gesagt: Leo, warum hängst du diese Schauspielerei nicht an den Nagel?“ – DiCaprio bei einem Fototermin in New York Bild: action press

Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio über Gier und Konsum, seine Kindheit in L.A. und die frühe Neigung zum Showbiz, die Ideale seiner Mutter und sein deutsches Erbe: schonungslose Ehrlichkeit.

          In einer Luxussuite im 50. Stock des Hotels „Mandarin Oriental“ am New Yorker Columbus Circle hat sich Leonardo DiCaprio lässig auf die Couch drapiert. Mit dem tiefblauen Anzug, dem oben aufgeknöpften petrolblauen Hemd und dem zurückgegelten Haar ist er die personifizierte Eleganz – wäre da nicht der schwarze Lederturnschuh mit der weißen Sohle, der auf dem Glastisch ruht. „Entschuldigen Sie“, sagt er und zwirbelt einen Gehstock in den Fingern. „Ich habe mir ein paar Bänder verletzt, ich lege den Fuß gern hoch.“ Hinter ihm geht der Blick zur Rechten über den Hudson River und zur Linken über den Central Park, über dem sich jetzt, Mitte Dezember, ein blauer Wintervollmond erhebt. Etwas betreten stehe ich mit dem japanischen Kollegen, der ebenfalls zum Gespräch gebeten ist, im Raum. DiCaprio lächelt und weist auf die Sessel gegenüber der Couch: „Setzen Sie sich.“

          Dies ist ein Mann, der ganz zu Hause ist in seiner Haut, der seit seinem vielbeachteten Filmdebüt neben Robert De Niro in „This Boy’s Life“ 1993 und seinem kometenhaften Aufstieg zum Superstar 1997 mit „Titanic“ zu einer der einflussreichsten Figuren Hollywoods geworden ist. Inzwischen macht DiCaprio Projekte möglich und verschafft Filmgöttern wie seinem Freund Martin Scorsese neue Projekte – wie die Verfilmung der Memoiren des Aktienbetrügers und Partytiers Jordan Belfort in „The Wolf of Wall Street“, der in Deutschland am 16. Januar in die Kinos kommt. Kein Wunder, dass er hier mit der Haltung eines Impresarios und in einer Hotelsuite Hof hält, die eines Königs würdig wäre. Ich setze mich, und der japanische Reporter ist schon aus meinem Wahrnehmungsfeld verschwunden.

          Mr. DiCaprio, Sie spielen in Ihrem neuesten Film offenbar mit großem Vergnügen einen Mann, der mit betrügerischen Aktiendeals steinreich wird und fortan in Sex, Drogen und Luxusgütern schwelgt...

          Ja, wir wollten so was wie eine moderne Version des späten Römischen Reichs abbilden. Es gibt für diesen Mann keine moralische Grundlage, niemanden, dem er Rechenschaft schuldig ist, er gibt einfach jedem Genuss-Impuls nach – und es macht natürlich riesigen Spaß, das zu spielen.

          In der Rolle des Jordan Belfort ziehen Sie sich kiloweise Koks in die Nase...

          Das war Baby-Vitamin B. Es hat nicht in der Nase gebrannt, und es hat uns nicht unter Strom gesetzt, nur um das klar zu stellen.

          ... Sie robben unter dem Einfluss eines hypnotischen Beruhigungsmittels sabbernd über den Boden...

          Ich habe noch nie Quaaludes genommen, aber ich habe mir von dem echten Jordan Belfort die Wirkung schildern lassen; er sagte, man verliert jede Kontrolle über die Körperfunktionen, glaubt aber, dass man völlig normal ist. Man ist hochmotiviert, zu tun, was man vorhat, aber der Körper macht einfach nicht mit. Ich habe mir zur Vorbereitung dieses Video auf Youtube über den betrunkensten Typen der Welt angeguckt – der arme Kerl, er will bloß ein verdammtes Bier haben, aber immer, wenn er sich ihm nähert, verweigert ihm sein Körper die Gefolgschaft.

          ... und Sie haben eine ganze Reihe bacchanatischer Sexszenen gedreht.

          Ich kann nicht sagen, dass das besonderen Spaß gemacht hat. Manches war echt eklig – als wir die Orgie in dem Jumbojet drehten, konnte ich kaum abwarten, von dem Set runterzukommen. Es war widerlich.

          Zwei Jahrzehnte Karriere: DiCaprio 1993, in „This Boy’s Life“...

          Im Film wird das als geile Party dargestellt. Können Sie den Reiz dieses Testosterongewitters aus männlicher Perspektive erklären?

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