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Alltag der Brummi-Fahrer : Leben auf der Straße

Arbeit und Wohnraum in einem: Fernfahrer Maik in seinem LKW Bild: Helmut Fricke

Keine Zeit, kein Komfort und wenig Geld. Die Arbeit als Lastwagenfahrer ist beschwerlich. Von der großen Freiheit ist kaum was zu spüren. Nun kommt auch noch neue Konkurrenz.

          Links die Tür, rechts der Beifahrersitz, in seinem Rücken zwei schmale Pritschen. Maiks mobiles Zuhause ist kleiner als ein Hundezwinger, das hat er schwarz auf weiß: „Jeder Hund, der größer ist als fünfzig Zentimeter, hat Anspruch auf acht Quadratmeter“, sagt der Fernfahrer. So stehe das in der Tierschutz-Hundeverordnung. Maik, 1,90 Meter groß, kann keine zwei Schritte machen, ohne sich zu stoßen. Zumindest dann, wenn er in seinem Lkw unterwegs ist. Und Maik ist fast immer unterwegs.

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Montag Morgen, sechs Uhr, ein Parkplatz im Industriegebiet in Haiger bei Siegen. Im blauen Scania-Lastwagen, der aufgereiht neben anderen Trucks parkt, bewegt sich zuerst nur der Vorhang im Cockpit, dann kommt Maiks müdes Gesicht zum Vorschein. In der Nacht ist er aus seiner thüringischen Heimat nach Haiger zu seiner Spedition gefahren. Er muss früh los. Ein paar Stunden Schlaf im Lkw, Katzenwäsche am Waschbecken im Bürogebäude, ein Automaten-Kaffee, der nach Plastikbecher schmeckt  und los.

          520 PS schieben das siebzehn Meter lange Gefährt samt zweiundzwanzig Tonnen Ladung auf die Landstraße. Es geht vorbei an Wiesen im Morgennebel, an einer Rinderherde und sich müde drehenden Windrädern. Maiks Blick weicht nicht von der Straße, sein erster Kunde sitzt ihm im Nacken. Ein Unternehmen, eine Lkw-Stunde entfernt, wartet auf eine Lieferung, die er aus Italien mitgebracht hat. Es geht um Hunderte gusseiserne Ringe, jeder so groß wie eine Schallplatte. Wozu die gebraucht werden? „Keine Ahnung“, sagt Maik. Er hat ein anderes Problem, die schmale Einfahrt auf das Firmengelände.

          Viertel Jahrhundert hinterm Steuer

          „Da fahre ich jetzt bestimmt nicht rein“, sagt er und springt aus der Fahrerkabine. Drei Minuten später sitzt er wieder hinter dem Lenkrad: „Jetzt wird's lustig.“ Langsam fahrend, den Rückspiegel im Blick, schiebt er den Fünf-Achser Meter für Meter auf den Betriebshof. Zentimeterarbeit, aber es passt. Kaum hat er geparkt und die Plane am Anhänger zur Seite gezogen, schnappen sich Gabelstapler die Boxen mit den Eisenringen, eine Unterschrift auf dem Frachtschein, fertig. Der nächste Kunde wartet. Keine Verschnaufpause, es geht Schlag auf Schlag. Ganz anders, als man sich das Truckerleben vorstellt. „Stress und Hektik aushalten zu können“, sagt Maik, „das ist mit das Wichtigste.“

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche.

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          Maik Erdmann muss es wissen. Er ist 47 Jahre alt, seit einem Vierteljahrhundert sitzt er hinter dem Steuer. Drei Millionen Kilometer habe er in dieser Zeit zurückgelegt, schätzt er. Seinen Lkw-Führerschein hat er noch in der DDR gemacht, für 30 Ost-Mark. Den Traum vom Fahren habe er schon als Kind gehabt. Der Reiz? „Die Technik. Das viele Unterwegssein.“ Fünfundachtzig Weltumrundungen später ist von dieser Faszination nicht mehr allzu viel geblieben. „Ich bin gern Zu Hause, da ist Fernfahren Gift“, sagt Maik. Er klingt ein bisschen wehmütig, wenn er über seine Beziehung spricht. Die ist zerbrochen, er war ja kaum daheim. Seine Kumpel sieht er nur am Wochenende. „Und klar“, sagt Maik, „irgendwann kommst du an den Punkt, wo du dein eigenes Badezimmer vermisst.“ Viele Entbehrungen - wenig Lohn, so fasst er seinen Alltag zusammen. Mit weniger als 30 000 Euro Durchschnittsgehalt in der Branche ist das nicht an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem fährt der Thüringer weiter. Es ist sein Beruf.

           Zur Entschädigung gibt es Freiheit. So zumindest der Mythos vom Trucker, dem letzten Abenteurer unserer Zeit. Maik kann das nicht mehr hören. Er stört sich schon an dem Begriff „Trucker“. „Da denkt man doch an tätowierte Typen mit Cowboystiefeln und ungepflegten Bärten, die Countrymusik hören.“ Maik, der gutmütige Hüne mit dem freundlichen Gesicht, hat mit diesem Klischee nichts gemein. Er ist ein Anti-Trucker: Glattrasiert sitzt er in seinem aufgeräumten Fahrerhaus, das er jeden Morgen mit einem Handfeger von Krümeln und Staub befreit.

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