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Krankenpflegerin aus Bosnien : Auf Station und glücklich

  • -Aktualisiert am

Zupackend und freundlich: Alisa Donlagic überprüft die Infusion eines Patienten im Frankfurter Krankenhaus Nordwest. Bild: Cunitz, Sebastian

Alisa Donlagic aus Bosnien hat es zur Krankenpflegerin in Deutschland gebracht – und hilft mit anderen dem Notstand ab. In ihrer Heimat Bosnien sah sie keine Perspektive für sich.

          Hände desinfizieren, Handschuhe anziehen, immer auf die Hygiene achten, dachte sich Alisa Donlagic. „Die Hygiene ist hier in Deutschland das Wichtigste. Wenn du da patzt, kannst du es vergessen.“ Also lautete der Plan für die praktische Prüfung: „Besser einmal zu viel als einmal zu wenig.“ Der Plan ging auf. Etwas zu oft Hände gewaschen, habe die Prüferin gesagt. Ansonsten: bestanden. Seit April ist Alisa Donlagic nun Gesundheits- und Krankenpflegerin im Frankfurter Krankenhaus Nordwest. „Ich bin glücklich“, sagt die 30Jahre alte Bosnierin.

          Sie ist eine von etwa 80 Pflegekräften aus Bosnien, die seit 2011 mit dem Pilotprojekt „Triple Win“ nach Deutschland gekommen sind. In dem Programm wollen die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit bis Ende 2014 im Auftrag der Wirtschaft insgesamt 2000 Pflege-Fachkräfte aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, den Philippinen und Tunesien für deutsche Arbeitgeber anwerben. Die GIZ hilft bei der Personalauswahl und bei Fragen der Ausbildungsanerkennung, der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Die ersten 80 Bosnier kamen in einer Art Testlauf, der nach Angaben der GIZ aus Mitteln der Bundesregierung finanziert wurde. Künftig müssen die Arbeitgeber pro Pflegekraft rund 3700 Euro bezahlen.

          In ihren Herkunftsländern finden die Pflegekräfte keine Jobs, in Deutschland werden sie händeringend gesucht. Schon heute verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit knapp 13.000 offene Stellen in der Altenpflege und weitere knapp 10.000 in der Krankenpflege. Bis 2030 werde die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,5 auf 3,3 Millionen steigen, prognostizieren das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung und die Beratungsgesellschaft Accenture. Dazu müssten 371.000 neue Pflegeplätze her und 331.000 zusätzliche Pfleger eingestellt werden.

          Längst ist klar: Deutschland hat nicht genug Fachkräfte. Auch der Zufluss aus der Europäischen Union ist begrenzt. Von „Triple Win“ sollen drei Parteien profitieren: erstens die Pflegekräfte, die einen Job bekommen, den sie zu Hause nicht gefunden hätten; zweitens die deutschen Arbeitgeber, die eine Stelle besetzen, die sonst offen geblieben wäre; drittens die Herkunftsländer, „die zum Beispiel von den Heimatüberweisungen der Pflegekräfte an ihre Familien profitieren und häufig auch einen Know-How-Transfer erhalten“, sagt Migrations-Fachmann Dominik Ziller von der GIZ.

          Restriktives Antragssystem

          Krankenpflegerin Alisa Donlagic hat vor einigen Wochen Urlaub in Bosnien gemacht. Für immer dorthin zurück will sie auf keinen Fall. Einen großen Teil ihrer Kindheit hat sie in Deutschland verbracht, als zu Hause der Bosnien-Krieg tobte. Bis zur achten Klasse besuchte sie eine Realschule in der Nähe von Rostock, bevor sie zurück in die Heimat ging. Lange schon will sie wieder nach Deutschland. „Bei uns in Bosnien gibt es keine Perspektiven.“ Viele Jugendliche hätten nichts zu tun, hingen nur ab. „Eigentlich“, sagt sie, „wollen alle nur weg.“

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