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Albinos in Malawi : Krank und diskriminiert

Fühlt sich aufgrund seiner Erkrankung nirgends sicher: Willard in seinem Haus im Süden Malawis. Bild: Martin Franke

Unter der heißen Sonne Afrikas haben Menschen mit Albinismus ein schweres und kurzes Leben. Seit wenigen Jahren werden sie in Malawi für viel Geld gejagt – dort trifft Armut auf starken Aberglauben.

          Es war eine tiefdunkle Nacht im August 2016 in Malawi, erinnert sich Willard, als sich Männer seinem Haus näherten, mit Steinen und Macheten bewaffnet. Sie umzingelten das Gebäude von drei Seiten und brachen ein. Über zwanzig maskierte Gestalten waren es. Sie schlugen die Mutter, fesselten den Vater und plünderten die Zimmer. Willard aber bekamen sie nicht. Der 37 Jahre alte Albino rannte aus der Hintertür und um sein Leben bis ins nächste Dorf. Die Männer konnten mit Hilfe der Nachbarn verjagt werden, doch die Ruhe hielt nur kurz.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          „Wir gingen zur Polizei und machten unsere Aussagen“, erzählt Willard ganz leise. „Aber zwei Wochen später standen abermals zwanzig Männer vor unserem Haus und schlugen die Tür kaputt.“ Wieder rannte Willard um sein Leben. Die Polizisten trafen zu spät ein und verscheuchten die Männer, statt sie festzunehmen. „Bis heute leben wir in Angst. Wir wissen nicht, was mit uns passieren wird und was diese Menschen mit uns machen würden.“ Seine anderen Geschwister, Esther und Linda, waren zu jener Zeit im Internat untergebracht, auch sie haben Albinismus. Insgesamt vier von acht Kindern in der Familie von Willard sind „weiß“, so viele Albinos sind in keiner anderen Familie in ihrem Dorf nahe Blantyre im Süden Malawis zu finden.

          Die angeborene Stoffwechselerkrankung bringt für sie enorme körperliche Einschränkungen mit sich – doch auch Abneigung und Diskriminierung erfahren sie täglich. Und nicht nur das: Dutzende Albinos in Malawi haben in den vergangenen Jahren mit ihrem Leben bezahlen müssen, weil ihre Haut, Haare und Knochen ein Vermögen wert sind. Ein Arm für 5000 Dollar, ein Kopf für das Doppelte. In Malawi, Moçambique, Tansania und Sambia ist die Jagd auf Albinos ein Millionengeschäft, was stetig steigt.

          Esther und ein Freund vor dem Haus und dem kaputten Auto der Familie.

          Die zwei Attacken vom vergangenen Sommer haben die Familie verändert. Aus Furcht vor den Menschenjägern bleiben sie jede Nacht bis zwei Uhr wach – und schieben vor der Haustür gemeinsam Wache. Die große Gruppe spendet ihnen Mut, außerdem halten die Nachbarn zu ihnen. Der Polizei dagegen trauen sie nicht. Ihre Station liegt zu weit entfernt. Doch es muss nicht erst die Dunkelheit einbrechen, auch der helllichte Tag schützt Albinos in diesem Land nicht vor der Ignoranz vieler Dorfbewohner. „Wir bekommen hier keine Möglichkeit, uns in die Gesellschaft einzubringen“, erklärt die 25 Jahre alte Esther. „Wir haben einen Ausweis, sind qualifiziert. Aber man gibt uns keinen Job.“Selbst sonntags in der Kirche, in der sie aktiv ist, erlebe die junge Frau Ausgrenzung: „Diskriminierung findet überall statt – sogar beim Beten.“ Die Leute verstünden nicht, warum sie anders ist, und ignorierten sie zumeist.

          Erst mit zehn Jahren habe Esther bemerkt, dass im Gegensatz zu anderen ihre Haut nicht dunkel ist. „Manche Kinder haben mich gehänselt und mir böse Namen nachgerufen.“ „Mzungu“ zum Beispiel, das heißt „Ausländer“ oder „Weißer“ auf Chichewa, der wichtigsten Sprache in Malawi. Die Lehrer seien selten eingeschritten, hätten auf Beleidigungen gegenüber Esther nicht reagiert. Eine Ursache, so glauben die Geschwister, sei fehlende Aufklärung über die Krankheit.

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