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Kopfrechnen-Weltmeister  „Ich kann eben gut rechnen“

 ·  Der zwölfjährige Martin Drees aus Nürnberg hat die diesjährige Kopfrechen-Weltmeisterschaft gewonnen. Im Interview spricht er über sechsstellige Lösungen beim Wurzelziehen, Mathematik in der Freizeit und langweilige Unterrichtsstunden.

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© dpa Vergrößern In Deutsch ist er nicht so gut, im Kopfrechnen dagegen ein Weltmeister: Martin Drees.

Hallo, Martin. Eine Rechenaufgabe zum Warmwerden: Was ist die Wurzel aus 529?

23.

Das kam ja wie aus der Pistole geschossen. Jetzt ein paar Nummern schwerer: Was ist die Wurzel aus 1841449?

1357.

Das hat jetzt ungefähr zehn Sekunden gedauert. War es eine schwere Aufgabe?

Nein, die war eher einfach. Da steckt 135 drinnen, was sich sehr leicht quadrieren lässt. Und weil die Zahl auf 49 endet, muss die Wurzel auf 07, 43, 57 oder 93 enden. So viele Möglichkeiten gibt es dann gar nicht mehr.

Was ist denn eine schwere Aufgabe?

Beim Wurzelziehen wird es ab sechsstelligen Lösungen schwer, fünfstellige sind überhaupt kein Problem. Die Aufgabe von vorhin hatte nur vier Lösungsstellen und mit ein paar Rechentricks ist das total einfach.

Am Wochenende hast Du die Weltmeisterschaft der Acht- bis Zwölfjährigen im Kopfrechnen gewonnen. Du hattest zwei Stunden Zeit, um 43 Seiten Aufgaben zu rechnen. Wusstest du alles?

Nein, Schwierigkeiten hatte ich beim Multiplizieren von drei dreistelligen Zahlen, weil man das Zwischenergebnis nicht notieren durfte. Außerdem wäre ich besser als der Erwachsenen-Weltmeister, wenn ich alles richtig gehabt hätte.

Zum Weltmeistertitel hat es auf jeden Fall gereicht. Hast du vorher trainiert?

Ich habe ein paar Aufgabenblätter durchgearbeitet, die mir mein Opa geschickt hat. Aber richtig viel trainiert habe ich nicht. Ich mache regelmäßig bei Wettbewerben mit, zum Beispiel bei der Deutschen Meisterschaft im Kopfrechnen. Außerdem bin ich im Förderprogramm „Jugend trainiert Mathematik“, auch da gibt es verschiedene Wettbewerbe wie die Mathematik-Olympiade. Ich bin also immer ganz gut im Training.

So viel Mathe in der Freizeit, ist das nicht langweilig?

Überhaupt nicht. Ich überlege mir gerne Lösungswege für schwere Aufgaben. Es ist spannend, dass ganz unterschiedliche Wege zum Ergebnis führen.

Was sagen denn deine Mitschüler dazu, dass du so ein Mathe-Ass bist? Finden die das nicht verrückt?

Nein, die finden das gut. Als ich am Montag in die Schule gekommen bin, wussten schon alle Bescheid und haben mich beglückwünscht. Ich bin in einer Klasse, in der jeder irgendeine Begabung hat. Ich kann eben gut rechnen, das ist nichts Neues.

Und bei Mathe-Tests wollen sich alle neben dich setzen, um abzuschreiben?

Das nicht, aber wenn wir in Stillarbeit Aufgaben lösen müssen, fragt mich schon öfter mal einer nach dem Ergebnis. Einer ruft mich auch regelmäßig daheim an, wenn er die Hausaufgabe nicht kapiert, damit ich es ihm erkläre. Selbst erledige ich meine Mathe-Aufgaben meistens schnell im Zug.

Ist der Mathe-Unterricht nicht wahnsinnig langweilig, wenn man so gut ist?

Manchmal schon, viel Neues lerne ich normalerweise nicht. Ich melde mich einfach oft, um die Antworten zu sagen, damit es schneller voran geht und mir die Zeit nicht so lange vorkommt.

Bist du in allen Fächern so gut?

Nicht in allen. In Deutsch zum Beispiel nicht so, Aufsätze schreiben liegt mir nicht. Das können Mathematiker nicht.

Dann zum Abschluss noch einmal etwas, was dir liegt. An was für einem Wochentag wirst du 100 Jahre alt?

Am 13. November 2099, das ist ein Freitag.

Die Fragen stellte Andreas Nefzger.

Quelle: F.A.Z.
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