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Marek Lieberberg im Gespräch : „Komplette Sicherheit ist eine Fiktion“

„Niemand ist frei von Emotionen in so einer Lage“: Lieberberg äußerte nach der Unterbrechung von „Rock am Ring“ Zweifel an den Sicherheitsbehörden. Bild: dpa

Marek Lieberberg gilt als erfolgreichster Konzertveranstalter Europas. Im Interview spricht er über den Terroralarm bei „Rock am Ring“, seine ersten Open Airs und über die Veränderungen im Showgeschäft.

          Am vergangenen Wochenende ist Ihr Musik-Festival „Rock am Ring“ am Auftaktabend wegen Terrorgefahr abgebrochen worden. Wie haben Sie das erlebt?

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist im Prinzip der Super-GAU für einen Veranstalter, wenn das größte deutsche Festival unterbrochen wird. Und mein Eindruck war tatsächlich, dass von Seiten der Behörden eher an eine komplette Absage gedacht war, deren erste Stufe eine Räumung des Geländes sein sollte. Das ist die Situation, mit der ich mich konfrontiert gesehen habe.

          Hatten Sie denn Einfluss auf die Entscheidung?

          Ich habe zunächst vor allem versucht, die Räumung sehr geordnet durchführen zu lassen und alle Mitarbeiter vorab zu informieren. Das hat auch sehr gut geklappt – allerdings nur, weil sich das Publikum so rücksichtsvoll, tolerant und wirklich vorbildlich verhalten hat.

          Hat Sie das überrascht?

          Ich habe schon immer gesagt, dass sich unser Publikum vollkommen von der sogenannten Fan-Kultur beim Sport und insbesondere beim Fußball unterscheidet. Unsere Fans kommen zu den Konzerten, um Musik gemeinsam zu erleben und ihre Idole zu feiern, und nicht, um Auseinandersetzungen untereinander auszutragen.

          Das ist im Grunde immer der besondere Charakter der Rockmusik gewesen, seit den Sechzigern und Siebzigern, mit gewissen Dissonanzen, als manche 68er propagierten, Musik müsse frei sein, und einige Konzerte sogar gestürmt wurden. Aber im Grunde hat die Rockmusik immer friedliche und progressive Akzente zur gesellschaftlichen Entwicklung beigetragen.

          Aus Ihren Äußerungen direkt nach Abbruch war zumindest zwischen den Zeilen zu erkennen, dass Sie die Situation am Ring anders eingeschätzt haben als die Behörden.

          Die Lage ist mir nicht ganz überzeugend und transparent vermittelt worden. Ich habe nach den konkreten Verdachtsmomenten gefragt, denn man hatte die Verdächtigen ja inzwischen inhaftiert und befragt, ihre Wohnungen durchsucht und sicher auch ihre Handys und andere Unterlagen in Augenschein genommen. Ohne die Untersuchung zu gefährden, hätten sich die Behörden durchaus etwas konkreter zur Gefährdungslage äußern können. Das ist leider nicht geschehen, dennoch habe ich die Entscheidung ohne Wenn und Aber hundertprozentig implementiert. Ich habe die traurige Botschaft auf der Hauptbühne persönlich an das Publikum vermittelt und erlebt, wie beeindruckend ruhig und vollkommen friedlich die jungen Menschen abgezogen sind.

          Nach Ihrer Forderung, die Muslime in Deutschland sollten sich deutlicher von Islamismus und Terror distanzieren, hat es eine heftige Diskussion vor allem im Netz gegeben. Manche haben das sogar als „Ausraster“ bezeichnet.

          Es ist auch von einer „Wutrede“ gesprochen worden. Das ist natürlich Unsinn. Ich habe überhaupt keine Rede gehalten. Es waren eher laut gesprochene Gedanken. Ich glaube, niemand ist frei von Emotionen in einer so dramatischen Situation und Bedrohungslage. Wer das behauptet, kennt solche Situationen nicht. Gerade nach meiner Ansprache an das Publikum war ich betroffen und aufgewühlt. Dabei sind mir vor den Journalisten vielleicht die Gedanken ein bisschen davongelaufen, und ich habe spontane Überlegungen geäußert, die eher private, subjektive Ansichten widerspiegelten.

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