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Veröffentlicht: 25.04.2012, 16:43 Uhr

Königsbesuch Königin Beatrix in Schloss Oranienbaum

Die niederländische Königin Beatrix ist zu Besuch in Oranienbaum. Sie trifft sich mit Bundespräsident Gauck und besucht zum wiederholten Male das kleine Stück Holland im Herzen Sachsen-Anhalts.

von , Oranienbaum
© dapd Ankunft am Schloss: Königin Beatrix und Bundespräsident Gauck

Die niederländische Königin fühlt sich offenkundig wohl, scherzt mit Bundespräsident Joachim Gauck und schaut aufmerksam umher. Schloss Oranienbaum nahe Dessau kennt sie, die Monarchin war vor acht Jahren schon einmal hier. Diesmal kommt Königin Beatrix der Niederlande zur Eröffnung einer Ausstellung niederländischen Kunsthandwerks aus alter und neuer Zeit („Dutch Design - Huis van Oranje. Exzellentes Handwerk am Hofe“). Dies sei ein ungewöhnlicher Besuch, befindet Reinildis van Ditzhuyzen. Die Historikerin ist nicht nur für die Niederländer, was Knigge einst für Deutsche war, sondern auch kundig sowohl in Hof-Themen als auch im Verhältnis zum Nachbarn Deutschland. Königliche Besuche im Ausland seien entweder seltene Staatsbesuche wie vor einem Jahr in Deutschland oder hätten privat-familiären Charakter - dieser Besuch aber sei ein Zwischending.

So wird die Königin vom Bundespräsidenten und auch vom Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (CDU), empfangen, der darauf hinweist, dass seine Vorfahren vor 850 Jahren als Siedler aus den Niederlanden kamen - er sei also eigentlich ein Landeskind der Königin. Auf ihrem Weg zum Schloss Oranienbaum wird Beatrix von einer Schar Kinder umringt. Sie halten orangefarbene Luftballons, andere tragen traditionelle holländische Kleider oder gebastelte Krönchen mit Tulpe.

Kleines Stück Holland in Sachsen-Anhalt

Der Bürgermeister von Oranienbaum-Wörlitz mit seinen 3280 Einwohnern, dem „kleinen Stück Holland in Sachsen-Anhalt“, ein Politiker der Linkspartei, sieht die Königin am Mittwoch nach eigenem Bekunden schon zum dritten Mal. Als sie die Treppe vom Schloss zum Park herabkommt, steht auch der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Landtag in Magdeburg auf und applaudiert, vom Protokollchef des Auswärtigen Amtes dazu diskret aufgefordert wie auch die anderen Gäste, unter ihnen Minister, der Landtagspräsident und viele Niederländer. Beim Rundgang durch die 47 Räume des dreiflügeligen barocken Schlosses, wo Delfter Kacheln vorherrschen, kommen der Königin nicht nur die Leuchten, der Schmuck und die Mode von 160 niederländischen Designern der Jetztzeit vor Augen, sie trifft auch auf ihr bekannte Lieblingsstücke, Leihgaben aus dem königlichen Hausarchiv in Den Haag wie Meißner Geschirr, Diademe und eine königliche Wiege, die ihrer Mutter Juliana gehört hat.

Niederlaendische Koenigin Beatrix eroeffnet Ausstellung im Schloss Oranienbaum Ein kleines Stück Holland in Sachsen-Anhalt: Schloss Oranienbaum © dapd Bilderstrecke 

Im nächsten Jahr will das Königshaus seine Fächersammlung, die in ihrer Vielfalt wohl kostbarste dieser Art, in Oranienbaum ausstellen. Der Vorstand der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Thomas Weiss, bezeichnet die Restaurierung des Schlosses als das anspruchsvollste Projekt der Kulturstiftung in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Dass es der Königin am Herzen liegt, zeigte sie nicht nur durch ihren Besuch, sondern auch mit einer Geldspende.

Das ältere Recht

Dass der Bundespräsident am Nachmittag dann einige Minuten vor der Königin abfuhr, war nicht protokollwidrig: In Oranienbaum an der 2500 Kilometer langen Oranienroute hat sie historisch gleichsam das ältere Recht. Vor zehn Generationen ließ die selbstbewusste Henriette Catharina, als Prinzessin von Oranien-Nassau geboren, vom Jahr 1683 an das barocke Schloss als Sommer- und Witwensitz errichten. Schloss und auch Parkanlage wurden von Cornelis Ryckwaert im niederländischen Stil angelegt und errichtet. Heute ist das Schloss Teil des Weltkulturerbes „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“. Die Erbauerin hatte schon 1659 durch ihre Heirat mit Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau Wohlstand und kulturelle Belebung in das vom Dreißigjährigen Krieg verarmte Anhalt gebracht.

In diesem Jahr feiert Anhalt seine Gründung vor 800 Jahren. Erst vor wenigen Wochen sind nach einer Einigung mit den Eigentümern, dem Fürstenhaus Anhalt, elf Gemälde an das Land gegangen, als Leihgaben an die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Unter ihnen sind zwei Porträts Johann-Georgs und eines von dem einzigen Sohn des Paars, Leopold I. Schon zu Lebzeiten wurde er als „der Alte Dessauer“ zur Legende, diente als herausragender Militär der Barockzeit drei preußischen Königen als Generalfeldmarschall und machte die preußischen Armee schlagkräftig. Wie seine Mutter, die Oranierin, war er willensstark und ließ sich auch nicht davon abbringen, eine Dessauer Apothekerstochter zu heiraten. Einige der aus Russland zurückgebrachten Gemälde werden ihren Platz im Schloss Oranienbaum finden, einem der frühesten Beispiele des sich vom Festungscharakter lösenden Schlossbaus. Hier hatte die Fürstin mit dem Bau einer Glashütte, einer Leineweberei und eines Brauhauses ihre Zugewandtheit zum praktischen Leben gezeigt. Diese Weitsicht dürfte auch Königin Beatrix am Mittwoch gefallen haben.

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