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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Königin Fabiola zum Achtzigsten Eine spanische Doña für Belgiens Thron

 ·  Als gestreng, humorlos und bürgerfern sahen viele Untertanen die frühere belgische Königin Fabiola an. Zu Unrecht, doch erst seit dem Tod ihres Mannes, König Baudouin, hat sich auch das Bild in der Öffentlichkeit gewandelt.

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Die offizielle Feier samt Familienfoto hat schon in der vergangenen Woche auf dem Brüsseler Schloss Laeken stattgefunden. An diesem Mittwoch, ihrem 80. Geburtstag, wird Königin Fabiola, wie ohne weitere Angaben aus dem Königshaus verlautete, nicht in Belgien weilen. Wann immer die Witwe des 1993 verstorbenen Staatsoberhaupts König Baudouin dieser Tage in der Öffentlichkeit zu sehen ist, wirkt sie entspannt und gut gelaunt.

Zuletzt war dies der Fall beim jährlichen, nach Baudouins Großmutter Königin Elisabeth benannten und von Fabiola geradezu mütterlich betreuten Wettbewerb für Nachwuchsmusiker. Da zeigte sich die ebenso rüstige wie schmächtige Dame plaudernd mit den zwölf Finalisten des klassischen Gesangswettbewerbs.

„Echte“ und „ungefärbte“ Haarpracht

Ihr Markenzeichen, eine steil nach oben weisende und dann zurückwallende Frisur, ist mittlerweile fast halb so alt wie sie selbst. Am 7. Februar 1969, so haben findige Zeitgenossen unlängst herausgefunden, hat sie sich erstmals mit der damals nicht nur in Königshäusern beliebten Dauerwelle gezeigt. Ihr damaliger und auch heutige Friseur, Willy Massaer, versichert, die Haarpracht sei „echt und ungefärbt“.

Und einem Team des Fernsehsenders VTM, der am vergangenen Sonntag ein Porträt über Fabiola ausgestrahlt hat, verriet Massaer scherzhaft, die Frisur der Königin benötige täglich „keine Tonnen Lack“. Ernster gemeint war, was Massaer in der Sendung zur veränderten Ausstrahlung seiner berühmten Stammkundin sagte: „Sie ist viel lockerer geworden.“

Das deckt sich mit dem allgemeinen Eindruck einer Frau, die sich vom Klischeebild der gestrengen, humorlosen und bürgerfernen Monarchin gelöst hat. Wer sie lange kennt, beteuert, dass dieses Bild ohnehin mit der Realität wenig zu tun habe und Fabiola stets eine temperamentvolle, aber auch einfühlsame Gesprächspartnerin gewesen sei.

Tatsächlich kam die in Madrid geborene Spanierin Doña Fabiola de Mora y Aragon erstmals 1960 nach Belgien und präsentierte sich als weltoffene, mühelos in mehreren Sprachen parlierende junge Dame. Das zweijüngste von sieben Kindern aus einem adeligen – bis in das zwölfte Jahrhundert zurückreichenden – Haus hatte in Madrid, London und Lausanne studiert. Selbst in der niederländischen Sprache, die Angehörigen des traditionell das Französische bevorzugenden belgischen Königshauses auch heute einiges abverlangt, konnte sich Fabiola schon rasch mühelos ausdrücken.

Streng katholisch, konservativ, zurückhaltend

Mit der Hochzeit im Dezember 1960 war eine Zeitspanne von mehr als einem Vierteljahrhundert zu Ende gegangen, in der es in Belgien keine Königin gegeben hatte. Die beliebte Mutter Baudouins und seines Bruders, des heutigen Staatsoberhaupts Albert II., die aus Schweden stammende Königin Astrid, war 1935 bei einem Autounfall in der Schweiz ums Leben gekommen.

Dass sich Baudouin und Fabiola im französischen Wallfahrtsort Lourdes auf Vermittlung des späteren belgischen Kardinals Léon-Joseph Suenens erstmals getroffen haben, hat lange die Wahrnehmung des Königspaares geprägt: streng katholisch, konservativ, zurückhaltend. Dass die Ehe kinderlos geblieben ist, war nicht nur in Belgien ein Dauerthema. Vor wenigen Wochen hat Fabiola jedoch erstmals bestätigt, was bisher nur als Gerücht kursierte: Insgesamt fünf Mal sei sie schwanger gewesen – die Fehlgeburten seien aber, wie sie dem Fernsehteam des Senders VTM anvertraute, bei aller Trauer kein Grund zur Verbitterung gewesen. „Aus der Erfahrung lernt man etwas. Während meiner Schwangerschaften bekam ich jedes Mal Probleme“, sagte Fabiola. „Aber wissen Sie, letztlich finde ich, dass das Leben schön ist.“

Flotte Tanzschritte zur Musik einer belgischen Rockband

Seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 1993 hat sie ihr Engagement für sozial benachteiligte und kranke Menschen weiter verstärkt. Im September 1993 nahm sie unter anderem den Vorsitz der König-Baudouin-Stiftung an, die nach dem Willen des Königs 1976 anlässlich des 25. Jahrestages seiner Herrschaft gegründet worden war. Die Stiftung hat zum Ziel, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.

Fabiola hatte zunächst nach Abschluss ihrer Ausbildung als Krankenschwester in einem Madrider Krankenhaus gearbeitet. Im jüngsten Fernsehporträt sieht man alte Bilder von ihr, auf denen sie an Aids leidende Kinder liebevoll umarmt. Die Fotos stammen aus einer Zeit, als dies, wie es in dem Film heißt, noch allgemein vermieden wurde. In einer anderen Szene ist Fabiola zu beobachten, wie sie zur Musik einer belgischen Rockband ein paar flotte Tanzschritte aufs Parkett legt. Nebenbei verrät sie, dass ihr Mann Baudouin, den sie auch öffentlich zu duzen pflegte, nicht unbedingt ein begnadeter Tänzer gewesen sei. Dass ihre Ehe offenbar sehr glücklich gewesen ist, daran lassen andere Bilder aber keinen Zweifel: Sie zeigen das belgische Königspaar, eng aneinander geschmiegt, beim Spaziergang durch die königlichen Gewächshäuser.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in Brüssel.

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