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Kölner Stadtarchiv : Gottvertrauen

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Stephan Neuhoff (57), Kölner Feuerwehrchef Bild:

Als Chef der Kölner Feuerwehr sind Katastrophen und Krisenmanagement sein Alltag - doch der Einsatz in den Trümmern des Historischen Archivs sprengt auch für Stephan Neuhoff alle Dimensionen. In jeder Situation besonnen zu handeln, das hat der 57-Jährige als Vater von elf Kindern gelernt.

          Mit wenigen Kreidestrichen skizziert Stephan Neuhoff auf einer Tafel in einer Halle der Feuerwache 1 in Köln die Lage. Mit ruhiger Stimme erläutert er die eingeleiteten Maßnahmen. Die Zuhörer scheinen nicht so recht zu verstehen; er aber weiß, wovon er spricht. Gerade hat er in Absprache mit anderen Führungskräften der Feuerwehr und mit den beteiligten Unternehmen entschieden, tausend Tonnen Beton in die Baugrube der Kölner U-Bahn zu schütten, um das Bauwerk zu stabilisieren und weiteren Schaden zu vermeiden. Das war am Abend des Unglückstages.

          Auch zwei Tage nach dem Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs scheint ihm dies das größte Schadensereignis zu sein, das er in seinem bald dreißigjährigen Feuerwehrdienst erlebt hat. Ganz verschiedene Kräfte und Ziele wirken dabei miteinander und gegeneinander und müssen bedacht werden.

          Der Kölner Feuerwehrchef sieht seine Aufgabe darin, mitzuhelfen, schwierige, bedrohliche Lagen rasch zu klären und Hilfe zu organisieren. Als er zum Unglücksort kam und den Schutthaufen sah, konnte, wollte er nicht glauben, dass das das Kölner Stadtarchiv war. Er selbst war schon einige Male dort und hat im Lesesaal nach der Feuerwehrgeschichte geforscht. Nach erstem Augenschein hat er Rettungsmaßnahmen für 20 bis 70 Verletzte angeordnet. Dass dann nur eine Leichtverletzte versorgt werden musste, war nicht zu vermuten und grenzt auch an ein Wunder. Es schmerzt Neuhoff, dass er den zwei mutmaßlich Verschütteten bisher nicht helfen konnte. Es war nicht zu verantworten, Retter auf den Trümmerkegel zu schicken, erläutert er. Er hat schon einmal einen seiner Feuerwehrleute verloren.

          Krisenmanager Neuhoff zwischen Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (l.) und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers

          Kein Einzelkämpfer

          Neuhoff wird als ruhig und ausgeglichen beschrieben. So wirkt er auch jetzt. Ein Grund dafür ist gewiss seine Familie. Er hat elf Kinder, da ist zu Hause immer etwas los. „Wir haben das nicht geplant“, sagt er. „Das hat sich so ergeben.“ Ganz schnell und fast beiläufig kommt man im Gespräch auf das Gottvertrauen, das ihn trägt. „Ja“, sagt er ohne Bekennernachdruck, „ich glaube an Gott, der in der Geschichte wirkt, also auch durch mich.“ Da gilt für sein Privatleben, ebenso für seinen Beruf. Jeder Einsatz ist anders, birgt unterschiedliche Gefahren, verlangt neue Entscheidungen. „Man bekommt Respekt vor der Arbeit und wird bescheiden.“ Oft muss sich seine Entscheidung auf nur wenige Hinweise stützen.

          Am 1. April 1979 hat Neuhoff seine Grundausbildung bei der Duisburger Feuerwehr begonnen. Warum der Diplomingenieur mit Schwerpunkt Thermodynamik, der jetzt 57 Jahre alt ist, zur Feuerwehr gegangen ist? „Irgendwann im Studium war das klar“, erinnert er sich. Inzwischen zählt er zu den renommiertesten Brandbekämpfern in Deutschland. Er sieht sich nicht als Einzelkämpfer. In Köln hat er ein gutes Team in der Feuerwehrführung herangebildet. Als vor einigen Monaten die Chemiefabrik Ineos in Köln-Worringen brannte, hat Neuhoff den größten Feuerwehreinsatz in der Region geleitet und eine Katastrophe für Menschen und Umwelt verhindert. Das hat ihm Respekt und Anerkennung eingetragen.

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