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Köln Warum das Historische Archiv einstürzte

04.03.2009 ·  Der Rohbau des Gleiswechselbauwerks unterhalb der Severinstraße war weitgehend abgeschlossen. Nur kleinere Sicherungsarbeiten wurden vermutlich noch durchgeführt. Dabei muss eine nicht bekannte Wasserader getroffen worden sein. Die Häuser rutschten in entstandene Hohlräume.

Von Georg Küffner
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Nach dem Einsturz des Historischen Archivs und der beiden Nebengebäude wurden zur Sicherung der Baugrube davor die Hohlräume mit sogenanntem Transportbeton gefüllt. Nach dem Aushärten soll er verhindern, dass noch mehr Boden nachrutscht und weitere Gebäude instabil werden. Für diese Stabilisierungsarbeiten werden große Mengen an Beton benötigt, denn unmittelbar vor dem ehemaligen Archivgebäude verlaufen nicht, wie in anderen Abschnitten der U-Bahn-Strecke, zwei parallele Röhren.

Damit die Züge später einmal die Spur wechseln können, wurden an dieser Stelle die Tunnelröhren über eine Länge von mehreren Metern mit einem Kasten (Fachleute sprechen von Caisson) umhüllt. Anschließend wurden innerhalb des Caissons die schon im Jahr 2007 von Tunnelbohrmaschinen aufgefahrenen und aus Betonfertigteilen, sogenannten Tübbingen, zusammengesetzten U-Bahn-Röhren entfernt. Da auch das zwischen den Röhren und den Wänden des Caissons vorhandene Erdreich weggeschafft wurde, entstand so eine recht große Baugrube unterhalb der Straße, deren geborstene Decke auf den Bildern der Unglücksstelle zu erkennen ist.

Rohbau war weitgehend abgeschlossen

Der Rohbau dieses Gleiswechselbauwerks war weitgehend abgeschlossen. Von der Kölner Verkehrsbetrieben ist zu erfahren, dass in den zurückliegenden Tagen nur noch kleinere Arbeiten ausgeführt wurden. Dazu gehörten vermutlich auch Sicherungsarbeiten an einer der Schlitzwände, die den Rohbau in einzelnen Abschnitten gegen das seitlich anstehende Erdreich – und Grundwasser – schützten.

Diese aus gerammten Stahlplanken sich zusammensetzenden „provisorischen“ Wände sind nur schwer abzudichten. Durch die Längsnuten zwischen den Planken quillt immer wieder einmal Wasser, das man mit Injektionsbohrungen zu stoppen versucht: Durch die minimalen Zwischenräume der senkrecht stehenden Stahlbohlen werden dazu mehrere Meter lange Löcher – meist horizontal – in den Baugrund gebohrt und anschließend das Erdreich mit einem Spezialmörtel verpresst. Ziel dieser Maßnahmen ist es, eine wasserdichte Bodenschicht hinter der Spundwand herzustellen.

Wasserader getroffen

Diese Arbeiten sind im Tiefbau Routine. In Köln aber müssen die Injektionsbohrer eine größere, nicht bekannte Wasserader getroffen haben. Darauf trat Wasser in die Baugrube ein und riss immer mehr Erdreich mit. Hinter der Spundwand entstand so ein größerer Hohlraum, der die Fundamente der nur wenige Meter davon entfernt stehenden Gebäude an der Severinstraße sinken ließ. Senkungen von wenigen Millimetern reichen aus, um die Statik vieler Tonnen schwerer Bauten „nachhaltig“ zu stören: Die drei Häuser rutschten nach vorne in die entstanden Hohlräume im Boden und kippten dann in den davor liegenden Caisson.

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Jahrgang 1947, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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