24.10.2006 · Die wichtigsten Vorbilder sind für die meisten der sechs bis 14 Jahre alten Kinder die eigenen Eltern und Großeltern. Auch Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit ist bedeutsam. Umweltschutz spielt bei ihnen dagegen noch keine große Rolle.
Familie und Freundschaft sind für Kinder wichtiger als Geld und als gute Manieren. Das ist das Ergebnis des repräsentativen Kinder-Werte-Monitors, den das Kindermagazin Geolino in Zusammenarbeit mit Unicef, der Kinderhilfsorganisation der Vereinten Nationen, durchgeführt hat. Danach messen die Sechs- bis Vierzehnjährigen in Deutschland vor allem zwischenmenschlichen Werten wie Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit große Bedeutung bei. Durchsetzungsfähigkeit, Glaube und vor allem Ordnung sind ihnen dagegen meist egal.
Einblick in das Denken der Kinder geben nicht zuletzt die Antworten auf die Frage, was sie unter Mut und Toleranz verstehen. So nannte ein sechs Jahre alter Junge als Beispiel für Mut: „Wenn jemand geschlagen wird, laut sagen 'laß das sein!'“. Für einen Neunjährigen ist Mut: „Ein Mädchen zu küssen“. Und ein 13 Jahre altes Mädchen meint einfach: „Anders zu sein, als die anderen“. Nicht immer stimmen dabei allerdings die Definitionen mit den Vorstellungen Erwachsener überein. Ein sechs Jahre altes Mädchen definierte Toleranz mit den Worten: „Wenn meine Mutter schimpft, ich zuhöre anstatt weg zu gehen. Das ist tolerant.“
Eltern und Großeltern meist wichtigste Vorbilder
Etwas näher am „gängigen“ Empfinden liegt da schon das Beispiel eines sieben Jahre alten Mädchens: „Nicht sauer sein auf die Italiener, bloß weil sie Weltmeister sind“. Und reichlich Lebenserfahrung beweist ein elf Jahre alter Junge, der meint: „Meine Freundin ist peinlich. Sie hört Tokio Hotel. Sie ist aber dennoch meine Freundin. Das ist tolerant.“ Gerechtigkeitssinn und Hilfsbereitschaft verbinden sich der Studie zufolge bei den Kindern mit einer insgesamt pragmatischen Grundeinstellung. Leistungsbereitschaft habe eine viel höhere Bedeutung als noch in den 80er Jahren, heißt es in der Studie weiter.
Für die meisten Kinder sind Eltern und Großeltern die wichtigsten Vorbilder. Erst im Teenageralter gewinnen Freunde und Cliquen an Bedeutung. Die Medien und die Kirche spielen dagegen bei den Befragten bei der Wertevermittlung eine untergeordnete Rolle, ebenso wie Politiker. Die meisten Kinder sind der Umfrage zufolge gerne bereit, sich für andere Menschen oder eine „gute Sache“ einzusetzen - vor allem, wenn es darum geht, Freunden oder Tieren zu helfen oder sich im Verein zu engagieren. Umweltschutz spielt dagegen für die sechs bis 14 Jahre alten noch keine große Rolle.
Das Marktforschungsinstitut Synovate Kids+Teens hatte im Auftrag von GEOlino und in Zusammenarbeit mit Unicef im Juni und Juli 2006 insgesamt 908 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren aus ganz Deutschland in persönlichen Interviews zu ihren Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit befragt. Die Kinder waren repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Schulbildung, Bundesländern und Gemeindegrößen ausgewählt worden und stehen stellvertretend für rund 7,3 Millionen Kinder in dieser Altersgruppe.
Irgendwie zu nett, diese "Egebisse"
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 24.10.2006, 20:04 Uhr