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Kenneth Branagh im Gespräch : „Shakespeare steckt für immer in mir drin“

  • Aktualisiert am

Kenneth Branagh im Januar in Beverly Hills Bild: AP

Der britische Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh spricht im F.A.S.-Interview über den Preis früher Erfolge, den Stolz seiner Mutter und die Einsamkeit von Prinz Charles.

          Vielleicht ist es ein Fehler, mit 29 schon eine Autobiographie zu schreiben. Aber Kenneth Branagh ist ein Mann, der bereits mit jungen Jahren enormen Erfolg hatte, wenngleich alles, was er fortan tat, an dieser frühen Verheißung gemessen wurde. Mit 23 gehörte er zur berühmten Royal Shakespeare Company, sechs Jahre später machte er seinen ersten Kinofilm, die Shakespeare-Verfilmung „Henry V.“, für die er gleich zwei Oscar-Nominierungen einstrich, als Darsteller und Regisseur. Als beides ist er bis heute in Theater und Kino tätig; international bekannt wurde er vor allem mit Shakespeare-Adaptionen, aber auch mit Filmen wie „Die Zauberflöte“ und „Frankenstein“. In Deutschland kennt man ihn auch als Kommissar Wallander in der BBC-Version der Krimis.

          Einen echten Glamour-Faktor besaß Branagh in den Neunzigern, als er sechs Jahre lang mit seiner Kollegin Emma Thompson verheiratet war; die beiden waren das power couple der britischen Theater- und Kinoszene und „in der öffentlichen Aufmerksamkeit irgendwo zwischen Richard Burton/Elisabeth Taylor und den Beckhams angesiedelt“, wie eine britische Zeitung schrieb.

          Jetzt sitzt er aufgeräumt und aufmerksam hier, in einer Suite eines Londoner Nobelhotels, und trinkt Kaffee. Vor ihm ein Teller mit Früchten, den er aber in Ruhe lässt. Er promotet den Film „Jack Ryan – Shadow Recruit“, für den er Regie geführt hat und in dem er einen russischen Schurken spielt; es ist ein Thriller – womit Branagh ein weiteres Häkchen auf seiner To-do-Liste machen kann.

          Mr. Branagh, Sie gelten als einer von den Schauspielern, die – von Shakespeare gestählt – etwas besonders Britisches verkörpern; dabei sind Sie in Belfast geboren. Wo haben Sie gelernt, wie ein BBC-Nachrichtensprecher zu klingen?

          (lacht) Als ich ein Junge war, zogen wir von Belfast nach Reading. Das ist eigentlich ein Vorort von London und bekannt für mehrere Dinge, darunter das Gefängnis, in dem Oscar Wilde zwei Jahre lang eingesperrt war. Von ihm stammt der Spruch: Die beste Art, Reading zu sehen, ist, mit dem Zug durchzufahren. In den ersten Tagen in der Schule dort verstand man mich kaum mit dem Akzent, den ich aus Irland mitgebracht hatte, also versuchte ich mir die neutralere Aussprache anzugewöhnen, die man in Reading hatte.

          Wollten Sie vermeiden, wegen Ihrer Aussprache schikaniert zu werden?

          Ich denke schon. Ich denke, damals fing es an, dass ich eine Art Chamäleon war und Masken benutzte. Als Kind gefiel mir das Spielen besonders, wenn man in eine Rolle schlüpfen konnte.

          Sie stammen aus der Arbeiterklasse, Ihr Vater war Tischler, der zur Arbeit oft längere Zeit in England war, Ihre Mutter kümmerte sich als Hausfrau um drei Kinder. War die Vorstellung, einer ihrer Söhne werde Schauspieler, für Ihre Eltern sehr fremd?

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