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Katja Kraus im Gespräch : Macht-Los

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Die ehemalige Fußballmanagerin Katja Kraus hat ein Buch über Erfolg, Macht und Privilegien geschrieben. Bild: Pilar, Daniel

Als erste Frau saß sie in der Chefetage eines deutschen Profi-Fußballclubs. Für ein Buch hat Katja Kraus Mächtige und Entmachtete getroffen. Ein Gespräch über den Rausch und die Last der Macht - und über das Leben, wenn man sie verloren hat.

          Frau Kraus, Sie haben ein Buch über Macht und über 17 ehemals Mächtige in Politik, Wirtschaft, Sport und Kunst geschrieben. Aber niemand dieser Mächtigen sagt in Ihrem Buch, dass er tatsächlich Macht hatte - kein SPD-Chef, kein Ministerpräsident, kein Bahnchef, kein „Bild“- oder „Spiegel“-Chefredakteur. Hat Sie das nicht überrascht?

          Nein, das kann ich gut verstehen. Macht ist ein abstrakter Begriff, etwas, was sich nicht im Inneren anfühlt. Man sitzt nicht abends zu Hause und denkt: „Heute war ich mächtig.“ Macht wird vor allem von außen zugeschrieben. Hinzu kommt, dass der Machtbegriff mittlerweile so negativ behaftet ist, häufig mit Machtmissbrauch assoziiert wird. Ein vergifteter Orden, den man sich nicht anhängen möchte. Aspekte der Macht jedoch - Entscheidungskompetenz und Gestaltungsspielraum - wollten alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, gerne besitzen.

          Sie selbst waren acht Jahre beim Hamburger SV die einzige Frau im Vorstand eines Bundesligaklubs. Haben Sie dort Macht gespürt?

          Ich hatte eine Funktion, die mir ermöglichte, Richtungen vorzugeben und Entscheidungen zu treffen - und das auch von mir forderte. Die Macht gehört der Rolle, nicht der Person. Im besten Falle gibt es ein Bewusstsein dafür. Sichtbar wird Macht vor allem in der Begegnung mit Menschen, in deren Verhalten. Auch in der Überhöhung der Funktion.

          Besonders in der Rolle als einzige Frau?

          Die Exponiertheit war mir immer bewusst, aber auch die Chance, dadurch genauer gehört und wahrgenommen zu werden. Die Ausschläge sind in jedem Fall extremer. Zu Beginn meiner Karriere gab es erhebliche Widerstände, auch verletzende Abwehrreaktionen. Die Jungs haben ihren Spielplatz verteidigt. Das hat sich schnell verändert. Als Vorstand habe ich dann keine offenen Ressentiments mehr erlebt. Eine einflussreiche Position hat auch eine Schutzfunktion.

          Welche Gemeinsamkeiten im Umgang mit Macht haben Sie bei Politikern wie Roland Koch, Björn Engholm, Andrea Ypsilanti oder auch Gesine Schwan oder Wolfgang Berghofer entdeckt?

          Im Unterschied zu Sportlern, die erst einmal ihrem Talent und ihrer Leidenschaft folgen, haben Politiker oftmals schon relativ früh einen klaren Karriereweg vor Augen. Roland Koch und Ole von Beust etwa wurden von klein auf von ihrem Elternhaus politisch sozialisiert und entwickelten sich dann innerhalb ihrer Parteistrukturen weiter. Klar ist aber auch, dass der Gestaltungsdrang oder der tatsächlich vorhandene Wille, die Welt zu verbessern, irgendwann einhergeht mit Machtanspruch oder später dann Machterhaltungsstrategien. Und damit auch einhergehen muss, wenn er nicht verträumte Ideologie bleiben soll. Dieses Verhalten ist zu Unrecht extrem negativ besetzt.

          Woran unterscheiden Sie den klassischen Machtmenschen von einem Menschen mit Macht?

          Es gibt natürlich Funktionsträger, die Macht in ihrem persönlichen Interesse ausnutzen. Aber wenn wir über diejenigen reden, die Macht missbräuchlich einsetzen, dann finden wir dafür nicht nur Beispiele unter Bankvorständen und Politikern, sondern in allen Bereichen. Die Etikettierung ganzer Berufsgruppen als verkommene Machtmenschen finde ich menschenverachtend. Wir brauchen diejenigen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Umso mehr, da die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen und damit messbar zu sein, massiv abnimmt.

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