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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Katja Flint über „Herzentöter“ Einiges schien mir wirr zu sein

16.07.2007 ·  In seinem Spielfilmdebüt gibt sie eine etwas derangierte Leinwand-Diva. „Kinderleicht“ nennt Bernd Heiber die Zusammenarbeit mit Katja Flint. Wir haben die Schauspielerin nach Dreharbeiten und Diskussionen gefragt.

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Im Kino sah man die Schauspielerin Katja Flint zuletzt 2005 in „Die weiße Massai“, dem Fernsehen hat sie jüngst als Lady Milford in Leander Haußmanns Schiller-Adaption „Kabale und Liebe“ (2005) und als Hauptfigur in „Franziskas Gespür für Männer“ zwei Paraderollen geboten. Jetzt spielt sie in „Herzentöter“, dem Spielfilmdebüt von Bernd Heiber, die große, allerdings etwas derangierte Leinwand-Diva Mikitsch, die sich mit dem kleinen Autodieb Kobja (Xaver Hutter) einlässt. Das Erste zeigt den Film an diesem Montag um 22.45 Uhr. Heiber, 1964 in Cottbus geboren und Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, nannte die Zusammenarbeit mit Frau Flint „kinderleicht“. Und wie war die ihre mit ihm?

Frau Flint, Sie müssen uns bitte auf die Sprünge helfen. Bernd Heibers Film „Herzentöter“, in dem Sie eine der Hauptrollen spielen, wird als „neoexistentialistischer Mystery-Pop“ vermarktet, und das auch noch „im Spreewald“. Was kommt da auf uns zu?

Aha, interessant, das wusste ich nicht, klingt jedenfalls aufregend, so David-Lynch-mäßig, und ein bisschen was ist da wohl auch dran, aber wenn Sie mich fragen . . .

. . . das machen wir ja gerade . . .

. . ., ist das einfach ein wunderschöner Film geworden. Einer von den seltenen Filmen, die einen anregen können, über das eigene Leben nachzudenken. Und insofern vielleicht wirklich existentialistisch. Nur lässt er sich schwer in eines der üblichen Genres pressen. In den Fernsehzeitschriften steht, der Film sei ein „Roadmovie“. Das ist völlig falsch. Zwar beginnt „Herzentöter“ damit, dass eine berauschte Schauspielerin in den Wagen eines Autodiebes klettert. Aber kaum sind die beiden fünf Minuten unterwegs, bleiben sie auch schon im Spreewald stecken, und die Sumpfgeister sorgen dafür, dass sie für den Rest des Filmes auch nicht wieder „to the road“ kommen.

Wie hat es der Regisseur geschafft, Sie für einen Debütfilm zu engagieren? Bernd Heiber drehte vorher doch bloß Kurzfilme wie die „Erotic Tales“.

Indem er das Drehbuch für ein philosophisches Märchen über drei Figuren und eine Landschaft schrieb.

Ist es nicht eher umgekehrt: Der schöne und vernebelte Spreewald spielt die wichtigere Rolle als die urbane Möchtegern-Boheme, die in ihn mitsamt ihrer stereotypen Romantik hineinstolpert - und zugleich eine der Zielgruppen des Filmes ist.

Ich lernte den Spreewald schon vorher über das Osterreiten und Wandern kennen. Damals erfuhr ich auch von der sorbischen Enklave, der die Region ihre Legenden zu verdanken hat: die Sage von den Irrwischen zum Beispiel, von den Bludniks, aus der „Herzentöter“ ja die zuweilen dunkle Atmosphäre zieht. Die Region ist spannend, eine wunderschöne Urlaubslandschaft direkt vor Berlin.

Überhaupt hat man als Zuschauer des Films den Eindruck, in einem gewaltigen Werbefilm für die Region gelandet zu sein. Die Hauptdarsteller fahren Kahn. Sie reiten. Sie radeln. Sie liegen in den Feldern und fliegen über sie hinweg. Bilderbuch-Osten.

Auch auf die Gefahr hin, dass das kitschig klingt: Ich kann die Gegend den Berlinern nur empfehlen. Die freien Tage zwischen den Dreharbeiten waren himmlisch. Und das liegt nicht nur daran, dass ich - vermutlich als Gegenleistung dafür, dass ich auf eine hohe Gage verzichtet habe - in einem edlen Kurhotel untergebracht war. Im Film träumt der Autodieb davon, nach Neuseeland auszuwandern. Doch dann gibt es diesen Satz: „Ach, was brauchen wir Neuseeland?“

Das wird diejenigen freuen, von denen der Film Zuschüsse erhalten hat.

Freuen kann man sich vor allem über die ambitionierte und mutige Geschichte. Man merkt, dass „Herzentöter“ zunächst als Kinofilm geplant war.

Woran scheiterte das?

Eine solche Geschichte erreicht kein großes Publikum. An kleine, sperrige Filme wagt sich selten ein Verleih heran, da es leider kaum noch Autorenkinos gibt, die sich auf fünfzig oder hundert Zuschauer einrichten können. Und wo es sie gibt, kämpfen sie ums Überleben, obwohl es viele tolle Produktionen aus aller Welt gibt, die Aufmerksamkeit verdient hätten. Den kleinen Kinos fehlt das Publikum - auch weil sich die Leute dank der DVDs das Kino ja ins Wohnzimmer holen können.

In einer Szene von Heibers Film ist ein Theaterplakat für eine Aufführung von Heiner Müllers Stück „Hamlet Maschine“ zu sehen. Die Schauspielerin, die von Ihnen gespielt wird, wird am Ende des Films in der Provinz die Ophelia geben. Es liegt nahe, dies entweder als versteckten Hinweis gegen den „täglichen Ekel“ Fernsehen oder auf die ostdeutsche Provinz zu deuten. Die „Bludniks“ müssen nicht unbedingt ostdeutsche Neonazis sein. Aber ist die „Hamlet Maschine“ vielleicht ein Verweis auf den implodierten Kommunismus?

Schwer zu sagen. Reiner Zufall wird das schon nicht gewesen sein. Um ehrlich zu sein: Weder das Team noch die Redaktion haben alles von dem verstanden, was Bernd Heiber in diesen Film gepackt hat. Nur einige seiner Pläne konnten wir ihm ausreden. Ich selbst saß lange mit ihm vor den Dreharbeiten auf meinem Balkon. Wir diskutierten stundenlang, weil ich einige Dinge überhaupt nicht verstand. Einiges davon schien mir reichlich wirr zu sein.

Überraschte Sie das? Heiber bekam die Idee zum Film bei einer Flasche Rotwein.

Ich gehe bei einer Drehbuchbesprechung vom Blickwinkel des durchschnittlich intelligenten Zuschauers aus. Heiber ist ein Intellektueller mit großartigen, aber manchmal schwer nachvollziehbaren Ideen. Er war nach unserem Gespräch immerhin bereit, einige Änderungen vorzunehmen.

Wie ist das eigentlich: eine doch etwas naive Schauspielerin zu spielen?

Wunderbar. Ich mochte die Figur: ein Mensch am Abgrund, der ganz langsam aus der Krise zurück ins Leben findet. Ich mochte auch den skurrilen Humor.

Humor und Idee des Filmes erinnern an Detlev Bucks Film „Karniggels“ aus dem Jahr 1991, der damals gerade das norddeutsche Provinzleben karikierte. Glauben Sie, der Spreewald wird sich hier wiederfinden?

Weiß ich nicht. Darum ging es ja nicht. Ich erlebte dort jedenfalls keine Hinterwäldler, wie sie im Film auftauchen. Die Leute vor Ort waren zauberhaft, und die Neonazis, die es im Osten leider gibt, haben uns nicht belästigt.

Die Fragen stellte Matthias Hannemann.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2007, Nr. 162 / Seite 38
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