Ganz wohl schien es Tom Cruise während des ersten Besuchs bei seiner Tochter Suri in New York nicht zu sein. Als der Hollywood-Star die Sechsjährige am Dienstag (Ortszeit) vorbei an Dutzenden Paparazzi in das Hotel The Greenwich in Tribeca trug, versteckte er die Augen hinter einer Sonnenbrille und schenkte nicht einmal den versammelten Fans ein Lächeln. Während Katie Holmes seit dem Scheidungsantrag vor drei Wochen ein ungeahntes Talent zur Selbstinszenierung beweist, steht Cruise offenbar weiter unter Schock.
„Er ist traurig, aber nicht verbittert“, teilte ein Sprecher ohne die üblichen Beschönigungsformeln mit. Das Abholen seiner Tochter in Holmes’ eilig gemieteter New Yorker Wohnung soll nur einige Minuten gedauert haben. Wie amerikanische Medien melden, hat „Katie“ sich zudem eine Begegnung mit dem Fünfzigjährigen erspart, obwohl das lange als „TomKat“ gefeierte Paar schon einvernehmlich einen Scheidungsvertrag ausgehandelt hat.
Holmes’ wohlorchestrierte Metamorphose vom rehäugigen Landei aus Ohio zu Amerikas selbstbewusstester Alleinerziehender lässt derweil selbst bei Cruise-Kritikern Mitleid aufkeimen. Anstelle einer vorübergehenden Kamera-Abstinenz, die sich selbst eine Kim Kardashian nach der Trennung von dem Basketball-Spieler Kris Humphries auferlegte, zelebriert Holmes die neugewonnene Unabhängigkeit bis zur Schmerzgrenze.
Wie zufällig lässt sich die „Dawson’s Creek“-Darstellerin bei Einkaufen im Öko-Supermarkt ablichten, strahlt mit Tochter Suri beim Eisessen um die Wette und wird lächelnd von den Fotografen bei Besuchen des New Yorker Kindermuseums oder in den Central Park Zoo begleitet. „Die Leute sehen sie als Frau, die jetzt Oberwasser hat. Egal was zwischen Tom Cruise und ihr vorgefallen ist - sie hat es ohne Blessuren überstanden“, sagt die amerikanische PR-Beraterin Liz Rosenberg.
Schon bevor Holmes am 29. Juni überraschend die Scheidung einreichte, machte sie vielsagende Andeutungen. „Ich fühle mich heute viel wohler in meiner Haut. Es ist wie eine neue Phase“, beschrieb die Dreiunddreißigjährige ihr Lebensgefühl Mitte Mai in einem Interview mit der amerikanischen „Elle“. Für das Titelblatt der August-Ausgabe ließ sich die Schauspielerin entsprechend selbstbewusst fotografieren. Die mädchenhafte Bluse vertauschte sie auf dem Cover gegen eine tiefausgeschnittene Weste, den Bambi-Blick gegen den Augenaufschlag eines Vamps. Auch auf den Seiten des Magazins präsentierte sich Holmes ganz anders als an Cruises Seite. Anstelle altbackener Cocktailkleider trug sie schwindelerregende Manolo Blahniks und ein trägerloses Ledertop über enganliegenden Hosen aus der eigenen Kollektion Holmes & Yang.
Wie die geschäftstüchtige Schauspielerin jetzt bei Erscheinen der „Elle“ ankündigte, stellt sie die Kreationen des vor drei Jahren mit ihrer Stylistin Jeanne Yang gegründeten Labels auch bei der New York Fashion Week im September vor. Die amerikanische Bloggerin Suzi Parker, die Holmes nach der Hochzeit mit Cruise im November 2006 wiederholt mit zur Dekoration ihrer Ehemänner degradierten Politikerfrauen verglich, wird wohl spätestens am Catwalk umdenken müssen.
Auch in Glaubensfragen hat sich Holmes schon umorientiert. Nach dem Bruch mit Scientology soll sich die Schauspielerin inzwischen wieder der katholischen Kirche zugewendet haben. „Wir freuen uns sehr, dass Katie jetzt bei uns ist“, sagte ein Mitglied der New Yorker Gemeinde St. Francis Xavier vor einigen Tagen. Die sechsjährige Suri, die Holmes mit der Scheidung angeblich vor der Indoktrination der Scientology-Sekte schützen wollte, wird nach den Sommerferien die katholische Mädchenschule Convent of the Sacred Heart in Manhattan besuchen, an der neben den Töchtern der Kennedys, Hiltons und Vanderbilts auch Lady Gaga unterrichtet wurde.
Wie Holmes mit Cruise, einem der prominentesten Scientologen, vereinbart haben soll, trägt sie als allein Sorgeberechtigte künftig die Verantwortung für Suris Ausbildung. Der Einfluss des Golden-Globe-Preisträgers, der seine Adoptivkinder Isabella und Connor aus der Ehe mit Nicole Kidman von Scientologen unterrichten ließ, bleibt dagegen auf die Rolle eines unterhaltspflichtigen Besuchspapas beschränkt. Nach dem in der Vergangenheit nur von Gymnastikstunden unterbrochenen Heimunterricht erwartet die Sechsjährige bei der Einschulung Anfang September dennoch eine Fortsetzung des Medienspektakels der vergangenen Wochen. Das lässt zumindest Holmes’ Erziehungskonzept ahnen, das Suri mit tränenüberströmten Wangen und bei kindlichen Trotzanfällen während des Rosenkriegs ihrer Eltern zu einem Liebling der Paparazzi gemacht hat.
Ich sehe auf Foto #2
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