http://www.faz.net/-gum-9ani0

Geretteter Junge in Paris : Schon eine Etage gefallen, bevor „Spiderman“ kam

„Spiderman“: Mamoudou Gassama mit Aufenthaltserlaubnis Bild: AFP

Der als „Spiderman“ gefeierte Retter eines vier Jahre alten Kindes ist jetzt legal in Paris. Über seine spektakuläre Aktion werden immer neue Einzelheiten bekannt – und darüber, was der Vater des Kindes machte.

          Mamoudou Gassama hält sich seit Dienstag mit gültigen Aufenthaltspapieren in Frankreich auf. Dem Retter eines vier Jahre alten Kindes, der in Frankreich als Held gefeiert wird, ist in der Präfektur in Bobigny bei Paris eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung ausgehändigt worden, so wie Präsident Emmanuel Macron es dem Malier am Vortag versprochen hatte. „Danke, Frankreich“, sagte Gassama im Anschluss an den Behördengang.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Dienstag wurden immer neue Einzelheiten zu der spektakulären Rettungsaktion vom Samstagabend in Paris bekannt. Aus Polizeikreisen hieß es, der vier Jahre alte Junge wohne in der fünften Etage und sei bereits eine Etage in die Tiefe gestürzt, wo er sich an die Balkonbrüstung klammern konnte, bevor Gassama ihn rettete. Der Zweiundzwanzigjährige war innerhalb von 30 Sekunden die vier Etagen des Sozialwohnbaus hochgeklettert. Ein Nachbar namens Florian aus der vierten Etage trug dabei maßgeblich zur Rettung bei. Er hielt den Unterarm des kleinen Jungen über die Balkonbrüstung hinweg fest, bis Gassama ihn erreichte. Aufgrund einer gläsernen Absperrung zwischen den beiden Balkons war es ihm nach eigenen Worten nicht möglich, den Jungen selbst nach oben zu ziehen. Augenzeugen bestätigten diese Angaben.

          Die Mutter des geretteten Kindes bedankte sich bei Gassama: „Wir können ihm nur unseren Dank aussprechen. Zum Glück hat er so schnell reagiert“, sagte sie dem Radiosender „Antenne Réunion“. Die Frau hielt sich während der Rettungsaktion auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean auf, die zu Frankreich gehört. Die Polizei habe sie telefonisch über den Vorfall in Kenntnis gesetzt, sagte sie. „Dann habe ich das Video im Internet gesehen. Aber ich hätte es mir nicht anschauen sollen“, äußerte sie mit tränenerstickter Stimme.

          Der Junge war in der Obhut des Vaters. Dieser hatte seinen Sohn allein gelassen, um einkaufen zu gehen, wie der Pariser Staatsanwalt François Molins mitteilte. Der Vater habe dann noch im Freien das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ gespielt, dadurch habe sich seine Rückkehr verzögert. Er stehe jetzt „unter Schock“, so Molins. Der Vater wurde in Polizeigewahrsam verhört, konnte aber am Montagabend nach Hause zurückkehren.

          Die Mutter sagte, sie wolle ihren Sohn und ihren Mann nun möglichst schnell wiedersehen. Die Familie will sich mit dem Retter treffen, um ihm zu danken. Gassama unterschrieb am Dienstag einen Zehn-Monats-Vertrag bei der Pariser Feuerwehr. Er hatte nach Aussagen seines Bruders zuvor als Schwarzarbeiter auf Baustellen gearbeitet. Über Niger und Libyen war er aus Mali ausgewandert und hatte eine gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer überlebt.

          Weitere Themen

          Tuchels Reifeprüfung

          Paris in der Champions League : Tuchels Reifeprüfung

          Für Thomas Tuchel steht das erste Spiel auf der großen Champions-League-Bühne an. Im Duell mit dem FC Liverpool und seinem zweifachen Vorgänger Jürgen Klopp muss der Trainer zeigen, dass seine Pläne mit PSG die richtigen sind.

          Bitte etwas Mut applizieren

          Londoner Modewoche : Bitte etwas Mut applizieren

          Ein Designer-Debüt bei Burberry, zwei Jubiläen, eine Aktivistin auf dem Laufsteg: Selten war auf der Londoner Modewoche so viel los wie in dieser Saison. Das erinnert daran, dass Mut ein guter Ratgeber ist.

          Topmeldungen

          Mangelberufe : Stellen: viele, Bewerber: null

          Stolze 61 Tätigkeiten umfasst die Mangelberufe-Liste der Arbeitsagentur. Warum bloß sind sie so unbeliebt? Eine Spurensuche anhand dreier Beispiele.
          Über Lautsprecher wurden die Besucher des Oktoberfestes über die Unwetterwarnung für München informiert.

          Sturmtief über Deutschland : „Fabienne“ fegt die Wiesn leer

          Nicht nur Zugreisende sind vom Sturm über dem Süden und Südwesten Deutschlands betroffen – auch auf dem Oktoberfest macht sich „Fabienne“ bemerkbar. Bei Aschaffenburg wird ein Sportflugzeug umgeweht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.