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Junge Mütter „Ich will, dass er uns was bietet“

29.06.2007 ·  Jennifer ist mit 16 schwanger geworden, ihr Freund Daniel war damals 17. Inzwischen ist ihr gemeinsamer Sohn David vier Jahre alt. Wie meistern die beiden den Alltag? Ein FAZ.NET-Spezial über die zurückliegenden vier Jahre ihres Lebens.

Von Jennifer Merschieve
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Jennifer Merschieve: „Ich muss viel lernen im Moment, in vier Wochen habe ich Zwischenprüfung. Da kann man zwar nicht durchfallen, aber es kommt ja auch blöd, wenn ich mit ’ner Vier oder Fünf ankomme. Das würde den Chef wohl nicht erfreuen. Er hat zwar gesagt, die Note ist nebensächlich, aber wenn ich da nicht übernommen werde, ist das natürlich doch das erste, worauf geguckt wird, wenn ich mich woanders bewerbe. Ist vielleicht ein bisschen viel, sich darüber jetzt schon zu sorgen, aber man will ja auch weiterkommen.

Ich will unbedingt weiter arbeiten nach der Prüfung, dass man sich dann auch mal was leisten kann, aber so richtig! Ein eigenes Auto, die Wohnung renovieren, neue Möbel kaufen – was man sich halt so wünscht. Aber andererseits: David kommt ja auch irgendwann in die Schule, und ich fände es total schön, wenn ich da sein könnte, wenn er aus der Schule kommt. Das bin ich ihm schuldig, er musste schon so früh zur Tagesmutter ... Es wär’ halt auch schön, wenn Daniel so viel verdienen würde, dass ich mal aussetzen könnte. Damit David nicht immer auf mich verzichten muss. Also, ich erwarte schon, dass Daniel uns irgendwann auch mal was bieten kann.

Am Ende des Monats stehe ich bei plus minus Null

Im Moment nimmt er sein Geld zum Rausgehen, oder er trägt es ins Fitnessstudio. Ich bezahle von meinem die Miete, die Lebensversicherung, die Telefonrechnung, die Ausbildungsversicherung für David, den Bausparvertrag, Heizung und Strom, Rundfunk- und Fernsehgebühren, Kabelanschluss, Sprit und die Hälfte der Versicherung für das Auto, das ich mir mit meiner Mutter teile. David hat auch seine Wünsche, und ich will mir auch mal was holen, und am Ende des Monats stehe ich bei plus minus Null.

Wenn wir uns streiten, dann fast immer um Geld. Den letzten großen Streit hatten wir am Dienstag, da hat er bei mir übernachtet und sich dann morgens krank gemeldet, und das hat mich genervt. Er hat zwar gebrochen, aber ich hab’ ihm das nicht so geglaubt. Also hab’ ich ihn da liegen lassen und bin ins Solarium. David war bei meinem Vater. Abends kam ich nach Hause, und er fragte, ob ich seine Medikamente mitgebracht hätte. Ich sag’, da musst du mir schon Geld geben. Fragt er, warum ich weggegangen sei, und ich sag’, wenn ich hier sitze und dich angucke wirst du auch nicht gesünder. Das macht er mit mir auch so, wenn ich krank bin, da hab’ ich ihm das mal zurückgegeben. Dann hab’ ich ihm Suppe gemacht, und es war wieder gut.

„Äh, äh, biste wieder am Weinen?“

Immerhin, mit David versteht er sich mittlerweile gut. David weiß schon, wie er uns gegeneinander ausspielen kann. Wenn ich Nein sage, rennt er zu Papa, und der sagt Ja. Das ist für Daniel dann toll, dann hat er die ganze Aufmerksamkeit von David, deswegen macht er das. Dann ist er der Bessere. Obwohl das ja eigentlich verkehrt ist. Was mich ärgert, ist, dass Daniel jetzt schon will, dass David sich wie ein Mann verhält. Aber David ist total empfindlich, er heult halt viel, wenn er aus der Kita kommt, ist er so müde, dass er wegen allem anfängt zu heulen. Daniel sagt dann zu ihm, er sei eine Memme. Das gefällt mir nicht, David ist ein Kind, kein Mann. Oder Daniel ärgert ihn, wenn er weint: „Äh, äh, biste wieder am Weinen?“ Dann rastet David total aus.

Aber vielleicht übertreibe ich auch. Mütter und Söhne, das ist sowieso was Besonderes, und dann noch der Erste, das lässt man ja nichts drauf kommen. David ist super intelligent und schön vorlaut, er ist mein Wunderkind. Das hab’ ich mir immer so gewünscht, meine Mutter sagt, ich war genau so. Er ist auch ein kleiner Erbsenzähler, super schlau, er ist hier auf der Couch rumgesprungen, und ich hab’ gesagt, nicht springen, da sagt er: Ich springe nicht, ich hüpfe! In der Kita läuft es auch super gut, wenn ich komme, sagt er immer, warum kommst du so früh. Dabei lasse ich ihn jeden Tag von 7.15 Uhr oder 8.15 Uhr bis 16 Uhr dort – er ist vier Jahre alt, und die schlafen da mittags auch eine Stunde. Das ist das einzige, was ihn stört, er sagt, ich will mich nicht ausruhen. Ich habe ihm aber gesagt, das sind die Regeln, da muss man sich dran halten, das ist nun mal so. Er hilft mir auch beim Abtrocknen und Saugen. Das ist so schön, dass ich ihn noch so leiten kann. Ich sag’ ihm immer, du wirst mal ein Frauenheld, solche Männer mögen die Frauen, die mithelfen. Er sagt dann: „Ich bin ein toller Junge, ne, Mama?“

Ich hab' auch was gelernt

Daniel hilft mir auch, wenn ich ihn treibe. Dann saugt er und trocknet ab. Ich bin zufrieden, seit letztem Jahr ist er ein bisschen ernsthafter geworden. Früher war das bei uns immer so ein Kampf, einer gegen den anderen, wer gewinnt. Jetzt nimmt er mich ernster, sieht mehr, was ich leiste: Wenn er um vier von der Arbeit kommt, legt er sich auf die Couch – bei mir ist der Tag nicht zu Ende, bis David im Bett ist. Ich hab’ auch was gelernt, ich bin vorsichtiger, rede nicht mehr, bevor ich denke, und wenn ich ihn doch verletzt habe, entschuldige ich mich.

Meine Mutter sieht auch, dass es läuft, er geht arbeiten, wir kommen gut miteinander aus. Sie freut sich und denkt, wir sind an einem Punkt, wo wir es schaffen können. Aber man ist ja immer so ein bisschen vorsichtig. Ich will halt nicht wieder enttäuscht werden. Ich guck’ schon mal in seinen Jackentaschen nach Nummern, er hat ja kein Handy mehr, weil es nur Streit gab, wenn er es zu Hause ausmachte. Er sagte, er will seine Ruhe, ich dachte, da sind geheime Nummern drin. Betrügen, das ist für mich das Allerallerschlimmste, ich find das so schrecklich! Er braucht so viel Bestätigung. Ich baue ihn aber auf, so langsam fruchtet das vielleicht. Man lernt ja voneinander in einer Partnerschaft. Oder besser gesagt, er lernt von mir. Ich habe aber auch von ihm gelernt, und zwar, mich vor Männern in Acht zu nehmen. Ich bin halt die Dominantere, aber ich kann nicht ohne ihn. Wir haben eine Paartherapie bei der Caritas angefangen, weil für mich immer das mit der anderen Frau so hochkam. Aber er hatte nach dem ersten Mal keine Lust mehr, ihm war das zu viel. Einmal war ich dann noch alleine da. Aber jetzt geh’ ich nicht mehr hin. Sie hat gefragt, was wünscht du dir für dein Leben? Meinst du, dass er der Richtige für dich ist? Danach war das Verdrängte wie ’ne Wunde, die wieder aufreißt.

Meine Jugend , die krieg' ich nicht wieder

Also Mädchen, wenn die so früh Mutter werden, da rate ich von ab. Meine Jugend ist jetzt, die krieg’ ich nicht wieder. Ich würd’ liebend gern noch bei meiner Mutter leben, ein bisschen Kostgeld abgeben und einfach nur Party machen. Oder mal in der Wanne liegen und mir die Nägel lackieren . . . Aber mal eine Woche ohne David sein will ich auch nicht, das würde mich kaputtmachen. Und trotzdem wünsch’ ich mir das. Sobald er sechzehn oder siebzehn ist und mich nicht mehr so braucht, bin ich die erste, die auf Malle ist und feiert, einfach nur feiert.“

Protokoll: Katrin Hummel

Quelle: F.A.Z.
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