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Julie Delpy im Gespräch : „Seit ich Regie führe, bin ich glücklicher“

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„Ich bin kein Genie, ich drehe nur verrückte Komödien“: Julie Delpy beim Interview in einem Hotel in München. Bild: Müller, Andreas

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Filmemacherin Julie Delpy über Schönheit, dumme Schauspieler, nicht so lustige Deutsche und die späte Karriere ihres Vaters.

          Frau Delpy, mit Ihren beiden neuen Filmen festigen Sie Ihren Ruf als Spezialistin für Familienfilme. Es geht nicht nur jeweils um mehr oder weniger dysfunktionale Familien, es spielen auch Freunde von Ihnen und Familienmitglieder mit. Akzeptieren die Sie als Autorität, wenn Sie Regie führen?

          Alle – außer meinem Vater. Mit Freunden ist es eine andere Dynamik, aber Papa ist … nun ja, ich bin seine Tochter. Es hängt vom Tag ab und davon, wie ich mit ihm rede. Normalerweise muss ich mit ihm ein bisschen verhandeln. Ich mache manchmal recht viele Takes, damit es ein guter Film wird, und zu viele Takes mag er nicht.

          Ist es einfacher oder sogar schwieriger, mit Freunden zu filmen?

          Ich mag es, denn zu Freunden kann man sehr direkt sein. Es ist generell einfacher, wenn du intelligente Leute vor dir hast. Mit Leuten, die schnell verstehen, was du willst, kannst du gut arbeiten, selbst wenn du sie eben erst getroffen hast.

          Sie haben also nur Ihre intelligenten Freunde mitmachen lassen.

          Genau (lacht), ich verzichte auf meine dummen Freunde!

          Und wenn sie nicht im Film sind, wissen sie, was Sie von ihnen halten.

          Ich nehme normalerweise auch Freunde, die Schauspieler sind. Es ist hilfreich - fürs Schauspiel.

          Und die dürfen dann gern auch dumm sein? Sie haben einmal gesagt, dass die besten Schauspieler nicht immer die Hellsten seien.

          Das stimmt, ich habe einige der größten Schauspieler getroffen, und manche von ihnen waren tatsächlich nicht unbedingt sehr schlau. Aber meine Freundin Alexia, die in „2 Tage New York“ mitspielt, ist ein sehr kluges, lustiges Mädchen. Und mein Vater ist ein sehr kluger Mann.

          Nach „2 Tage Paris“ ist er auch in „2 Tage New York“ mit dabei, und auch in Ihrem zweiten neuen Film, „Familientreffen mit Hindernissen“, spielt er eine zentrale Rolle. Warum mussten wir so lange warten, bis wir ihn auf der Leinwand erleben durften?

          Nun, vorher ist es mir nicht möglich gewesen, Regie zu führen. Sonst wäre er von Anfang an in meinen Filmen dabei gewesen.

          Mit ihrem ersten Opfer Bilderstrecke
          Im Gespräch: Julie Delpy : Ich weiß nicht mal, was niedlich ist

          Sie und Ethan Hawke hatten schon 1995 am Drehbuch von Richard Linklaters „Before Sunrise“ mitgeschrieben, was aber nicht im Abspann erwähnt wurde. Ärgert Sie das? Es dürfte Sie einige Jahre des Filmemachens gekostet haben.

          Ein wenig, natürlich. Wenn Richard uns erwähnt hätte, dann hätte ich wohl viel früher Regie führen können. Ich wäre auch glücklicher gewesen - denn seit ich Regisseurin bin, bin ich glücklicher. Statt in meinen Zwanzigern ein glücklicheres Leben zu haben, musste ich wie eine Verrückte über Jahre kämpfen.

          Wie kam es dazu, dass Sie damals nicht genannt wurden?

          Es gab ein fertiges Drehbuch, das Richard, Ethan und ich zerstört haben: Wir haben alles umgeschrieben. Aber Richard hat es dann irgendwie vermasselt, es spielt keine Rolle, aber es war nicht sehr nett. Es sind zu 80 Prozent Ethan und ich und von Richard hier und da ein paar Zeilen. Das ist verrückt. Aber so laufen nun mal die Dinge - du bist jung und wirst benutzt. Dann lernst du deine Lektion und passt beim nächsten Mal auf.

          Ist es, seit Sie selbst Regie führen, für andere Regisseure schwieriger geworden, mit der Schauspielerin Delpy zu arbeiten?

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