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Veröffentlicht: 07.03.2017, 10:34 Uhr

Jewish Pop Acht vom wilden Affen gebissen

Vom Frankfurter Knabenchor nach Israel und zurück: Wie die Jewish Monkeys mit ihrem fröhlich-frivolen Klezmer-Punk das deutsche Publikum verblüffen. Da kann der große Durchbruch ruhig auf sich warten lassen.

von
© Wonge Bergmann Punkiger Klezmer-Pop auf Englisch und Jiddisch: die israelische Band Jewish Monkeys

Die Jewish Monkeys sind eine Band, die den großen Durchbruch bis heute nicht geschafft hat, und das ist für sie eigentlich phantastisch. Zwar nicht in kommerzieller Hinsicht, das auf keinen Fall, sehr wohl jedoch in künstlerischer.

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Der jüdische Humor nämlich, der das Werk dieser Musiker durchdringt, speist sich aus dem Wissen von der Unvollkommenheit der menschlichen Existenz im Allgemeinen und der eigenen im Besonderen, aus dem Gefühl, im großen Welttheater nur einen unvorteilhaften Logenplatz zugewiesen bekommen zu haben – und das noch direkt hinter einem riesigen Kerl, der nicht einmal den Hut abnimmt. Der durch Jahrhunderte der Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung geschärfte jüdische Witz ist ein wirkmächtiges Mittel gegen die Ahnung existentieller Bedrohung wie auch gegen den Alltagsfrust. Und wenn beides, Bedrohung wie Frust, verschwunden ist, etwa dank einer glanzvollen, sorgenfreien Karriere, dann bedarf es ja des Witzes nicht mehr. Wo also kämen wir hin, und wo kämen die Jewish Monkeys hin, wenn sie endlich den völlig verdienten Erfolg hätten?

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An einem lauen Abend des vergangenen Frühlings hat es die israelische Band wieder einmal nach Frankfurt verschlagen. Soeben haben die Monkeys den Laden gerockt, wie man es ausdrücken könnte, würde der Begriff nicht unangemessen wirken bei einem Schauplatz wie diesem hier: einem Wohnhaus aus dem 19.Jahrhundert, dessen Salon im Parterre ein prachtvolles Deckengemälde ziert. Vor einem kleinen Kreis der Frankfurter Kulturschickeria hat die Band einen streng geheimen Gig gespielt und sich damit gleichermaßen im Underground wie auf großbürgerlichem Parkett bewegt. Zwischen allen Stühlen, mal wieder – dort, wo sich die Band durchaus gut eingeordnet sieht.

Ein Veterinär, ein Unternehmer und ein Psychologe

Für Jossi Reich, einen der Sänger, der nach dem Konzert vom Balkon der Wohnung in den verwunschenen Garten blickt, ist es eine Heimkehr. Reich ist in Frankfurt geboren worden und hier aufgewachsen. Mit Roni Boiko sang er Anfang der Siebziger im Knabenchor der Westend-Synagoge, und als die Nachbarsjungen gemeinsam heimgingen, wurden sie Freunde – ein hübscher Gründungsmythos, wie er sich für eine Band gehört, zu vergleichen mit der ersten Plauderei zwischen Keith Richards und Mick Jagger 1961 auf dem Bahnhof von Dartford. Eine Band wie jede andere sind die Jewish Monkeys freilich nun gerade nicht, und so ließen die Chorknaben Reich und Boiko satte drei Jahrzehnte verstreichen, bis sie – nunmehr in Tel Aviv lebend – musikalisch wieder zusammenfanden.

Zu Boiko, im Hauptberuf Veterinär, und Reich, Aktivist und Unternehmer mit notorisch unruhigem Geist und sozialem Gewissen, gesellte sich Gael Zaidner, ein aus Belgien nach Israel eingewanderter Psychologe, dessen Eltern Holocaust-Waisen waren. Den gemeinsamen Jam-Sessions entsprang eine Musikkabarettnummer, die das hebräische Volkslied „Hava Nagila“ einfach mal mit Harry Belafontes „Banana Boat“-Song verschmolz und deren Lyrics den Nahost-Konflikt in vier skurrile Minuten eindampften. Das war der noch recht rohe Grundstein der Bandkarriere: Tierarzt Boiko schrieb teils böse, teils blödelnde Texte, er selbst, Reich und Zaidner sangen, der erfahrene Komponist Ran Bagno half, das Ganze in eine musikalische Form zu gießen, Bläser, Gitarre, Akkordeon, Bass und Schlagzeug kamen hinzu. Den Bandnamen steuerte Reich bei, der dabei The Monkees im Sinn hatte, die Superstars aus den Sechzigern. Und als sei es nicht genug, dass sich hier ein paar Juden selbst zum Affen machen, fanden sie bald heraus, dass der Begriff Jewmonkey umgangssprachlich ein ziemlich übles Schimpfwort darstellt.

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