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Josefine Preuß im Gespräch : „Ich bin jetzt erwachsen“

  • Aktualisiert am

Braucht keine Hauptrollen: Josefine Preuß. Bild: Andreas Pein

Ob Haupt- oder Nebenrolle ist ihr „scheißegal“: Josefine Preuß über Alter und Auftreten, Hosenrollen und Hollywood.

          Frau Preuß, in Ihrem neuen ...

          Josefine bitte!

          Kein Siezen? Gut, dann so: Josefine, in deinem Film spielst du eine ziemlich toughe junge Frau. Bist du selbst eigentlich mutig?

          Jein. Kommt ganz drauf an. Bei Spinnen und Schlangen auf gar keinen Fall. Aber ich kann schon mutig sein, indem ich Risiken eingehe. Sei es beruflich oder privat.

          Das heißt?

          So bestimmte Situationen, wo andere erst mal nachdenken. Da spring’ ich einfach rein. Ab und zu verträgt jeder Mut.

          Du hast mehrere historische Rollen gespielt. Mittelalter bei der „Pilgerin“, 19. Jahrhundert bei der „Hebamme“, auch „Adlon“ spielte nicht heute. Fasziniert dich das?

          Total. Ich habe Blut geleckt, was historischen Stoff angeht. Natürlich war das für mich nach all diesen Teenie-Rollen der nächste Schritt. Ich wollte nicht immer nur Komödie machen, wurde aber nur dafür besetzt. Jetzt diese Chance zu bekommen, auch mal eine andere darstellerische Seite zu zeigen - das ist ein großes Kompliment an alle, die sich trauen, eine komödiantische Schauspielerin so zu besetzen.

          Wie taucht man denn am besten ins Mittelalter ein?

          Ich habe viel gelesen, mir Klassiker angeschaut wie „Im Namen der Rose“. Oder, da bin ich vorher gar nicht drauf gekommen, „Game of Thrones“.

          „Game of Thrones“ als Vorbereitung?

          Bei der Requisite war die Serie immer ein Vorbild. Ich glaube, ich wäre privat nicht kleben geblieben. Aber so habe ich sie verschlungen - und die ist richtig gut!

          Wär da auch eine Rolle für dich dabei gewesen?

          Nein! Die sind alle so top besetzt, die da spielen.

          Stattdessen gab es jetzt eine Männerrolle . . .

          Eine sogenannte Hosenrolle, habe ich auch erst gelernt.

          Muss man da anders spielen?

          Hätte ich das gemacht, wäre es eine Persiflage geworden. Ich wurde körperlich ja so entstellt! Meine Weiblichkeit wurde mir geraubt. Ich musste vierzig Zentimeter Haare lassen und habe geheult deswegen. Das hätte ich privat nie im Leben gemacht! Aber da muss man die eigene Eitelkeit vergessen und denken: Für die Rolle! Für die Rolle! Im Endeffekt hätte die beste Kurzhaarperücke nicht das mitgemacht, was wir da machen mussten. Durch Wasser waten und springen und reiten und kämpfen.

          Und ein Kreuz hast du geschleppt. War das eigentlich echt?

          Das war echt. Wir hatten eine Leichtvariante mit neun Kilo, die schwere Variante wog 14 Kilo. Das war dann unter den Kollegen schon ein battle, wer am Tag dran ist, das Kreuz zu tragen. Wir wollten aber alle das schwere haben. Teilweise waren Rötungen und blaue Flecke nicht geschminkt.

          Die Schmerzen, die man dir im Film ansieht, waren echt?

          Ja, definitiv. Das war die körperlich anstrengendste Rolle, die ich je hatte. Wir haben viele der Stunts, die andere doubeln lassen, selbst gemacht. Zum Glück.

          Wie jetzt, zum Glück?

          Ich mag ja körperliche Arbeit, mich verausgaben und das nach dem Drehtag abends merken.

          Würdest du den Jakobsweg privat auch gehen?

          Nie! Im! Leben! Nie im Leben! Den bin ich ja jetzt fiktiv schon gegangen. Jetzt reicht’s.

          Du bist also nicht religiös?

          Nein. Ich hab nichts gegen Religion, ich bin nicht deren Freund, ich bin aber auch nicht deren Feind.

          Im Film pilgert Tilla aus Liebe zum Vater. Wie viel würdest du für deine eigene Familie tun?

          Alles klingt immer so pathetisch. Aber: alles. Die Familie steht immer an oberster Stelle und ist mit nichts zu ersetzen.

          Siehst du sie eigentlich oft?

          Dank neuester Medien, täglich. Wir skypen viel, gerade wenn ich weg bin. Das kennen die nicht anders von mir. Ich bin mal lang weg, aber dann auch lange da und gehe denen schon wieder auf den Sack.

          Wenn du deine Familie genug genervt hast, was machst du dann als erstes zurück in Berlin?

          Die Tür zu und das geht niemanden etwas an. Mich an meine Wohnung gewöhnen, Sachen aufholen, die Stadt wiederentdecken. Erstmal mit touristischen Augen und dann: Ach, ich lebe ja hier.

          „Ich habe geheult“: Seit die Haare ab sind, traut sich Josefine Preuß nur noch mit Mütze raus

          Häufig warst du in diesem Jahr ja nicht zu Hause. Trotz der vielen Drehs hat sich ein Wunsch nicht erfüllt: Du hast mal gesagt, du würdest gern eine Gerichtsmedizinerin spielen.

          Es war einer meiner frühesten Berufswünsche. Da dachte ich, wenn ich schon kein Studium mache, spiele ich das vielleicht mal.

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