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Veröffentlicht: 26.05.2013, 09:22 Uhr

Johanna Wokalek Ihr Glück hat keinen Namen

Die Schauspielerin Johanna Wokalek überzeugte als „Päpstin“ wie als Gudrun Ensslin. Ob im Film oder im Burgtheater, ihre Figuren vergisst niemand. Seit neuestem ist sie aber in erster Linie Mutter.

von Irene Bazinger
© Pilar, Daniel Vorhang auf: Johanna Wokalek mag bei der Arbeit keine Kompromisse

Es war eine kräftige, in Papier eingewickelte Wurst, mit der sich Johanna Wokalek erstmals einem großen Publikum präsentierte, und zwar gleich bei den Berliner Filmfestspielen 1999. Die Wurst war eine sogenannte Thüringer, kalorienreich und haltbar, ideal in harten Zeiten. Man sah das fleischige Stück nicht genau, weil es in Max Färberböcks „Aimée und Jaguar“ in einem düsteren Hausflur die Besitzerin wechselte. Der Film spielte im Zweiten Weltkrieg, und Essen war rationiert. „Meine geliebte Thüringer!“, schwärmte Wokalek auf der Leinwand und nahm das Objekt ihrer kulinarischen Begierde begeistert an sich, lächelte und ließ ihre blauen Augen leuchten. Ganz jung sah sie als beglückte Ilse aus, die ja auch noch ein kaum erwachsenes Ding war und bei einer strammen deutschen Mutterkreuzträgerin ihr „Haushaltsjahr“ ableistete.

Wokalek wirkte ganz frei im Hier und Jetzt, souverän in ihrer Rolle und ihrem Beruf. Den sie zur Drehzeit eigentlich noch gar nicht professionell ausübte, da sie gerade ihr Schauspielstudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar beendete. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit goldenen Filmbändern und silbernen Bären - und der Name Johanna Wokalek war von da an ein Begriff.

Ein glaubhaft zurückhaltender Mensch

Ihr erstes Theaterengagement führte sie ans Schauspiel Bonn, wo sie praktische Erfahrungen sammeln konnte. Für ihre Leistung in Gerhart Hauptmanns „Rose Bernd“ wurde sie als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. Der Erfolg ist der gebürtigen Freiburgerin, die nach drei Jahren ins Ensemble des berühmten Wiener Burgtheaters wechselte, seitdem treu geblieben, obwohl sie selbst in solchen Kategorien nicht denkt, wie sie sagt, um gleich darauf in ihr entwaffnend fröhliches Lachen auszubrechen. Preise? Ehrungen? Ruhm? Ach was! Ihr Glück liegt derzeit ganz woanders und hat keinen Namen - zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Den Namen ihres Sohns, den sie vor knapp einem Jahr bekommen hat, will sie nicht verraten, höchstens dies: „Ich bin so glücklich, dass der Kleine da ist und dass er gesund und munter ist. Das ist ein so großes Geschenk, wie ich es mir nie vorstellen konnte. Ich bin einfach nur dankbar!“

Kinostarts - "Die Päpstin" © dpa Vergrößern Johanna Wokalek im Film „Die Päpstin“ als Johannes Anglicus

Trotz ihrer berufsbedingten nötigen Neigung zum Exhibitionismus ist Wokalek ein glaubhaft zurückhaltender Mensch. Sie fand es schon immer unangebracht, wenn Schauspieler ihr Privatleben allzu sehr in den Medien ausbreiteten. Noch ehe sie selbst bekannt wurde, hat es sie genervt, wenn sie ins Kino ging und dort bei einem Schauspieler nicht an dessen Rolle denken musste, sondern an sein Privatleben: Ach, der ist ja Vegetarier! Sieh an, die hat sich doch gerade scheiden lassen! Das ist nicht ihr Stil, und deshalb hat sie eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem Publikum entwickelt, dessen Neugier sie zwar verstehen kann, die sie aber nicht bedienen möchte: „Was man von mir auf der Bühne oder im Film sieht, ist doch schon genug, oder?“

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