Home
http://www.faz.net/-gum-79dl4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Johanna Wokalek Ihr Glück hat keinen Namen

Die Schauspielerin Johanna Wokalek überzeugte als „Päpstin“ wie als Gudrun Ensslin. Ob im Film oder im Burgtheater, ihre Figuren vergisst niemand. Seit neuestem ist sie aber in erster Linie Mutter.

© Pilar, Daniel Vorhang auf: Johanna Wokalek mag bei der Arbeit keine Kompromisse

Es war eine kräftige, in Papier eingewickelte Wurst, mit der sich Johanna Wokalek erstmals einem großen Publikum präsentierte, und zwar gleich bei den Berliner Filmfestspielen 1999. Die Wurst war eine sogenannte Thüringer, kalorienreich und haltbar, ideal in harten Zeiten. Man sah das fleischige Stück nicht genau, weil es in Max Färberböcks „Aimée und Jaguar“ in einem düsteren Hausflur die Besitzerin wechselte. Der Film spielte im Zweiten Weltkrieg, und Essen war rationiert. „Meine geliebte Thüringer!“, schwärmte Wokalek auf der Leinwand und nahm das Objekt ihrer kulinarischen Begierde begeistert an sich, lächelte und ließ ihre blauen Augen leuchten. Ganz jung sah sie als beglückte Ilse aus, die ja auch noch ein kaum erwachsenes Ding war und bei einer strammen deutschen Mutterkreuzträgerin ihr „Haushaltsjahr“ ableistete.

Wokalek wirkte ganz frei im Hier und Jetzt, souverän in ihrer Rolle und ihrem Beruf. Den sie zur Drehzeit eigentlich noch gar nicht professionell ausübte, da sie gerade ihr Schauspielstudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar beendete. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit goldenen Filmbändern und silbernen Bären - und der Name Johanna Wokalek war von da an ein Begriff.

Ein glaubhaft zurückhaltender Mensch

Ihr erstes Theaterengagement führte sie ans Schauspiel Bonn, wo sie praktische Erfahrungen sammeln konnte. Für ihre Leistung in Gerhart Hauptmanns „Rose Bernd“ wurde sie als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. Der Erfolg ist der gebürtigen Freiburgerin, die nach drei Jahren ins Ensemble des berühmten Wiener Burgtheaters wechselte, seitdem treu geblieben, obwohl sie selbst in solchen Kategorien nicht denkt, wie sie sagt, um gleich darauf in ihr entwaffnend fröhliches Lachen auszubrechen. Preise? Ehrungen? Ruhm? Ach was! Ihr Glück liegt derzeit ganz woanders und hat keinen Namen - zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Den Namen ihres Sohns, den sie vor knapp einem Jahr bekommen hat, will sie nicht verraten, höchstens dies: „Ich bin so glücklich, dass der Kleine da ist und dass er gesund und munter ist. Das ist ein so großes Geschenk, wie ich es mir nie vorstellen konnte. Ich bin einfach nur dankbar!“

Kinostarts - "Die Päpstin" © dpa Vergrößern Johanna Wokalek im Film „Die Päpstin“ als Johannes Anglicus

Trotz ihrer berufsbedingten nötigen Neigung zum Exhibitionismus ist Wokalek ein glaubhaft zurückhaltender Mensch. Sie fand es schon immer unangebracht, wenn Schauspieler ihr Privatleben allzu sehr in den Medien ausbreiteten. Noch ehe sie selbst bekannt wurde, hat es sie genervt, wenn sie ins Kino ging und dort bei einem Schauspieler nicht an dessen Rolle denken musste, sondern an sein Privatleben: Ach, der ist ja Vegetarier! Sieh an, die hat sich doch gerade scheiden lassen! Das ist nicht ihr Stil, und deshalb hat sie eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem Publikum entwickelt, dessen Neugier sie zwar verstehen kann, die sie aber nicht bedienen möchte: „Was man von mir auf der Bühne oder im Film sieht, ist doch schon genug, oder?“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zum Tod von Helmuth Lohner Vom Werden und Wesen eines Wiener Doppelkopfs

Er war ein Boulevardier mit Trauerrand, Dämon und Kellner, Feuerfuchs und Schwieriger: Jetzt ist der Schauspieler Helmuth Lohner mit 82 Jahren gestorben. Mehr Von Gerhard Stadelmaier

23.06.2015, 18:16 Uhr | Feuilleton
Trotz Ausreiseverbot Iranischer Regisseur schmuggelt Film zur Berlinale

Der preisgekrönte iranische Regisseur Jafar Panahi hat trotz 20-jährigem Berufs- und Ausreiseverbot seinen jüngsten Film Taxi nach Berlin geschmuggelt. In diesem spielt er selbst einen Taxifahrer in Teheran, der sich mit seinen Fahrgästen unterhält. Mehr

09.02.2015, 12:07 Uhr | Feuilleton
Helmuth Lohner ist tot Spieler der brüchigen Charaktere

Komödien, Tragödien, Dramen: Helmuth Lohner überzeugte in vielen Rollen und auf den wichtigen Bühnen. Seinen ersten Auftritte aber ließen vom künftigen großen Schauspieler-Leben noch kaum etwas ahnen. Mehr

23.06.2015, 12:56 Uhr | Feuilleton
Filmfestival Berlinale rollt roten Teppich für "Every Thing Will Be Fine" aus

Gut gelaunt haben sich bei der Berlinale die Macher und Darsteller des 3D-Dramas "Every Thing Will Be Fine" auf dem Roten Teppich präsentiert. Der Film von Regisseur Wim Wenders, der im Wettbewerb außer Konkurrenz läuft, erzählt von Schuld und der Suche nach Vergebung. Mehr

11.02.2015, 14:15 Uhr | Feuilleton
Hersfelder Festspiele Devot und herrisch

Der frühere Intendant als Regisseur in Bad Hersfeld: Die Besetzung der Gerichtsrat-Rolle in Kleists Lustspiel Der zerbrochene Krug mit einer Frau ist ein Kunstgriff. Freytag verschiebt die Statik dieses Klassikers. Mehr Von Hans Riebsamen

24.06.2015, 11:23 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.05.2013, 09:22 Uhr

P. Diddy Doch kein tödlicher Angriff

P. Diddy kommt um eine Klage herum, Miley Cyrus küsst Stella Maxwell, und Paul Rudd erhält einen Stern auf dem Walk of Fame – der Smalltalk. Mehr 5



Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden