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Joachim Sauer wird 60 : Vom „Phantom der Oper“ zum Leiter des „Damenprogramms“

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Ein verlässlicher Begleiter der Kanzlerin bei kulturellen Anlässen. Sauer und Merkel in Bayreuth Bild: ddp

Anfangs scheute er die Öffentlichkeit: Joachim Sauer, Mann von Angela Merkel, wollte nicht nur Kanzlergatte sein. Inzwischen hat er sichtlich mehr Spaß an Auftritten mit First Ladies wie Michelle Obama oder Carla Bruni-Sarkozy. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.

          Auf der Bühne der Weltpolitik ist vieles im Wandel, auch die Nebenrollen: Prof. Dr. Dr. Joachim Sauer, der Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ist dabei ein Vorreiter. In diesen Tagen weilt er mit seiner Frau im Osterurlaub auf der italienischen Insel Ischia. Am Sonntag wird er 60.

          Sauer ist nicht nur wegen des anderen Geschlechts ungewöhnlicher als die Frauen an der Seite der früheren Kanzler. Die Rolle, die der Chemie-Professor einnimmt, wird zurzeit auch in anderen Ländern neu definiert. Die Präsidentengattinnen Michelle Obama und Carla Sarkozy sind gestandene Frauen, die First Lady spielen - der Kanzlergatte ist das Ganze in männlich.

          Es dauerte, bis er mit den Medien warm wurde

          „Meine Person steht in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit von Angela Merkel“, sagte Sauer einmal etwas gestelzt. Zu Beginn ihrer Kanzlerschaft war er nur auf Fotos bei den Bayreuther Wagner- Festspielen zu sehen. Eine Illustrierte verpasste ihm deshalb den Spitznamen „Phantom der Oper“. Inzwischen scheut Sauer das Blitzlichtgewitter etwas weniger. So leitete er zuletzt zum Beispiel das „Damenprogramm“ beim Nato-Gipfel in Baden-Baden und besichtigte gemeinsam mit Frau Obama und Frau Sarkozy das Straßburger Münster.

          Joachim Sauer, Ehemann von Bundeskanzlerin Merkel, feiert am heutigen Sonntag den 60. Geburtstag

          Man sah ihn auch 2007 zur 50-Jahr-Feier der Europäischen Union oder beim G8-Gipfel von Heiligendamm sowie immer mal wieder auf Urlaubsfotos in der Presse, beispielsweise beim Wandern mit Bergsteiger Reinhold Messner. Nach Merkels Amtsantritt hatte es jedoch ganze acht Monate gedauert, bis der medienscheue Fachmann für Quantenchemie erstmals bei einem großen offiziellen Termin seiner Frau dabei war. Im Juli 2006 begleitete er sie in Stralsund beim Besuch des damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush.

          Die eigene Arbeit ist ihm wichtiger

          Sauer inszeniert sich so ganz anders als die Partner bisheriger deutscher Regierungschefs. Diese tauchten oft an der Seite ihrer Männer auf und stellten sich auch sonst gerne der Öffentlichkeit, zum Beispiel mit Interviews und einem Buch („Der Kanzler wohnt im Swimmingpool“, Doris Schröder-Köpf) oder posierend mit Rehkitz (Hannelore Kohl).

          Sauer saß hingegen selbst bei Merkels Vereidigung im November 2005 nicht auf der Bundestagstribüne, sondern hatte etwas anderes zu tun. Seine Zeit verbringt er lieber mit der Arbeit in Forschung und Lehre.

          Von eigenen politischen Ambitionen - wie sie etwa die aktuelle amerikanische Außenministerin und frühere First Lady Hillary Clinton hegt - ist Sauer weit entfernt. Als Ziel böser Satire wie einst Denis Thatcher, der Mann der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher, taugt er auch nicht.

          Berater, Vater, Opernfan

          Seine Frau verriet in einem Interview immerhin, dass er ein stiller Berater sei. Er schaue schon mal über die Manuskripte ihrer Parteitagsreden und kommentiere auch Auftritte im Fernsehen: „Nachdem er zum Beispiel die Haushaltsdebatte im Fernsehen verfolgt hatte, meinte er: „Du hast Deinen Zeigefinger wieder ständig erhoben.“

          Die Physikerin Merkel und der Chemiker Sauer lernten sich zu DDR-Zeiten in Berlin kennen, am Zentralinstitut für physikalische Chemie. Sie heirateten 1998. Für beide ist es die zweite Ehe. Aus erster Ehe hat Sauer, der aus Hosena in Sachsen stammt, zwei Kinder. Mit der gut fünf Jahre jüngeren Merkel lebt er in Berlin in einer Wohnung direkt an der Museumsinsel.

          Hin und wieder können auch ganz normale Berliner und Touristen den zurückhaltenden Kanzlergatten in der Öffentlichkeit sehen - im Publikum eines der drei hauptstädtischen Opernhäuser.

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