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„Jenseits des Protokolls“ Frau Wulff und der Nettobetrag

 ·  Die Frau des Ex-Bundespräsidenten hat ein larmoyantes Buch über ihre Zeit in Bellevue geschrieben. Wer sie damals beobachtet hat, erinnert sich freilich an eine Frau, die den Mann an ihrer Seite oft sogar überstrahlte. Aber auch das war eben gut inszeniert.

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© Agentur Focus Vergrößern Eine gewisse Kluft zwischen Schein und Sein hat Bettina Wulff von Anfang an begleitet. Nun ist die Frage: Wie naiv ist diese Frau? Wie berechnend?

Keine Dunstabzugshaube! Das stelle man sich bitte vor: Die Berliner Dienstvilla des Bundespräsidenten, Pücklerstraße 24, besaß im Sommer 2010 keine Dunstabzugshaube. Oder, wie Bettina Wulff in ihrer diese Woche als Buch erschienenen Abrechnung klagt: „Neben den größeren Umbaumaßnahmen musste aber auch erst einmal in der Küche eine richtige Dunstabzugshaube eingebaut werden.“

Spätestens an dieser Stelle ist der wehleidige Rückblick der ehemaligen First Lady nicht mehr auszuhalten. So ist es mit „Jenseits des Protokolls“: Die Details, mit denen das Buch aufwartet, sind manchmal banal, manchmal peinlich. Meistens sind sie unangemessen. Wir erfahren über die einstige Bundespräsidentengattin, dass sie vor Christian Wulff unter anderem mit einem Rettungsschwimmer auf Sylt und dem Inhaber eines Fitnessstudios liiert war. („Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema. Nein, so ticke ich nicht.“)

„Nur“ noch 3500 Euro netto

Wir wissen jetzt, dass von einem Ministerpräsidentengehalt nach Abzügen und Unterhaltszahlungen „nur“ noch 3500 Euro netto bleiben. „Zusätzlich haben wir von der Aufwandsentschädigung meines Mannes in Höhe von monatlich 6500 Euro, die er als Bundespräsident bekam, privates Personal bezahlt.“ Skandal!? Wer gerade mal ein halbes Jahr nach seinem Abgang aus Bellevue verrät, was die Kanzlerin bei Käse und Rotwein Privates erzählt, erweist sich nachträglich als Fehlbesetzung.

Ausgerechnet die Frau, die sich jetzt auf 223 Seiten zum Opfer stilisiert - „ich werfe dies Christian auch manchmal vor, dass er mich ein großes Stück auch in diese Rolle hineingedrängt hat“ -, hat 598 Tage lang wie keine First Lady vor ihr den Bundespräsidenten neben ihr überstrahlt. Die Patchworkfamilie im Schloss, die junge, moderne, selbstbewusste Bettina Wulff war nie nur „die Frau von ...“, wie sie jetzt klagt. Ohne sie als Teil eines Imagepakets hätte es der biedere Berufspolitiker aus Niedersachsen wohl nie an die Spree geschafft.

In manchen Dingen hat die Achtunddreißigjährige natürlich recht. Weder das Amt des Bundespräsidenten noch die dazugehörige Dienstvilla waren beim Amtsantritt ihres Mannes auf eine Familie mit zwei kleinen Kindern zugeschnitten. Sowohl die Sicherheitsbestimmungen als auch die Erwartungen des Protokolls an der Spitze des Staates bilden ein Korsett, von dem man gerne glaubt, dass es einem eng darin werden kann. Dass Repräsentieren nicht nur eine Freude ist, hatte man sich längst gedacht.

Nur: Bettina Wulff schien das alles nichts auszumachen. Sie machte ihre Sache gut. Und sie machte sie scheinbar gern.

September 2010: Ihr erster Staatsbesuch führt Christian und Bettina Wulff in die Schweiz. Das Paar besichtigt eine Hochschule, absolviert ein Galadinner und fliegt mit dem Hubschrauber in die Alpen. Während er mit Politikern beisammensitzt, bekommt sie eine Altstadtführung und besichtigt das „Offene Atelier“ eines Museums, in dem Kinder und jugendliche Behinderte an Kunst herangeführt werden.

Heute werden Kaleidoskope gebaut. Bettina Wulff sitzt zwischen Kindern und zerschnipselt gelbe Folie. Das sind Bilder, wie die Öffentlichkeit sie liebt. Die Kameras klicken ohne Pause. „Wie viele müssen das denn sein? Ich bin fertig!“, kräht die First Lady in den Raum. Aber die Museumspädagogin mahnt, auf verschiedene Farben und Formen zu achten, „je mehr, desto schöner“, belehrt sie.

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