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Jasna Fritzi Bauer : Die Temperatur muss stimmen

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Ausgeprägte Jugendlichkeit: Bauer, hier in einem Cafe in ihrer Wahlheimat Berlin, kann nach wie vor glaubwürdig eine Schülerin darstellen. Bild: Andreas Pein

Jasna Fritzi Bauer spielt die Hauptrolle in „Axolotl Overkill“, der Verfilmung des Skandalbuchs von Helene Hegemann. Darauf war sie gut vorbereitet. Denn ihre Spezialität sind Figuren, die zwischen zwei Zuständen stecken.

          Bei Dreharbeiten kann im Eifer des Gefechts immer mal etwas passieren, aber dass die Hauptdarstellerin eines Films, der nicht in einem Zoo oder in der Antarktis angesiedelt ist, von einem Pinguin gebissen wird, klingt dann doch ziemlich erstaunlich. Auch Jasna Fritzi Bauer war überrascht, als ein Königspinguin vor laufender Kamera plötzlich Appetit auf eines ihrer Beine verspürte. Es tat mächtig weh, und das riesige Hämatom war noch während der kompletten restlichen Dreharbeiten zu sehen. Wenigstens waren, da der Vogel nicht durch ihre Hose bis ins Fleisch geschnappt hatte, nach der medizinischen Erstversorgung keine weiteren Behandlungen nötig.

          Was führte diesen Pinguin nun eigentlich auf den Parkettboden der Berliner Altbauwohnung, in der gerade „Axolotl Overkill“ gedreht wurde? So genau kann Bauer das selbst nicht erklären, und auch dem Publikum wird sich dieser ungewöhnliche Besuch nicht logisch, sondern auf einer emotionalen Ebene erschließen müssen: Denn hier geht einfach manches drunter und drüber, es tauchen Dinge oder Tiere auf und verschwinden wieder – ebenso fließend, irrational, unvermutet, wie einem bisweilen Bruchstücke von Erfahrungen und Erinnerungen durch den Kopf schwirren. Warum also nicht ein Pinguin. Ein Axolotl ist schließlich gleichfalls ein Tier, und zwar ein mexikanischer, bis zu 30 Zentimeter langer Schwanzlurch, der seine Larvengestalt nie verändert – was bedeutet, dass er niemals erwachsen wird.

          Kinotrailer : „Axolotl Overkill“

          Er war schon die Symbolfigur für den 2010 veröffentlichten Roman „Axolotl Roadkill“ der damals keine zwanzig Jahre alten Helene Hegemann, die damit über Nacht zum Popstar und zu einem der Fräuleinwunder der deutschen Literaturszene aufstieg; daran konnten auch Vorwürfe, sie habe Teile des Werks bei den Schriftsteller und Blogger Airen abgeschrieben, nichts ändern. Jetzt hat Hegemann ihren Roman unter dem Titel „Axolotl Overkill“ selbst verfilmt und nimmt es mit der eigenen Vorlage dabei nicht so genau. Wer das Buch nicht gelesen hat, solle den Film trotzdem genießen können, wünschte sie sich und schrieb sich mit dieser Herangehensweise eigenhändig das Drehbuch zurecht. Es ist nicht durcherzählt, sondern assoziativ gestaltet, springt freimütig durch die Zeiten, Räume, Bilder – und so war plötzlich der Pinguin da.

          Bauer wuchs in einer großen Patchwork-Familie auf

          „Ich finde das super“, sagt Jasna Fritzi Bauer, die in der Hauptrolle der sechzehnjährigen Mifti den Film mit unglaublicher Kraft und Intensität trägt. Sie hat „Axolotl Roadkill“ nicht gelesen (wohl jedoch Hegemanns nächstes Buch, „Jage zwei Tiger“) – auch nicht, als sie von der Autorin angesprochen und engagiert wurde.

          „Kein Problem“, meinte die Jungregisseurin damals zu ihr, wie sie ihren ersten Film überhaupt mit erstaunlicher Gemütsruhe realisiert zu haben scheint. „Ja, sie wusste immer genau, was sie wollte und wie sie es erreichen könnte“, erzählt Bauer beim Gespräch in ihrer Wahlheimat Berlin, „so eine bewusste Stärke brauche ich als Schauspielerin, dann kann ich mich entspannen und einfach loslegen.“ Geboren 1989 in Wiesbaden, sieht sie bis heute derart jung aus, dass sie nach wie vor glaubwürdig eine Schülerin darstellen kann. Ihre Mifti hat freilich keine Lust mehr auf die Schule, bleibt lieber morgens im Bett oder zieht nachts flirtend, knutschend, tanzend durch die Clubs.

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