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Veröffentlicht: 30.01.2017, 14:59 Uhr

Jasmin Tabatabai im Interview „Trump reißt meine Familie auseinander“

Die Familie der Berliner Schauspielerin Jasmin Tabatabai ist während der islamischen Revolution 1979 aus dem Iran geflohen. Jetzt darf sie nicht mehr nach Amerika. Ein Gespräch.

von
© dpa Schauspielerin Jasmin Tabatabai: „Ich war Gott sei Dank 2015 noch mal in Amerika.“

Frau Tabatabai, wann waren Sie zuletzt in den Vereinigten Staaten?

Sebastian Eder Folgen:

Ich war Gott sei Dank 2015 noch mal da, um meinen 97 Jahre alten Onkel zu sehen, der kurz darauf gestorben ist. Die Hälfte meiner Familie lebt in Amerika, und weil ich einen iranischen Pass habe, darf ich jetzt nicht mehr einreisen. Auch meine Geschwister und meine 79 Jahre alte Mutter haben ein Einreiseverbot. Wann ich meine Familie in Amerika wieder besuchen kann, weiß ich nicht. Nicht nur uns geht es so: Viele Familien werden auseinandergerissen, Eltern können ihre Kinder nicht mehr sehen. Trumps Dekret ist unmenschlich und ungerecht.

Sie waren fünf Jahre mit einem Amerikaner verheiratet und haben eine 14 Jahre alte Tochter mit amerikanischem Pass. Würden Sie Ihre Tochter noch nach Amerika schicken?

Ich weiß es nicht. Eigentlich wollte sie bald einen Austausch machen und für eine Weile nach Amerika gehen. Aber was ist, wenn ihr etwas passiert? Dann kann ich nicht zu ihr reisen. Das müssen wir uns gut überlegen. Aktuell tun mir vor allem die Leute leid, die an den Flughäfen sitzen und nicht wissen, wie es weitergeht. Es ist einfach unamerikanisch, es ist eigentlich so ein tolles Land. Ich fahre seit meinem 20. Lebensjahr regelmäßig nach Amerika und habe mich immer mit diesem Land und den Menschen dort verbunden gefühlt.

© Twitter

Finden Sie es legitim, Menschen aus einem Land die Einreise zu verweigern, weil dort Terroristen ausgebildet werden sollen?

Bei allem Verständnis dafür, dass man sein Land vor Terroristen schützen will: An dieser Entscheidung von Donald Trump ist nichts legitim. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich wegen meiner ethnischen Zugehörigkeit mal so heftig diskriminiert werde. Es geht ja nicht mal nur um die Religion, im Iran leben auch Christen. Und meine Familie hat 1979 wegen des islamischen Terrors das Land verlassen und ist nach Deutschland gekommen. Meine deutsche Mutter hatte vorher einen Iraner geheiratet und damit die iranische Staatsbürgerschaft angenommen. Jetzt darf sie nicht mehr nach Amerika. Was hat sie mit Terroristen zu tun? Und es ging ja auch durch die Presse, dass nicht ein einziger Iraner für Terroranschläge in Amerika verantwortlich ist. Andere Länder, aus denen viele Terroristen kamen, die aber wichtigere Geschäftspartner von Amerika sind, sind dagegen nicht von dem Verbot betroffen. Kein Land sollte davon betroffen sein, aber das zeigt doch, dass diese Politik jeglicher Logik entbehrt. Es ist auch ein Affront gegenüber der bestens integrierten und sehr erfolgreichen iranischen „Community“ in Amerika. 

Wie fühlt sich das Einreiseverbot an?

Falls erreicht werden soll, dass man sich für seine Herkunft schämt: Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin stolz auf meine Wurzeln, die iranische Kultur hat mich sehr geprägt. Wenn ich mich für eine Nationalität entscheiden müsste, würde ich die Deutsche annehmen, weil ich hier lebe. Aber es würde mir sehr schwer fallen. Das ist, als müsste man sich entscheiden, ob man seinen Vater oder seine Mutter mehr liebt.

44533977 © AP Vergrößern Protest gegen Trumps Politik am Flughafen von Indianapolis.

In Amerika protestieren viele Menschen gegen Trump. Nehmen Sie das auch wahr?

Ich nehme wahr, dass viele Amerikaner von Trump genauso entsetzt sind wie ich. Ich verwechsle Trump nicht mit dem amerikanischen Volk.

Das hat ihn aber doch gewählt.

Wenn man das runter rechnet, haben ihn vielleicht 20 Prozent der Bürger gewählt. Und ich glaube, auch von denen merken viele, das Trump gar nicht weiß, was er da tut. Er löst völliges Chaos aus, das sieht man ja an den Flughäfen, wo Grenzbeamte nicht wissen, wie sie mit den Leuten umgehen sollen. Das ist Irrsinn. Von einem gelungenen Start in seine Amtszeit kann man ja wohl nicht reden.

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Glauben Sie, dass er diese Art der Politik trotzdem durchhält?

Ich glaube erst mal nicht, dass er sich von dem Protest einschüchtern lässt. Am meisten Sorgen macht mir Trumps Chefstratege Stephen Bannon, weil er sich wie ein Glaubenskrieger gebärdet. Ich habe mir eine Rede angehört, die er im Vatikan gehalten hat, da wird einem angst und bange. Es ist also erst der Anfang. Gruselig, sich auszumalen was noch alles auf uns zukommen wird. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Amerika ist eine alte Demokratie, und die Menschen werden sich hoffentlich auch von Trump wieder befreien.

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