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Schauspieler Jannik Schümann : „Wie benehme ich mich? Wie gehe ich?“

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Verwandlung in ein Mädchen: Jannik Schümann in „Mein Sohn Helen“ Bild: ARD Degeto/Britta Krehl

Jannik Schümann spielt in seinem neuen Film „Mein Sohn Helen“ einen Jungen, der ein Mädchen sein möchte. Schümann ist jung, begabt und gut aussehend – das alleine hat ihn aber noch nicht zu einem Shooting-Star der deutschen Film-Szene gemacht. Viel mehr war es der Zufall.

          Es gibt tatsächlich Karrieren, die fangen märchenhaft zufällig an, etwa so: Eltern verbringen mit ihren Kindern einen Nachmittag in Hamburg auf der Bowlingbahn. Nach der sportlichen Aktivität verspüren alle Hunger, gemeinsam geht man etwas Essen. Doch den beiden Jungs wird bei all dem Erwachsenengerede am Tisch langweilig. Sie kriegen ein bisschen Geld in die Hand gedrückt und dürfen sich an der Tankstelle Süßigkeiten holen.

          Der eine der beiden Jungs hat leuchtend blaue Augen, einen stets zum Lachen bereiten Mund, ist von zierlichem Wuchs und ein ziemlich aufgewecktes Bürschchen. Er fällt der Chefin einer auf Nachwuchstalente spezialisierten Schauspielagentur auf, die gerade ihren Wagen tankt. Mit der Visitenkarte der Chefin in der Hand kehrt der Junge von der Tankstelle zu seinen Eltern zurück. Die rufen einige Tage später die angegebene Telefonnummer an. Und unerwartet ist der kleine Jannik Schümann, geboren 1992 in Hamburg, seinem großen Traum, Schauspieler zu werden, ein entscheidendes Stück näher gekommen.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Da war Schümann elf Jahre alt und hatte sich, wenn er sich richtig erinnert, passenderweise ein Überraschungsei an der Tankstelle gekauft. Heute ist Schümann 22 Jahre alt und erzählt diese Geschichte beim Gespräch in Berlin, als käme sie ihm selbst ein wenig unfassbar vor.

          Theaterdebüt mit neun Jahren

          Erste Erfahrungen auf der Bühne hatte Jannik Schümann vor dem Treffen auf der Tankstelle zwar schon gesammelt, doch war damals völlig unklar, ob es je noch Gelegenheit geben würde, diesen Weg fortzusetzen, oder ob es beim Einmal-und-nie-wieder-Erlebnis bleiben würde.

          Sein Theaterdebüt hat Schümann bereits mit neun Jahren gefeiert, nachdem eine Freundin seiner Eltern eine Annonce entdeckt hatte, mit der Kandidaten für das Musical „Mozart“ gesucht wurden, um den Komponisten als Kind darzustellen. Sie wusste, dass Jannik sich zu Hause immer kleine Theaterstücke und Sketche ausdachte, mit seiner Mutter gern zum Tanzen in ein Studio ging, sich dort in eine Ecke setzte, alles aufmerksam verfolgte und sich überaus wohl fühlte.

          Trotzdem überlegten die Eltern eine Weile und zögerten, ob sie ihn zum Mozart-Casting bringen sollten, denn niemand in der Familie hatte bisher künstlerische Ambitionen. Schließlich erfüllten sie seine flehenden Bitten - und prompt schaffte er bei der Bewerbung im Hamburger Theater Neue Flora Runde um Runde und wurde schließlich engagiert.

          Trailer : „Mein Sohn Helen“

          „Das hat mir bestätigt, dass ich auf die Bühne gehöre“

          Dass sein Talent aber offenkundig unübersehbar war, zeigte sich spätestens, als ihn die Nachwuchsagentur, die mit dem Musical gar nichts zu tun hatte, unter ihre Fittiche nahm - und ihm damit weitere Möglichkeiten bot.

          Durch die praktische Theaterarbeit und den Kontakt mit den älteren Kollegen bei „Mozart“ hatte Schümann von Anfang an miterlebt, dass Erfolg nicht ohne Schweiß, Disziplin und Tränen kommt - und schon gar nicht bleibt. Sieben Jahre hat er deshalb neben dem Gymnasium privaten Schauspielunterricht genommen. Während die Freunde Fußball spielten, Reitausflüge machten, irgendwo abhingen, hat er geübt, wie man mikrofontauglich spricht, sich mit Rollenprofilen auseinandersetzt und das Lampenfieber beherrschen lernt.

          Ganz schöne Sprünge: Als Kind spielte Jannik Schümann den kleinen Mozart – in seinem aktuellen Film spielt er einen transsexuellen Menschen.
          Ganz schöne Sprünge: Als Kind spielte Jannik Schümann den kleinen Mozart – in seinem aktuellen Film spielt er einen transsexuellen Menschen. : Bild: Andreas Pein

          Mit 16 Jahren spielte, sang und tanzte er in dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ zu den Liedern von Udo Jürgens im Hamburger Operettenhaus. „Das hat mir bestätigt, dass ich auf die Bühne gehöre“, resümiert er. „Ich habe mich da sofort total wohl gefühlt. Auch wenn ich heute in ein Theater komme, bin ich einfach glücklich.“

          Von Hamburg nach Berlin und zurück

          Jannik Schümann weiß, wohin er will. Und er will alles daransetzen, dass es klappt. Für neue Rollen arbeitet er weiter mit seinem Coach. Wie hält er die Pausen zwischen den Aufträgen aus? „Ach, es ruft schon immer jemand an“, sagt er, klopft auf Holz und fügt hinzu: „Hoffentlich!“

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