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Veröffentlicht: 20.03.2017, 19:40 Uhr

James Blunt im Interview „Auf Erfurt freue ich mich besonders“

Der Musiker James Blunt spricht im Interview über Konzerte in Deutschland, sein Softie-Image und Selbstironie auf Twitter. Und natürlich über den so geliebten wie gehassten Hit „You’re Beautiful“.

von Daniela Gassmann
© James Blunt „Wenn man im Kriegsgebiet war, prägt einen das ein Leben lang“: Bevor er Musiker wurde, war James Blunt beim Militär.

James Blunt gehört zu der Sorte von Stars, zu der alle eine Meinung haben: Die einen, vor allem Frauen, schmachten seit seinem Hit „You’re Beautiful“, die anderen finden ihn schrecklich nervig. Zur letzteren Gruppe gehört der Brite selbst, zumindest behauptet er das auf Twitter. Dank seines Humors gilt er inzwischen als cooler Typ – und dank seiner hohen Stimme hat er immerhin 20 Millionen Alben verkauft. Das fünfte, „The Afterlove“, kündigte er so an: „Ihr glaubt, 2016 war ein schlimmes Jahr? 2017 erscheint mein neues Album!“

In einem Berliner Luxushotel, Stockwerk 28, beendet Blunt schnell sein Telefonat. Er sinkt in Jeans und Sweatshirt aufs Sofa, als wäre es sein eigenes. Falls Blunt erschöpft ist, kann sein frisch rasiertes Gesicht das gut verstecken. Einzig eine kleine Geste deutet darauf hin, dass er rastlos sein muss, zwischen Welterfolg und Vaterpflichten: Unablässig schiebt er seinen silbernen Ring über den Fingerknöchel und wieder zurück.

Ihren Erfolg haben Sie einem Lied über unerfüllte Liebe zu verdanken, auf Ihrem neuen Album klingen Sie erstaunlich glücklich. Könnte das für Sie zum Problem werden?

Auf dem neuen Album ist nicht mehr nur der Mann mit Gitarre zu hören, trotzdem gibt es immer noch die dunklen, verzweifelten Stücke. In „Don’t Give me Those Eyes“ singe ich über eine Liebe, die nicht bestehen darf, weil sie falsch ist. Ich habe viel Gefühl hineingelegt und im Schreibprozess sogar mal geweint. Das Album ist ein Schnappschuss des Lebens, der Titel „The Afterlove“ steht genau wie das Wort „afterlive“ (deutsch: Jenseits, Anmerkung der Redaktion) für viele Dinge: Einerseits einen fröhlichen, paradiesischen Ort, den man erreicht, wenn man die Liebe gefunden hat, nach der man immer gesucht hat. Gleichzeitig meint „The Afterlove“ die Phase, wenn die Liebe gestorben ist. Meine Musik ist also so emotional wie früher – nur selbstbewusster.

© Youtube/James Blunt Musikvideo: „Bartender“ von James Blunt aus dem neuen Album „The Afterlove“

Sie haben 90 Lieder geschrieben, zehn ausgewählt, und am Ende handeln fast alle von Liebe. Das ist wenig innovativ, oder?

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Es geht aber nicht nur darum. „Someone singing along“ handelt von Politik auf der ganzen Welt. Ich singe darin, dass wir jeden Menschen schätzen sollen, egal welche Sexualität, Hautfarbe oder Religion er hat. Neu an dem Album ist auch der Humor. Wie die meisten Leute inzwischen wissen, blödele ich gerne herum. Früher habe ich keinen Weg gefunden, diesen Teil meines Charakters in meiner Musik auszudrücken. Bei diesem Album ist mir das zum ersten Mal gelungen.

Sie machen sich sogar über Ihren Hit „You’re Beautiful“ lustig, und das in einem eigentlich romantischen Lied.

„I would have said you are beautiful but I used this line before“, singe ich da. Die Leute fragen mich ständig nach dem Song, nach zwölf Jahren dachte ich, es wäre witzig, wenn ich mir in einem anderen Song einen Scherz erlaube.

Nervt es Sie denn nicht, immer mit Ihrer ersten Nummer in Verbindung gebracht zu werden? Immerhin ist sie als schnulzig verschrien.

Ich glaube, die Leute machen da einen einfachen Denkfehler: Sie behaupten, „You’re Beautiful“ wäre ein romantischer Song, aber eigentlich handelt er von einem Typen, der voll auf Drogen ist und sich in der U-Bahn in die Freundin eines anderen verguckt. Er wird zum Stalker. Wahrscheinlich wäre er im Gefängnis besser aufgehoben.

© Youtube/James Blunt Musikvideo: „You’re Beautiful“ von James Blunt

Ihr berüchtigter Sarkasmus, endlich!

So steht es in den Lyrics, lesen Sie nach. Da haben die Leute einfach komische Dinge hineininterpretiert.

Soso, die romantische Seite von James Blunt haben sich all die weiblichen Fans nur erträumt.

Sagen wir es so: Wir alle vereinfachen Dinge. Für die Leute war ich nur der romantische Typ mit der Gitarre, da habe ich mich in eine Ecke gedrängt gefühlt. Ich war Soldat, bevor ich Musiker wurde. Ich war jemand, der auf Ibiza lebte.

...und ausgiebig mit Models feierte...

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